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Dresdner Paar setzt auf Bienenwachstücher

Was vor vier Jahren in der heimischen Küche begann, hat sich zu einem Unternehmen entwickelt. Selbst Corona kann Marie und Markus nicht stoppen.

Marie Nestler und Markus Glandt prüfen die Ware in ihrer Manufaktur in Übigau.
Marie Nestler und Markus Glandt prüfen die Ware in ihrer Manufaktur in Übigau. © Christian Juppe

Dresden. Wer erinnert sich noch an die beiden Wächter des Bienenstockes in der Zeichentrick-Serie Biene Maja? Toff und Zürpel heißen die beiden, wobei das jiddische Wort "Toff" mit "gut" übersetzt werden kann und "Zürpel" umgangssprachlich "Knitterfalte" bedeutet.

Zwei Dresdner haben genau diese beide Namen zum Titel für ihr Projekt erkoren, das vor vier Jahren beim Herumexperimentieren mit Bienenwachs seinen Anfang nahm.

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"Zum ersten Mal sind uns die Bienenwachstücher auf dem Jakobsweg in Spanien begegnet", erinnert sich Marie Nestler. Dort haben sich die beiden auch kennengelernt.

Seitdem gehen die 26-Jährige und der 37-jährige Markus Glandt ihren Weg beruflich und privat gemeinsam. "Unsere große Leidenschaft ist das Reisen. Wir lieben es zu pilgern, die Natur zu erleben und gutes Essen zu genießen."

Marie stammt aus München, Markus aus Dresden. Inzwischen haben sie Dresden zu ihrer Heimat erkoren. Beide verbindet das Bedürfnis, ihre Umwelt pfleglich zu behandeln und möglichst wenig Müll zu produzieren.

"Deswegen konnten wir uns unsere Küche und unsere Ausflüge auch bald nicht mehr ohne die Bienenwachstücher vorstellen", sagt Marie.

Das Bienenwachstuch ist die natürliche und wiederverwendbare Alternative für Alu- und Frischhaltefolien sowie Plastikdosen.

Die Biobaumwolle für die Wachstücher wird in Deutschland gewebt.
Die Biobaumwolle für die Wachstücher wird in Deutschland gewebt. © Christian Juppe

Bienenwachstücher sind für die beiden allerdings kein Trendprodukt, sondern etwas Wiederentdecktes, das zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist.

Im Herbst 2017 gründeten sie ihre eigene Manufaktur in Dresden, die inzwischen als Nestler & Glandt GbR zu einem erfolgreichen Unternehmen herangewachsen ist.

In Übigau gibt es zwei Produktionsräume und einen Werksverkauf. "Zudem haben wir einen kreativen Raum für neue Ideen, in dem sich das ganze Team ausprobieren kann und wir neue Produkte entwickeln."

"Wir mussten niemanden entlassen"

Das Bienenwachs erhalten sie von 20 Bio-Imkereien, von denen der größte Teil aus der Region stammt. Außerdem bestehen die Tücher aus Kiefernharz, das für Strapazierfähigkeit sorgt, und Kokosöl, das sie geschmeidig macht. Die Verpackung aus Graspapier ist ein Kunstwerk für sich, das mit einem Siegelstempel nach alter Tradition zum Unikat wird.

Ihr Herzens-Thema "Abfälle vermeiden" sei in der Corona-Krise leider in den Hintergrund gerückt, da viele Menschen aus Sicherheitsgründen wieder vermehrt zu abgepackten Waren griffen.

Dennoch liefen bei "Toff & Zürpel" Produktion und Verkauf weiter. "Wir haben in der Pandemie natürlich auch zu kämpfen", sagt Marie, "aber wir sind stolz darauf, dass wir niemanden entlassen mussten."

Ihre sechs Mitarbeiter seien erst im vergangenen Jahr kurz vor dem ersten Lockdown angestellt worden.

Jede Verpackung aus Graspapier ist ein Unikat. Das Siegel wird von Hand gestempelt.
Jede Verpackung aus Graspapier ist ein Unikat. Das Siegel wird von Hand gestempelt. © Christian Juppe

In der Krise sehen Markus und Marie nun auch das Positive: Nach drei Jahren pausenloser Arbeit hätten ihnen die vergangenen Monate mehr Zeit zum Durchatmen verschafft, "um unsere Beziehung als Paar wieder in Einklang mit einem gemeinsamen Unternehmen zu bringen, über neue Produkte nachzudenken und eigenen Hobbys nachzugehen".

Neben den Wachstüchern bieten sie inzwischen auch Naturseife an und haben Feueranzünder aus dem eigenen Verschnitt im Angebot. Demnächst sollen neben weiteren Küchenaccessoires auch neue Bad- und Kosmetikartikel die Palette ergänzen.

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Die Bienenwachstücher von Toff & Zürpel sind unter anderem im Online-Shop bei DDV-Lokal erhältlich.

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