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Weihnachtsbaum-Verkäufer profitieren von Corona

Viele Händler verzeichnen Umsatzeinbußen. Es sei denn, man hat gutgewachsene Tannen im Angebot. Worauf Sie beim Baumkauf achten sollten.

Von Kay Haufe & Niels Heudtlaß
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Jens Süß verkauft Weihnachtsbäume am Zelleschen Weg. Seine Bäume stammen alle aus Sachsen.
Jens Süß verkauft Weihnachtsbäume am Zelleschen Weg. Seine Bäume stammen alle aus Sachsen. © Sven Ellger

Dresden. Ein geschmückter Weihnachtsbaum ist für viele das Symbol der besinnlichen Weihnacht. Jedes Jahr verleihen besonders stattliche Exemplare den verschiedenen Plätzen in Dresden wie dem Striezelmarkt auf dem Altmarkt einen besonderen Weihnachtszauber, auch wenn der Weihnachtsmarkt dieses Jahr zum Bedauern vieler wieder abgesagt werden musste.

Doch nicht nur öffentliche Bereiche werden mit den Nadelbäumen geschmückt, sie leuchten vor allem in heimischen Wohnzimmern, auf Balkonen und Terrassen. Stolze 29,8 Millionen Weihnachtsbäume wurden laut dem Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH) 2019 verkauft. Die meisten davon für den privaten Gebrauch.

Für Gärtnereien, wie die von Jens Süß aus dem Osterzgebirge, gehört der Verkauf dieser Bäume zum Hauptgeschäft im Winter. Seit dem 25. November ist die Saison für ihn und andere Händler gestartet. Der letzte Corona-Winter war für Süß, der seine Bäume am Zelleschen Weg anbietet, eines seiner besten Verkaufsjahre. Auch in diesem Jahr erwartet er hohe Zahlen. "Am vergangenen Freitag und Samstag gab es bereits einen Ansturm auf meinen Verkaufsstand", berichtet der Gärtner. Viele Dresdner befänden sich im Homeoffice. Zu Weihnachten könnten sie nicht verreisen. Da möchten sie sich das Zuhause besonders gemütlich einrichten und dazu gehört für viele ein Weihnachtsbaum, erklärt Süß. Andere Verkäufer aus Dresden und Umgebung bestätigen einstimmig den guten Start.

Doch die Dresdner Händler treibt auch eine große Sorge um, die das erfolgreiche Weihnachtsgeschäft verhageln könnte.

Muss ich mich jetzt schnell entscheiden?

"Wir und die Kunden haben Angst, dass wieder alles zugemacht wird", sagt Sven Hellmich, der im alten Heizhaus in der Neustadt seit zehn Jahren Kunden mit Weihnachtsbäumen versorgt. Für ihn ist das ein weiterer Grund für den starken Verkaufsstart. Im letzten Lockdown durften die Händler ihre Bäume zwar weiter verkaufen. "Doch in der aktuellen Lage kann alles passieren. Ich kann meinen Kunden keine Empfehlung geben, wann sie ihren Baum kaufen sollten", sagt der Verkäufer. Bäume wären genug für alle da, denn Hellmich hat gerade seine zweite Lieferung vorgezogen, um vorbereitet zu sein. Alles Qualitätsbäume aus Dänemark, wie er sagt.

Auch bei Jens Süß müssen sich die Kunden keine Sorgen machen, dass die Nadelhölzer ausgehen. "Meine Bäume kommen allesamt aus Sachsen, da sind die Transportwege kurz, und bei Bedarf kann ich immer neue nach Dresden holen", erklärt der Händler aus dem Osterzgebirge. Doch auch er macht sich Sorgen, dass ein Lockdown die gute Saison zu früh beenden könnte.

Händler wie Christian Fleischer, Geschäftsführer von Baumpflege Fleischer, oder Andreas Meile, der die beliebte Tannenmeile im Elbepark ausrichtet, schließen sich dieser Einschätzung an.

Direkt aus der Bühlauer Forstbaumschule kommen die Weihnachtsbäume von Sachsenforst, die jeden Donnerstag von 15 bis 18 Uhr an der Revierförsterei auf dem Heidemühlweg 38 verkauft werden. Im Angebot sind Kiefern, Bergkiefern, verschiedene Fichten und Tannen sowie wenige Nordmanntannen aus der Heide, die nur ganz kurze Transportwege hinter sich haben. Am 18. Dezember gibt es einen weiteren Verkauf vor dem vierten Advent.

Worauf sollte ich beim Kauf und der Lagerung achten?

