merken
PLUS Dresden

Paar bekommt 20.000 Euro von Dresdner Polizei

Ein Ehepaar wird Opfer eines Telefontricks und verliert 20.000 Euro. Die Dresdner Polizei gibt ihm das Geld nun zurück. Wer aber sind die Betrüger?

Diebesgut geht zurück an die Besitzer: Das Ehepaar Stefanie D. und Rolf D. aus Chemnitz hebt bei einer fremden Nummer vorerst nicht mehr ab.
Diebesgut geht zurück an die Besitzer: Das Ehepaar Stefanie D. und Rolf D. aus Chemnitz hebt bei einer fremden Nummer vorerst nicht mehr ab. © Marion Doering

Dresden. Stefanie D. hält einen Stapel Zweihundert-Euro-Scheine in der Hand. Daneben liegen ausgebreitet mehrere Goldketten auf dem Tisch. Auch ihr Ehering ist dabei. Die 70-Jährige schaut die Beamten in der Polizeidirektion Dresden dankbar an. Hätte es die Polizisten nicht gegeben, wäre der kostbare Schmuck und das Geld im Wert von 20.000 Euro jetzt weg.

An diesem Dienstag haben die Beamten Stefanie D. und ihrem Ehemann Rolf die Kostbarkeiten gerade wiedergegeben. Sie waren durch einen Telefonbetrug verloren gegangen. Es war im März, als das Rentnerpaar ausgetrickst wurde. Beim gemütlichen Frühstücken klingelte bei den beiden das Telefon: Die Anrufer gaben sich als Polizisten und Staatsanwälte aus, sie erzählten dem Ehepaar eine große Lüge.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Demnach habe es in der Nachbarschaft einen angsteinflößenden Einbruch gegeben. Um sich zu schützen und die Polizei finanziell zu unterstützen, sollte das Ehepaar 20.000 Euro sowie Schmuck in einem Dresdner Papierkorb verstecken. Dort würde es dann die Polizei abholen, um das Geld vor potenziellen Einbrechern zu sichern.

Ein mieser Telefonbetrug durch und durch

Das Ehepaar, wohnhaft in Chemnitz, machte sich sofort auf den Weg zur Sparkasse. "Natürlich kamen uns gewisse Gedanken, aber die Polizei ist unser Freund und Helfer. Wir haben ein beachtliches Vertrauen in die Polizei", wird der Rentner im Nachhinein erklären.

Am darauffolgenden Tag fuhr das Ehepaar nach Dresden, dort versteckte es Geld und Schmuck in einem Papierkorb nahe dem Alaunplatz in der Neustadt. Die ganze Zeit waren die beiden mit den Betrügern telefonisch im Kontakt. Sie glaubten fest daran, dass sie mit dem Geld sicher sind vor den Einbrechern. Ohne böse Vorahnung machten sie sich danach wieder auf den Rückweg.

Die Dresdner Polizei hatte indes einige Tage zuvor aus Hannover einen Hinweis erhalten, dass mehr als 20.000 Euro Bargeld in der Stadt an einen Trickbetrüger übergeben werden sollten. Den Informationen folgend verharrten die Beamten zum genannten Zeitpunkt vor dem Papierkorb. Das Ehepaar verpassten sie zwar, nicht aber den Betrüger. Nach kurzer Wartezeit näherte sich ein unbekannter Mann, er wollte das Geld aus dem Mülleimer holen. Die Beamten stellten den Tatverdächtigen und nahmen den 40-jährigen Deutschen fest.

20.000 Euro, drei Ketten, Ringe und eine Schmuckstecknadel hat das Ehepaar am Dienstag von der Polizei zurückbekommen.
20.000 Euro, drei Ketten, Ringe und eine Schmuckstecknadel hat das Ehepaar am Dienstag von der Polizei zurückbekommen. © Marion Doering

Hintermänner schwer zu ermitteln

Gegen den Deutschen und die Hintermänner des Betrugs ermittelt nun die Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion Hannover, von denen die Polizei auch den Hinweis erhalten hat. Zum genaueren Ablauf wollen sich die Fahnder aus ermittlungstaktischen Gründen auch jetzt, Monate später, nicht näher äußern.

Auch welche Folgen den 40-jährigen Tatverdächtigen erwarten, kann Hauptkommissar Carsten Billy nicht sagen. Er gibt aber zu bedenken, dass dieser möglicherweise nur ein normaler Kurier war, der über Ebay-Kleinanzeigen rekrutiert wurde und keine Beziehung zu den Hintermännern habe. Oft säßen die wahren Betrüger-Banden im Ausland, meist in der Türkei, so Billy.

Von dort tricksten sie besonders ältere Menschen in Deutschland am Telefon aus, verkauften sich als Polizisten und Staatsanwälte. "Die Betrüger haben oft eine deutsch-türkische Herkunft, sie sind in Deutschland straffällig geworden und in die Türkei ausgewandert. Dort finanzieren sie sich unter anderem durch Betrügereien am Telefon", erklärt der Kommissar. Durch die Geburt in Deutschland sprächen sie akzentfrei und fließend, weshalb die Betroffenen nicht stutzig würden.

Der Komissar kennt viele solcher Fälle, die Betrüger lassen sich dabei verschiedene Maschen einfallen. Die Täter geben sich als Polizisten, Enkel oder Staatsanwälte aus, rufen mit der 110 an. "Die gemeldeten Telefonbetrugsversuche liegen in Dresden im unteren dreistelligen Bereich", sagt Komissar Billy. Die Dunkelziffer sei aber deutlich höher.

Rolf und Stefanie D. zumindest sind froh, das Geld und den Schmuck wiederzuhaben. Einen Teil davon wollen sie an die Allgemeinheit spenden. Eine Lehre haben sie daraus jetzt gezogen: Bei einer fremden Nummer heben sie vorerst nicht den Hörer ab.

Die Polizei rät:

Weiterführende Artikel

Weniger Fahrraddiebstähle in Sachsen

Weniger Fahrraddiebstähle in Sachsen

Fast 20.000 Räder wurden 2020 im Freistaat gestohlen und damit weniger als im Vorjahr. Aber Sachsen liegt weiterhin über dem deutschen Durchschnitt.

Dresden: Um 80.000 Euro am Telefon betrogen

Dresden: Um 80.000 Euro am Telefon betrogen

Eine 67-Jährige aus Dresden wird seit Monaten von Unbekannten angerufen. Irgendwann rückt die Rentnerin ihre Kontodaten raus.

Helfer bei Dresdner Juwelendiebstahl?

Helfer bei Dresdner Juwelendiebstahl?

Fast 30 Hinweise gehen bei der Polizei zu möglichen Helfern beim Einbruch in das Dresdner Grüne Gewölbe ein.

Unbekannte betrügen Dresdner am Telefon

Unbekannte betrügen Dresdner am Telefon

Seit einigen Tagen erhalten Drewag-Kunden Anrufe von Telefonbetrügern. Wie man sich vor den Kriminellen schützt.

Legen Sie ein gesundes Misstrauen an den Tag.
Geben Sie am Telefon keinerlei Auskünfte zu Ihren finanziellen Verhältnissen.
Übergeben Sie fremden Personen niemals Geld.
Polizisten und Staatsanwälte verwahren keine Wertsachen.
Ziehen Sie bei Zweifeln eine Vertrauensperson hinzu und verständigen Sie die Polizei.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden