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Neues Stollenmädchen trotz Corona-Jahr

Das Dresdner Stollenfest: abgesagt. Der Striezelmarkt: anders als gewohnt. Warum es trotzdem auch in diesem Jahr ein neues Stollenmädchen gibt.

Ohne Maske, aber dafür mit Corona-konformem Abstand: Das neue Stollenmädchen Johanna Meitzner
Ohne Maske, aber dafür mit Corona-konformem Abstand: Das neue Stollenmädchen Johanna Meitzner © Marion Doering

Dresden. Eine große, blau-geblümte Maske trägt sie, farblich abgestimmt auf ihr traditionell blaues Kleid. Beim Fototermin hapert es noch etwas, ihre Brille beschlägt ständig. Und ihr schüchternes Lächeln sieht so auch keiner. Dann eben ohne Maske, mit gebührendem Abstand zu den umstehenden Stollen-Bäckern.

Johanna Meitzner ist Dresdens 26. Stollenmädchen, oberste Repräsentantin des Dresdner Striezels. Und obwohl ihr Terminkalender im Corona-Jahr etwas leerer aussieht als bei ihren Vorgängern, bringt sie den 110 Mitgliedsbäckereien des Stollen-Schutzverbands und dem Jahrhunderte alten Dresdner Bäckerhandwerk doch ein wenig Hoffnung.

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Denn die 21-jährige Dresdnerin ist fest entschlossen, nach ihrer abgeschlossenen Lehre zur Konditorin nun auch die angefangene Ausbildung bei der Bäckerei Morenz am Großen Garten abzuschließen und auch langfristig Kuchen und Brot zu backen. Ein Hoffnungsschimmer, nachdem das letzte Stollenmädchen im Frühjahr dieses Jahres ihren Job an den Nagel hing und sich stattdessen für ein Studium entschied. "Es macht uns wirklich stolz, dass junge Menschen wie Johanna so viel Engagement und Begeisterung für unser Handwerk mitbringen", sagt Andreas Wippler, stellvertretender Vorsitzender des Dresdner Stollenschutzverbandes.

Puderzuckermomente in der Coronazeit

Doch auch Johanna Meitzner hatte einmal andere Pläne: Vor sieben Jahren wurde sie Deutsche B-Jugend-Meisterin im Rennrodeln, entschied sich 2016 nach einem Praktikum in der Bäckerei aber endgültig für das Handwerk. "Ich bin mir sicher, dass auch die kommenden Monate recht 'sportlich' werden, denn die Dresdner Stollenbäcker machen auch in der aktuellen Zeit ganz viele Puderzuckermomente möglich", sagt sie.

Das neue Stollenmädchen Johanna Meitzner stilecht mit passender Maske.
Das neue Stollenmädchen Johanna Meitzner stilecht mit passender Maske. © Marion Doering

Die gibt es allerdings erst ab Anfang November, denn da beginnt offiziell die Stollensaison. Bei Johanna Meitzner lief es als Kind sogar noch traditioneller: Den ersten Christstollen schnitten ihre Eltern erst an Heiligabend an. In diesem Jahr ist der Stollen nun bereits angeschnitten, bei ihrem ersten öffentlichen Auftreten im Schloss Pillnitz kostete sie schon von ihrem selbst gebackenen Striezel.

Arbeiten in der "Guckbackstube"

Kurz vor Weihnachten häufen sich dann trotz Corona die Termine des neuen Stollenmädchens: Bei der Schaubackstube auf dem Striezelmarkt will sie vorbeischauen und am Termin des abgesagten Stollenfests, dem 5. Dezember, besucht sie verschiedene Konditoreien in Dresden. Wer bis dahin nicht warten will, kann ihr auch in der "Guckbackstube" ihrer Ausbilder Marlies und Ronald Morenz in der Wiener Straße in Strehlen zuschauen.

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Gegenüber den anderen Mitbewerberinnen konnte sich Johanna Meitzner durch ihr Wissen über das Dresdner Stollenhandwerk und ihre Leidenschaft für das Backen durchsetzen. Bereits seit 1995 wählt eine Jury des Schutzverbandes Dresdner Stollen e.V. die jährliche Vertreterin des goldenen Siegels.

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