Am wichtigsten sei, dass der Baum optisch gefällt und zum Kunden passt, sagt Andreas Meile. Deswegen rät er, keine bereits eingenetzten Bäume zu kaufen. "Ich kaufe ja auch kein Hemd, ohne es vorher anzuprobieren", so der Tannenmeilen-Betreiber. Seine Weihnachtsbäume seien alle in voller Pracht zu sehen. Erst nach dem Kauf werden sie mit einer Maschine eingenetzt. "Der Maschine bei der Arbeit zuzuschauen ist immer ein Highlight. Manche kommen nur dafür an den Elbepark", sagt er.

Dieses Jahr sei ein gutes für das Wachstum der künftigen Weihnachtsbäume gewesen, erklärt Süß. Der regnerische Sommer habe zu einer längeren Haltbarkeit der Nadelhölzer geführt. Für diese Bäume sei der viele Regen besonders gut gewesen, sagt auch Meile. Allerdings sei für andere Arten, die Wasser aus tieferen Schichten ziehen, noch lange kein Normalzustand der Feuchtigkeit im Boden erreicht. Bei den Weihnachtsbäumen rät er Käufern, auf das Gewicht zu achten. "Ein schwerer Baum bedeutet, dass er erst kürzlich gefällt und noch nicht ausgetrocknet ist, und damit länger haltbar" erklärt der Besitzer einer Baumschule.

Bei der Lagerung sei es ebenfalls wichtig, dass der Baum nicht austrocknet. "Ein schattiges Plätzchen, genug Wasser im Ständer und ein frischer Anschnitt ist die beste Methode, damit Tannen und Fichten möglichst lange ihre Nadeln behalten, erklärt Süß. Auf Wunsch schneidet er die Bäume für seine Kunden zurecht.

Wer eine Fußbodenheizung besitzt, sollte außerdem darauf achten, den Baum entweder höher zu stellen, zum Beispiel auf einen Schlitten oder den Boden abzudecken, ergänzt Meile. Wärme von unten sei besonders schädlich für die Weihnachtsbäume.

Hat sich der Preis zu den Vorjahren geändert?

Der Kaufpreis hat sich bei keinem der Händler zu den Vorjahren verändert. Die meisten berechnen pro Meter. Die Nordmanntanne ist weiter der beliebteste Baum, berichten die Händler. Er kostet zwischen elf und rund 70 Euro je nach Größe. Der Meterpreis liegt im Schnitt bei 14 bis 15 Euro.

Für die heimischen Bäume aus der Heide beginnen die Preise, natürlich abhängig von der Größe, bei zehn Euro, sagt der Bühlauer Revierförster Thomas Stelzig. Die Summen klettern bis auf rund 30 Euro. "Es sei denn, man entscheidet sich für einen vier oder fünf Meter hohen Baum, der kostet dann rund 50 Euro." Die Preise seien über Jahre hinweg stabil geblieben.

Wie transportiere ich den Baum nach Hause?

Zugegeben, so ein Baum ist ganz schön unhandlich, noch dazu oft stachelig. Ihn nach Hause zu transportieren ist oft eine Herausforderung. Doch statt mit dem Auto kann der Weihnachtsbaum auch mit einem Lastenrad abgeholt werden. Unkompliziert und kostenlos geht das mit dem freien Lastenradverleih Frieda & Friedrich des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Dresden.

Er bietet mittlerweile 19 verschiedene Lastenräder, deren Standorte über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. Sowohl zwei- als auch dreirädrige Räder sind im Angebot, es gibt auch welche mit Elektromotor-Unterstützung. Auch die Ladeflächen sind unterschiedlich gestaltet. Auf der Webseite www.friedafriedrich.de gibt es zu jedem Rad ein Foto und eine detaillierte Beschreibung.

Wer ein Rad nutzen will, muss sich auf dem Portal registrieren. Ausgeliehen werden können die Lastenräder jeweils ganze Tage, maximal drei Tage in Folge. Gebucht wird über einen Kalender. Am ersten Buchungstag holt man sich das Lastenrad an der Station ab, nennt einen Buchungscode, zeigt seinen Personalausweis und unterschreibt das Ausleihformular. Ab da ist man für das Lastenrad verantwortlich.

Die Lastenräder bei Frieda & Friedrich gehören überwiegend Kooperationspartnern des ADFC Dresden. Viele konnten durch kommunale Fördermittel gekauft werden, zum Beispiel von den Dresdner Stadtbezirksämtern.

Da passt auch ein Weihnachtsbaum rein: Das Lastenfahrrad eignet sich perfekt für den Transport.
Da passt auch ein Weihnachtsbaum rein: Das Lastenfahrrad eignet sich perfekt für den Transport. © Foto: Juliane Mostertz