merken
PLUS Dresden

Dresdnerin auf dem Weg zur Miss Germany

Model-Castings findet Johanna Müller immer schon spannend. Jetzt ist sie selbst Kandidatin. Doch die Branche zielt nicht mehr nur auf 90-60-90 ab.

Schönheit hat nicht nur mit Optik zu tun, sondern mit Charakter. Johanna Müller will es mit beidem zur Miss Germany schaffen.
Schönheit hat nicht nur mit Optik zu tun, sondern mit Charakter. Johanna Müller will es mit beidem zur Miss Germany schaffen. © Sven Ellger

Dresden. Johanna lässt Buddha für sich sprechen. Ihrer Bewerbung um einen begehrten Titel stellt die junge Dresdnerin seine Lebensweisheit voran: "Es gibt keinen Weg zum Glück. Glück ist der Weg." Der Weg dürfte auch das Ziel sein. Schließlich dauert der Schönheitswettbewerb, an dem sie teilnimmt, noch viele Monate. Bei Ankunft jedoch könnte die 24-Jährige Miss Germany sein.

Auf Instagram war sie im Mai auf den Ausscheid gestoßen. "Die frühere Miss Germany, Josefin Donat, ist mit mir in eine Schule gegangen", erzählt Johanna. Ihr Erfolg habe sie motiviert, es ebenfalls zu versuchen. "Wer nichts ausprobiert, kann auch nichts schaffen." Selbst wenn es nicht zum Sieg reiche, werde sie auf jeden Fall gewinnen, mit dieser Einstellung schickte sie schließlich ihre Bewerbung ab. Im August erhielt sie die Nachricht, dass sie zur Top 10 Sachsens gehört.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Jetzt ist Oktober und Johanna etliche Schritte weiter. Wer Deutschlands Schönste werden will, muss zuvor den Titel im eigenen Bundesland gewinnen. Seit Mittwoch gehört die studierte Fitness- und Präventionsmanagerin zur Top 5 der schönsten Sächsinnen. Darüber haben eine Jury und das Publikum mit ihren Votings entschieden.

"Ich wurde ins kalte Wasser geworfen"

Aus einem kleinen Dorf in die große, weite Welt hinaus, das ist Johannas Traum. Doch dafür wartet sie nicht auf Krönchen und Schärpe. Aufgewachsen in einer 500-Seelen-Gemeinde bei Oschatz, ging sie nach ihrem Abitur zum Studium nach Konstanz am Bodensee. "Da wurde ich zum ersten Mal ins kalte Wasser geworfen und musste mich plötzlich um fast alles selbst kümmern." Zum Glück hatten ihre Eltern, beide Ökonomen, der Tochter beigebracht, gut zu wirtschaften und genügsam zu leben.

"Von meiner Familie habe ich auch einen besonderen Humor mitbekommen", erzählt sie. Er helfe dabei, aus jeder Situation im Leben etwas zu machen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Umso trauriger findet sie die negative Stimmung, die so viele Menschen verbreiten. Anpacken, selbst etwas aus sich machen und für die eigene Zufriedenheit sorgen, das ist Johanna Müllers Credo, und genau so geht sie ihre Bewerbung zur Miss-Wahl an.

Noch bis Freitag nimmt sie an einer Online-Challenge teil, für die sie Aufgaben erfüllen und sich den Juroren damit noch persönlicher vorstellen muss. Die entscheiden bis Ende Oktober darüber, welche der jeweils fünf Bewerberinnen aus den 16 Bundesländern den Sprung in die Top 2 schaffen. "Im Fokus stehen nicht mehr so sehr wie früher die Modelmaße 90-60-90 als Ideal", erzählt Johanna Müller. Viel mehr interessiere die Entscheider der Charakter, die Ausstrahlung und die Botschaft der Bewerberinnen.

"Meine Familie und Freunde sind entscheidend"

Denn als Miss Sachsen, Miss Germany oder sogar Miss Universe - die schönste Frau der Welt - sollen die Siegerinnen ein Jahr lang Vorbild für andere Frauen sein, und das nicht nur optisch. "Es hat sich bei den Schönheitswettbewerben viel verändert", beobachtet Johanna. Es gehe mehr denn je um Individualismus, Stärke und Akzeptanz. Als Fitness- und Personal-Trainerin unterstütze sie andere Menschen dabei, einen gesunden und trainierten Körper zu erreichen und mit sich selbst zufrieden zu sein. Dabei gehe es nicht um Makellosigkeit. "Ich möchte besonders Frauen zeigen, dass sie so sein dürfen, wie sie sind – und dass sie genau so auch perfekt sind."

Ursprünglich haben sich rund 15.000 junge Frauen bundesweit um Teilnahme am Wettbewerb beworben. Von den aktuell 80 Kandidatinnen werden Ende Oktober 32 in die nächste Runde starten und in einem Schulungscamp lernen, soziale Medien wie Instagram und Facebook optimal zu bedienen, um als Influencerin erfolgreich zu sein. Im Februar ist die Wahl zur Miss Germany geplant.

Weiterführende Artikel

Die Dresdner Wurzeln von Miss Germany

Die Dresdner Wurzeln von Miss Germany

18 Jahre wuchs Nadine Berneis als schüchternes Mädchen in Sachsen auf – bis sie der Beruf in den Westen führte.

Was hat Heidi Klums Casting-Show "Germanys Next Topmodel" mit der Welt der Misswahlen zu tun? "Ich sehe die Sendung gern und finde sie spannend", gibt Johanna zu. Schade sei jedoch, dass Kandidatinnen, die individuell sind und aus dem üblichen Klischee fallen, zwar offiziell gewollt sind, dann aber von vielen Fernsehzuschauern im Internet beschimpft werden. Dafür hat sie kein Verständnis und will sich von solchen Verunglimpfungen niemals unterkriegen lassen. "Meine Familie und meine Freunde unterstützen mich sehr. Das ist entscheidend." 

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden