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Dresdner Straßenbahn: Rendezvous mit der Neuen

Extrabreite Türen und jede Menge Wissensdurst. Wie die Dresdner bei den DVB ihre neue Super-Straßenbahn entdecken.

Großer Bahnhof für die „Neue“: Dresdens neue Straßenbahn wurde jetzt erstmals öffentlich vorgestellt.
Großer Bahnhof für die „Neue“: Dresdens neue Straßenbahn wurde jetzt erstmals öffentlich vorgestellt. © Sven Ellger

Dresden. "Mich fasziniert diese Technik und der öffentliche Nahverkehr überhaupt“, sagt Alexander Kraft und nimmt mit seinem vierjährigen Sohn Arthur auf dunklen Polstern mit gelbem Muster Platz. Nahezu täglich fährt er mit der Straßenbahn zur Arbeit nach Leutewitz. Kraft ist gemeinsam mit Schwiegermutter Ute Köster zur Enthüllung gekommen. Während ihres Studiums der Nachrichtentechnik in Dresden sei sie viel mit der Straßenbahn gefahren. Jetzt lebt sie zwar in Berlin. „Aber zu Staffelstabübergaben bin ich dann immer gern dabei.“

Maskottchen Leo und Moderator Christian Bieselt unterhalten derweil die Gäste auf dem DVB-Betriebshof Gorbitz. Diese sind gekommen, um „Unsere Neue für Dresden“ – den 43,5 Meter langen und 2,65 Meter breiten Niederflurgelenktriebwagen NGT DX DD – zu begutachten. „Vielleicht finden wir einen einfachen Namen für die Bahn, Horst zum Beispiel“, regt der Moderator an.

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Das Interesse der Dresdner ist groß. Schon Tage zuvor sind alle Besichtigungsplätze vergeben. Die DVB müssen ein strenges Hygienekonzept befolgen. So gibt es eine 3G-Kontrolle am Eingang und nach jeder Gruppe wird die Bahn desinfiziert – dafür aber auch kein Gedränge.

Das große Staunen: Straßenbahnfan Alexander Kraft mit Sohn Arthur an der neuen Bahn im Betriebshof Gorbitz.
Das große Staunen: Straßenbahnfan Alexander Kraft mit Sohn Arthur an der neuen Bahn im Betriebshof Gorbitz. © Sven Ellger

"Die neue Bahn ist etwas ganz anderes"

Bevor die Besucher den neuen, 35 Zentimeter breiteren Wagen sehen, erleben sie erst einmal eine Show. Begleitet von Lichteffekten und Tänzern öffnet sich das Tor eines Straßenbahnbetriebshofs. „Gruna 12“ steht an der ersten Bahn, ein „Union“-Triebwagen, ab 1908 in der einstigen Waggonbau Union gefertigt. Es folgen der „Große Hecht“ und die „Gotha ET 57“. An der „Tatra“-Bahn steht das Jahr 1972, diese Fahrzeuge wurden vor rund 20 Jahren vom Niederflurwagen abgelöst. Viele der Zuschauer in der Halle halten ihre Handys in die Höhe, nehmen Videos auf. Dann kommt der große Moment: Die neue Bahn wird sichtbar.

Augenzwinkernd zeigt Mario Kolarcik einen Button mit der Aufschrift: „Sag mal … bist du breiter geworden?“ Für ihn ist das eine lustige Erinnerung an die feierliche Enthüllung des neuen Stadtbahnwagens. Eigentlich warten an diesem Sonnabend bei ihm zu Hause bereits die ersten Gäste: Es ist Kolarciks 60. Geburtstag. Feiern will er etwas später, jetzt ist er erst einmal mit seinem Sohn auf Erkundungstour. Der 16-Jährige hat sich bei den Dresdner Verkehrsbetrieben beworben und will Straßenbahnfahrer werden. „Früher bin ich selbst Tatra gefahren, aber die neue Bahn ist etwas ganz anderes“, schwärmt der Mann mit dem auffälligen Bart.

Fan-Inspektion: Neugierige Dresdner in neuen Straßenbahnwagen.
Fan-Inspektion: Neugierige Dresdner in neuen Straßenbahnwagen. © Sven Ellger

„Die wirkt jetzt richtig hochwertig“

Theresa Garack schiebt derweil den Kinderwagen mit ihrer sechs Monate alten Tochter in die Bahn. „Auf dem Weg hierher sind wir mit einer Tatra-Bahn gefahren. Da war der Einstieg mit dem Kinderwagen ziemlich schwer“, sagt sie und genießt die extra breiten Türen der Neuen. Ihren Mann Oliver begeistern die Panoramascheiben. Es sind die weltweit größten, die bisher in einer Bombardier/Alstom-Bahn eingebaut wurden. Oliver Garack fragt nach technischen Details der sechs Millimeter dicken Scheiben. Ausführlich erklärt ihm Holger Seifert, Centerleiter Schienenfahrzeuge der Dresdner Verkehrsbetriebe, die Ergebnisse des Sandsacktests.

Neben Seifert geben auch André Daniel, Projektleiter beim Fahrzeughersteller Alstom, und drei weitere Mitarbeiter in der Bahn Auskunft.Die Gäste wollen alles genau wissen. Gerd Dreißig beispielsweise, der sich in seinem Arbeitsleben beim Dresdner Unternehmen VEM mit Motoren befasst hat, lässt sich die luftgekühlten Antriebe erklären. Viele Besucher scheinen Insider zu sein und erkundigen sich, was von den zahlreichen Anregungen bei der Präsentation Mockup im Januar 2020 im Dresdner Verkehrsmuseum umgesetzt wurde.

So sind die Sitze jetzt bequemer, die LED-Streifen durchgängig gestaltet und die Tastatur für die Behindertenplätze nutzerfreundlicher. Selbst scheinbare Kleinigkeiten wie die Haltewunsch-Taste fallen auf. „Die wirkt jetzt richtig hochwertig“, sagt der zwölfjährige Marek Böde, der mit Opa Michael Tretbar die Bahn inspiziert. „Cool“ finden beide die Lademöglichkeiten fürs Handy. Künftig können auch Nutzer von Elektrorollstühlen die neue Bahn nutzen. Sie benötigen zuvor allerdings eine Zertifizierung und eine kleine Fahrschule, erklärt Holger Seifert.

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Nach einer Dreiviertelstunde haben die Besucher noch die Möglichkeit, sich historische Straßenbahnen, darunter auch die „Berolina“, die älteste elektrische Bahn in Dresden, anzusehen. Zudem gibt es neben Informationsmaterial, Bastelbögen und Buttons mit Wunschmotiv. Für beschwingte Stimmung sorgen die Musiker der DVB-Band. Die sechs DVB-Mitarbeiter spielen seit zehn Jahren gemeinsam Rock und Pop der 60er- bis 80er- Jahre.

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