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Dresdner Weihnachtsmärkte warten auf OK

Veranstalter und Händler stehen in den Startlöchern. Kunsthandwerker müssten produzieren, wissen aber noch nicht, ob es überhaupt losgehen kann.

So sah es zum Aufbau des Weihnachtsmarkt im Stallhof vor zwei Jahren aus. Dieses Mal sollen Drehkreuze den coronakonformen Eingang regeln.
So sah es zum Aufbau des Weihnachtsmarkt im Stallhof vor zwei Jahren aus. Dieses Mal sollen Drehkreuze den coronakonformen Eingang regeln. © Archiv: Marion Doering

Dresden. Eigentlich ist alles klar bei Henri Bibow, der den Mittelalter-Weihnachtsmarkt im Dresdner Stallhof veranstaltet. Auf seiner Internetseite verbreitet er Optimismus und hofft, dass der beliebte Markt am 23. November um 16 Uhr öffnen kann. 

Doch noch wartet Bibow auf die Genehmigung seines Hygienekonzeptes durch das Dresdner Gesundheitsamt. "Ich habe es bereits am 28. August eingereicht und nach den Handreichungen der Stadt in der vergangenen Woche noch einmal überarbeitet. Doch bisher gibt es keine Reaktion darauf", sagt der Veranstalter. 

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Sein Konzept sieht vor, die Besucherzahl über Drehkreuze an den zwei Ein- und Ausgängen zum Neumarkt und zur Schloßstraße zu regulieren. Besucher können sich Zeittickets per Mail aufs Handy schicken lassen oder diese ausdrucken.

Per Scanner an den Drehkreuzen wird erfasst, wie viele Menschen drin sind. "Die Aufenthaltsdauer liegt zwischen ein und zwei Stunden, das wird über die Zeittickets dann gut regelbar sein", sagt Bibow. 

Wenn es angesichts steigender Coronazahlen nötig sein sollte, die Besucher mit Anschrift zu registrieren, könne er sofort reagieren. Sechs zusätzliche Mitarbeiter an den Drehkreuzen sollen die Handhabung erklären und sich um die elektronische oder handschriftliche Registrierung kümmern, sagt Bibow. Erfahrungen damit hat er bei seinen Veranstaltungen in den vergangenen Wochen bereits gesammelt. "Das hat gut funktioniert, deshalb sind wir optimistisch."

Schnelle Entscheidungen der Stadt gefordert

Wichtig ist für ihn und die Händler, die am Markt im Stallhof teilnehmen wollen, dass die Stadt jetzt schnell eine Entscheidung trifft. "Die Kunsthandwerker müssen produzieren, die machen das nicht, wenn sie keine Sicherheit haben", sagt Bibow. 

So stellt ein Töpfer aus Berlin beispielsweise Weihnachtslichter mit der Hand her, von denen jedes 300 Löcher hat. "Was ist, wenn der Markt nicht stattfindet und der Mann auf 500 Stück davon sitzenbleibt, an denen er lange gearbeitet hat? Den Schaden ersetzt doch keiner", sagt Bibow. 

Die Planungen für den Weihnachtsmarkt in Loschwitz laufen auf Hochtouren, so der Verein. "Wir haben das Hygienekonzept und Händlerlisten bei der Stadt eingereicht und warten nun auf das OK", sagt Geschäftsführerin Lydia Göbel. 

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Um den Abstand zu gewährleisten, sollen die Buden in diesem Jahr auseinander gezogen und der Markt bis auf die Fidelio-F.-Finke-Straße ausgedehnt werden. Der Verein, der den Weihnachtsmarkt und auch das Elbhangfest organisiert, sucht für die coronakonforme Gestaltung des Weihnachtsmarktes noch Hilfe. 

"Das erfordert in diesem Jahr einen besonders hohen Arbeits- und Dekorationsaufwand. Dringend suchen wir freiwillige Helfer, die uns bei Auf- und Abbau unterstützen", so Göbel.

Auch die Händler, wie Ulrike Hausmann, die am Körnerplatz einen kleinen Keramikladen betreibt, hoffen auf grünes Licht für den Loschwitzer Weihnachtsmarkt, der vom 5. bis 20. Dezember stattfinden soll. "Das ist für uns die wichtigste Zeit im Jahr." Nach dem Lockdown sei das Geschäft nur langsam wieder angelaufen - die Einnahmen in der Weihnachtszeit seien deshalb enorm wichtig, um weitermachen zu können.

Verschiedene Märkte - verschiedene Regeln

Für den Striezelmarkt hat Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) angekündigt, dass dieser geschlossen wird, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz bei über 50 liegt. Das bedeutet, wenn  mehr als 50 Menschen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage positiv auf Corona getestet wurden. In Dresden tritt das ab 281 Fällen ein. Dann gilt eine Region als Corona-Risikogebiet. 

Frank Schröder, der den Weihnachtsmarkt an der Prager Straße veranstaltet, sagt dagegen: "Bei 50 wollen wir nicht schließen, sondern die Besucherzahl begrenzen und den Schnaps weglassen." Es solle so wenig Einschränkungen wie möglich für Besucher und Händler an der Prager Straße geben. 

Deshalb will er auch erst ab dem Wert 35 Zäune um den Markt aufstellen und eine Nachverfolgung der Besucher bei positiven Tests sicherstellen. Das tritt beim Striezelmarkt bereits ab 20 in Kraft.

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Auch die Glühwein- und Bratwurststände sollen nicht wie beim Striezelmarkt von den anderen Händlern getrennt werden. "Stattdessen bauen wir alles viel weiträumiger auf", so Schröder. 

Der Markt soll sich über die komplette Prager Straße erstrecken, das ist fast doppelt so viel Fläche wie sonst. Schilder sollen Einkäufer, die nicht auf den Markt wollen, unter die Arkaden bei den Ibis-Hotels und auf der anderen Seite entlang der Prager Zeile leiten.

Wie Schröder will auch Holger Zastrow, der den Weihnachtsmarkt auf der Hauptstraße organisiert, Tische mit viel Platz drumherum aufstellen. Dort können kleine Gruppen wie Familien und Freunde gemeinsam stehen, essen und trinken - und kommen mit anderen nicht direkt in Kontakt. 

Außerdem will Zastrow keine Zäune. "Ich werde den Markt einfrieden, aber nicht einzäunen. Zäune schrecken nur Besucher ab." Wie genau die Einfriedung aussehen soll, plant er noch.    

Das Problem mit dem Geld

Schröder ist sauer, weil die Stadt die Konzessionsabgabe für den Weihnachtsmarkt verlangt, obwohl der Stadtrat beschlossen hatte, auf Sondernutzungsgebühren und Abgaben in diesem Jahr zu verzichten. 

Die Abgabe müssen die Betreiber am Postplatz, der Schloßstraße, dem Neumarkt, der Hauptstraße und eben Schröder zahlen. Auch Zastrow brodelt deswegen. "Der Beschluss wird einfach missachtet." Die Stadt ließ eine Anfrage der SZ dazu bisher unbeantwortet. Am Donnerstagabend äußerte sich aber Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) dazu. "Der Stadtratsbeschluss hat keine Wirkung auf die Konzessionsgebühren." 

Ein weiteres Ärgernis für Zastrow: Wegen der Hygiene-Auflagen werden die Märkte deutlich teurer. OB Hilbert will sich vom Finanzausschuss des Stadtrates 600.000 Euro genehmigen lassen, um diese Kosten zu decken. "Wir haben auch Mehrkosten. Alleine für die Einlasskontrollen benötigen wir zusätzliches Personal, ein Hygienekonzept kostet Geld und auch die Einzäunung oder Einfriedung." 

Zastrow sagt, wenn die Stadt sich diesen Zuschlag gönne, müsse er auch den Betreibern der von der Stadt vergebenen Märkte gewährt werden. "Ich erwarte, dass die Summe auf eine Million Euro aufgestockt wird und wir einen Teil davon erhalten. Sonst können die Märkte nicht wirtschaftlich betrieben werden." Er schließt nicht aus, dass sein Markt aus Kostengründen ausfallen muss. Auch Schröder sagt, die Abgabe könne dazu führen, dass er absagen muss.

OB Hilbert argumentiert dagegen, die 600.000 Euro seien für die zusätzliche Fläche am Terrassenufer und die Verlegung einer Elektro-Anlage, weil die unter dem Altmarkt marode sei. "Aber Stadträte können entsprechende Anträge stellen." Dazu sei in der kommenden Woche Gelegenheit." 

Der Rat beschloss, dass die zusätzlichen Flächen auch für die Weihnachtsmärkte genutzt werden dürfen - es aber ein Verkehrskonzept geben soll, damit es nicht zum Dauerstau kommt, wenn Terrassenufer und Wilsdruffer Straße gesperrt werden.  

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