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Alkohol ist noch immer das größte Problem in Dresden

Laut aktuellem Dresdner Suchtbericht greifen viele Dresdner zur Flasche. Aber auch der Medienkonsum steigt. Die Pandemie hat die Probleme verstärkt.

Immer noch gibt es die meisten Beratungen zum Thema Alkohol.
Immer noch gibt es die meisten Beratungen zum Thema Alkohol. © Symbolbild: Dietmar Thomas

Dresden. Sollte Cannabis legal verkauft werden? Wie viele Dresdner konsumieren Crystal? All jene Fragen werden in Zusammenhang mit Sucht in der Stadt viel diskutiert. Doch noch immer heißt das größte Problem der Dresdner Alkohol. Viel zu oft verharmlost und überall frei zugänglich zu kaufen.

Mehr Crystal und problematische Mediennutzung

Wie schon in den Vorjahren ist Alkohol das größte Problem der Dresdner. Alkoholbezogene Probleme dominierten auch 2020 mit einem Anteil von rund 48 Prozent die Anfragen in den Dresdner Suchtberatungsstellen. Gefolgt von Konsumenten illegaler Drogen mit rund 40 Prozent sowie pathologischem Spielverhalten und problematischer Mediennutzung von Fernsehen, Tablet und Playstation. Zugenommen hat laut der Dresdner Suchtbeauftragten Kristin Ferse der problematische Mediengebrauch und der Konsum von Crystal.

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Der Anteil der Nichtraucher unter den Dresdnern ist nach einem kontinuierlichen Anstieg bis 2018 im Jahr 2020 gleich um drei Prozent auf 80 Prozent gesunken. Parallel stieg der Raucheranteil um drei Prozent auf elf Prozent. E-Inhalationsprodukte wie beispielsweise E-Zigaretten oder Heat-Sticks nutzen nur ein Prozent der Dresdner regelmäßig, so der Suchtbericht.

Meiste Delikte sind Cannabisverstöße

Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik gab es im Jahr 2020 insgesamt 2.240 Rauschgiftdelikte. Ein geringer Anstieg, 2019 waren es 2.171 Fälle. Nach einem jährlichen Anstieg der Verstöße mit Cannabis bis 2017 gab es mit 1.342 Fällen im Jahr 2020 das dritte Jahr in Folge einen Rückgang der Fallzahlen. Cannabisverstöße machen aber immer noch 60 Prozent aller Delikte aus. Die meisten Verstöße bezogen auf Methamphetamine gab es bei Crystal Meth mit 64,7 Prozent. Bei dieser Substanz gab es zwischen 2019 und 2020 eine Steigerung der Verstöße um knapp 32 Prozent.

Die Anzahl von nichtdeutschen Tatverdächtigen und auch ihr prozentualer Anteil an der Gesamtzahl sank weiter von 27,5 Prozent auf 24,1 Prozent, so die Stadt. Die nichtdeutschen Tatverdächtigen kamen aus 56 Nationen. Die Anzahl der jugendlichen Täter ist im Vergleich zum Vorjahr von 16 auf 18 Prozent gestiegen.

Pandemie hat Lage verschärft

Laut der Suchtbeauftragten haben sich die Probleme mit Suchterkrankungen in der Pandemie zugespitzt. Die Jugendhilfe benannte verstärkte Alkohol- und Crystal-Rückfälle und den gestiegenen Mischkonsum, also mehrere Substanzen, als Themen. "Außerdem habe es mehr vermehrt schwere Fälle psychisch Erkrankter sowie einen extrem erhöhten Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen, dem vermehrt hilflose Eltern gegenüberstehen", so Ferse.

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Erstmals stehen für den diesjährigen Suchtbericht auch aktuelle Daten aus Abwasseranalysen der TU Dresden zur Verfügung. Sie zeigen für Dresden einen überdurchschnittlichen Anstieg des Crystalkonsums im Frühjahr/Sommer 2020 und auch im Herbst 2020 noch über dem Niveau der Vorjahre. Bezüglich Crystal liegen die Dresdner Abwasserwerte sogar weit über dem Bundesdurchschnitt.

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