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Ein Drogenlager mitten in Dresden?

Edgar B. soll seinen Lebensunterhalt als Drogen-Lagerist bestritten haben. Französische Ermittler kommen ihm auf die Schliche.

Von Niels Heudtlaß
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Dem Angeklagten Edgar B. werden vor Prozessbeginn im Dresdner Landgericht die Handschellen abgenommen. Er befindet sich momentan in Untersuchungshaft.
Dem Angeklagten Edgar B. werden vor Prozessbeginn im Dresdner Landgericht die Handschellen abgenommen. Er befindet sich momentan in Untersuchungshaft. © Sven Ellger

Dresden. Der Schauplatz ist ein McDonalds-Parkplatz in Dresden. Edgar B. fährt mit einem schwarzen Mercedes vor. Dann holt er ein Kilogramm Crystal Meth aus dem Wagen. Die Drogen haben einen Wert von mehr als 20.000 Euro. Den Stoff übergibt er einem Kurier. So sieht der Staatsanwaltschaft Dresden zufolge einer der Tage im Leben von B. aus, der zum Umfeld der KMN-Gang gehört, einer Dresdner Rap-Gruppe.

B. steht seit Donnerstag vor dem Dresdner Landgericht. Ihm wird vorgeworfen, für den mutmaßlichen Großhändler Ammar R., der vor Gericht kein Unbekannter ist, ein Drogenlager betrieben zu haben. B. wird neben der Beihilfe zum Drogenhandel auch bewaffneter Drogenhandel, unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, illegaler Waffenbesitz sowie ein Verstoß gegen das Anti-Doping-Gesetz zur Last gelegt. Rund 18 Kilogramm Meth sollen von Dezember 2019 bis Mai 2020 durch sein Depot gegangen sein. Der mutmaßliche Rauschgift-Lagerist hat am Donnerstag geschwiegen.

Ermittler finden Drogen und Waffen in der Wohnung des Angeklagten

Aufgeflogen war B. durch die Entschlüsselung sogenannter Encro-Chats, dem "Whats-App für Kriminelle". Über modifizierte Handys konnten Kriminelle in ganz Europa verschlüsselt kommunizieren und Taten absprechen. IT-Spezialisten aus Frankreich gelang es, zahlreiche Chats zu entschlüsseln. Tausende Straftaten kamen so ans Licht. Die Ermittler teilten ihre Ergebnisse auch mit deutschen Behörden.

Im Januar dieses Jahres durchsuchen Ermittler schließlich B.s Wohnung und die seiner Freundin. Bei ihm finden sie Kleinstmengen Drogen und 2.300 Milliliter des Hormons Testosteron, dreimal so viel wie gesetzlich erlaubt. Bei Bodybuildern ist es eine beliebte Substanz, die das Muskelwachstum verstärken soll. Auch eine Machete, versteckt im Kleiderschrank des Schlafzimmers, und ein Schlagring befinden sich in der Wohnung. Bei der Freundin stößt die Polizei auf 500 Gramm Crystal, 25 Patronen und über ein Kilo Streckmittel.

Die B.s Verwendung der Textnachrichten als Beweisstück sieht Verteidiger Mario Thomas kritisch. Man wisse nicht genau, wie die Kommunikation entschlüsselt und ob dabei womöglich gegen deutsches Recht verstoßen wurde. Der Rechtsanwalt bezweifelt, dass die Nachrichten zweifelsfrei seinem Mandaten zugeschrieben werden können. Er fordert eine Überprüfung der französischen Ermittlungen. Auch von bewaffnetem Drogenhandel könne keine Rede sein, so die Verteidigung.

Fünf Verhandlungstage sollen noch folgen. B. befindet sich momentan in Untersuchungshaft.