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Dresden

Dresdner Zirkus-Experte Ernst Günther ist tot

Überraschend ist der Sarrasani-Biograph und Wegbegleiter des Dresdner Weihnachts-Zirkus im Alter von 82 Jahren gestorben.

Ernst Günther, genannt ErGü, wurde 82 Jahre alt.
Ernst Günther, genannt ErGü, wurde 82 Jahre alt. © Weihnachtszirkus

Dresden. Wann immer jemand etwas über Hans Stosch-Sarrasani und seine Nachkommen in Erfahrung bringen wollte, wusste er, wohin er sich zu wenden hatte. Zweifellos kannte sich niemand besser in der Welt der legendären Zirkus-Dynastie aus als Ernst Günther.

Seine Erkenntnisse publizierte der Dresdner in den Büchern „Sarrasani wie er wirklich war“ und „Sarrasani - Geschichte und Geschichten“ und „Der lachende Sarrasani“. Dafür ernannt Trude Stosch-Sarrasani ihn schon 1994 zum offiziellen „Biographen des Hauses Sarrasani“.

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Doch Ernst Günther war viel mehr als ein Zirkusexperte. 1938 geboren, arbeitete er zunächst als Artist und Pantomime am Varieté, studierte Journalistik und war Chefreporter des Sächsischen Tageblatts. Seit 1958 beschäftigte er sich mit Geschichte und Gegenwart von Zirkus in all seinen Facetten.

2009 brachte Ernst Günther gemeinsam mit Zora Schwarz ein Buch über Carte Blanche heraus.
2009 brachte Ernst Günther gemeinsam mit Zora Schwarz ein Buch über Carte Blanche heraus. © Steffen Füssel

Als Fachkritiker rezensierte er über Jahrzehnte unter dem Pseudonym ErGü die Programme des Dresdner Café Prag und schrieb zahlreiche Sach- und Unterhaltungsbücher, die teilweise sogar in Japan erschienen, sowie Spiel- und Drehbücher für Shows und Fernsehfilme.

Als Texter und Interpret gestaltete Günther Rundfunksendungen, trat gelegentlich als Moderator und Kabarettist auf und erwarb sich große Verdienste um den Dresdner Weihnachtszirkus.

Für sein Wirken wurde Ernst Günther mit dem Saltarino-Preis, dem Literaturpreis der Gesellschaft der Circusfreunde, ausgezeichnet.

Zu seinen Spezialitäten gehörte jedoch auch die Geschichte der Stadt Dresden, insbesondere das Augusteische Zeitalter. So brachte er unter anderem die Bücher „Der Daumeneindruck Augusts des Starken“, „16 königlich-sächsische Miniaturen“ und „Maria Josepha, Augusts des Starken Schwiegertochter“ heraus.

"Stütze, Berater und guter Freund"

Am vergangenen Sonntag ist Ernst Günther überraschend im Dresdner Universitätsklinikum gestorben. Am 8. Oktober wäre er 83 Jahre alt geworden. Er hinterlässt seine Ehefrau Linda, die Kinder Ines, Katrin und Ralf sowie mehrere Enkel und Urenkel.

"Für den Dresdner Weihnachtszirkus geht eine Ära zu Ende", sagte Zirkus-Sprecher Dirk Porn am Donnerstag. "ErGü war für uns Stütze, Berater, Schriftsteller, Historiker, Partner und guter Freund. Er war ein Wegbegleiter seit der ersten Stunde."

1994 habe Günther gemeinsam mit Ernst-Heinrich Klöden sowie Ingrid und Oliver Geier-Busch den ersten Dresdner Weihnachts-Circus aus der Taufe gehoben. Außerdem war er Ideengeber des Ökumenischen Gottesdienstes, der jedes Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag Tausende Gäste unter der Kuppel des Zirkuszeltes zusammenbringt.

"Mit seinem Wissen und seinem Stil prägte er Generationen von Zirkusfreunden", so Porn. "Wir werden sein Vermächtnis in Ehren halten. "

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