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Wie eine junge Dresdner Wirtin den Mut behält

Seit sechs Jahren betreibt Maria Gentzsch den Tolkewitzer Lindenhof, belebt nun die Pension dazu neu und sorgt für Adventsstimmung im Viertel.

Von Nadja Laske
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Fünf Zimmer hat die Pension Lindenhof. Die sind nun nigelnagelneu hergerichtet. Maria Gentzsch freut sich auf die Eröffnung am 1. Dezember.
Fünf Zimmer hat die Pension Lindenhof. Die sind nun nigelnagelneu hergerichtet. Maria Gentzsch freut sich auf die Eröffnung am 1. Dezember. © Sven Ellger

Dresden. Die Botschaft kam am Hackepetertag. Da wurde der Lockdown verkündet. Dass es der längste werden würde, konnte Maria Gentzsch damals noch nicht wissen. Für mehr als ein halbes Jahr musste sie ihr Restaurant Lindenhof in Tolkewitz schließen.

Seitdem ist viel passiert. Die Stammgäste kamen zum Abschiedsessen, dann die Tränen. Noch am Sonntag, bevor die Wirtin die Stühle im Gastraum für zunächst unbestimmte Zeit hochstellte und ihr Büro aufräumte, hatte sie Riesenschnitzel und hausgemachte Sülze serviert, als sei es die Henkersmahlzeit. Zwar war das erneute Herunterfahren nicht völlig überraschend nötig geworden. "So richtig realisiert habe ich es aber dann doch erst im leeren Gastraum."

Maria Gentzsch ist zu optimistisch, zu leidenschaftlich Gastgeberin und zu fleißig, um die Hände in den Schoß zu legen. Sofort ließ sie Flyer drucken und im Stadtviertel verteilen, richtete sich, ihre Mitarbeiter und die Gäste auf Lieferservice ein.

"Am Anfang hat das funktioniert. Vor allem aus der treuen Nachbarschaft kamen viele Bestellungen", erzählt die 35-Jährige. Doch mit der Dauer des Stillstands kam die Ermüdung. Die Menschen begannen, sich in der Häuslichkeit einzurichten. "Aus heutiger Sicht hat sich der ganze Aufwand zumindest wirtschaftlich nicht gelohnt", sagt Maria Gentzsch. Zwar liefert sie nach wie vor Essen auch aus. "Gastronomen wie mich kann das aber nicht retten." Hausmannskost gehöre auf den Teller, nicht in die Assiette.

Tolle Helfer in jeder Lebenslage

Nach Ernüchterung klingt das nicht. Es ist die Einschätzung einer Unternehmerin, die versucht hat, aus einer miesen Lage das Beste herauszuholen, neue Wege zu gehen, sich nicht entmutigen zu lassen. Irgendwann ist Zeit für Kassensturz, dann liegen die Karten auf dem Tisch.

Inzwischen stehen auch die Gerichte wieder dort und die Lindenhofbesucher essen im Restaurant. Ob das so bleibt, will Maria Gentzsch nicht bezweifeln. Gerade in den vergangenen Wochen hat sie ihr Geschäft mit so viel Enthusiasmus weiterentwickelt, dass die Mühe sich einfach lohnen muss, findet sie.

Als die junge Mutter einer Halbwüchsigen und eines Kleinkindes vor sechs Jahren den Lindenhof übernahm, hatte sie etliche Jahre Erfahrung als Wirtin eines Gartenlokals hinter sich. Schon nach ihrer Ausbildung zur Restaurantfachfrau war ihr klar gewesen, dass sie ihr eigenes Restaurant haben will. Für jede Entscheidung selbst verantwortlich zu sein, Risiken zu tragen und weniger Freizeit zu haben als die meisten Angestellten, nahm sie dafür gern in Kauf.

Dabei ist sie keine ausgemachte Solistin. "Ich habe eine wunderbare Familie und tolle Freunde, ohne die ich nicht so viel geschafft hätte", sagt Maria. Mama passt auf die Kinder auf, Papa liefert Essen aus, ihr Partner klotzt ran, wenn Bauarbeiten anstehen. Und das ist gerade nicht zu knapp der Fall.

Denn Maria Gentzsch hat sich entschlossen, auch die Pension Lindenhof wiederzubeleben. Die gehörte ursprünglich zur Gastwirtschaft dazu. Doch zunächst hatte sich die Restaurantbetreiberin kein so großes Unternehmen zugetraut. Nun wurden die fünf Zimmer komplett saniert. Alle Bäder sind frisch gefliest und ausgestattet. Die neuen, rustikalen Landhausmöbel in hellem Holz hat Maria Gentzsch mit moderner Wandgestaltung und geradlinigem Design kombiniert. Ab dem 1. Dezember wird sie die ersten Übernachtungsgäste begrüßen. Anfragen hat sie bereits. Das Doppelzimmer kostet inklusive Beherbergungssteuer 75 Euro pro Nacht.

Und ein weiterer Traum soll in Erfüllung gehen: Schon vor einem Jahr wünschte sie sich, auf einem selbst organisierten Stadtteilfest die Menschen des Viertels zusammenzubringen. Nun lädt sie die Tolkewitzer und alle Dresdner zu ihrem kleinen Weihnachtsmarkt ein. Auf dem gibt es am zweiten und am dritten Adventswochenende, jeweils von 17.30 bis 21.30 Uhr, im Lindenhof-Biergarten Glühwein und Kinderpunsch, Bratwurst, Langosch, Kräppelchen und Fischsemmel. Heizpilze und Stehtische wird sie aufbauen. "Meine Familie und Freunde helfen wieder ganz liebevoll mit", sagt sie - und freut sich auf ein gemütliches Stelldichein. Darauf, gemeinsam das Jahr 2021 Revue passieren zu lassen, und auf das Gute im neuen Jahr zu hoffen.