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Hier entsteht ein neuer Stadtteil für Dresden

An der Reicker Straße sollen sich Forschungseinrichtungen und andere Unternehmen ansiedeln. Platz ist auch für Sport- und Spielbereiche.

Nördlich des Otto-Dix-Centers in Dresden-Strehlen soll auf 45 Hektar der neue Wissenschaftsstandort Ost entstehen. Geplant sind auch Sport- und Grünflächen.
Nördlich des Otto-Dix-Centers in Dresden-Strehlen soll auf 45 Hektar der neue Wissenschaftsstandort Ost entstehen. Geplant sind auch Sport- und Grünflächen. © Sven Ellger

Dresden. Mit dem Wissenschaftsstandort Dresden-Ost entsteht ein ganzer Stadtteil, zentral und forschungsnah gelegen - so hatte Robert Franke, Chef im Dresdner Amt für Wirtschaftsforderung, den neuen Gewerbepark im Juli 2020 beschrieben.

Anlass war der Umzug einiger Kleingärtner, deren Parzellen Platz für die Neubauten und Freizeitflächen machen mussten. Die Umsiedlung der Gartenanlagen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Wissenschaftsstandort.

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Konkret geht es um ein rund 45 Hektar großes Areal, das sich in den Stadtteilen Strehlen und Reick zwischen der Reicker Straße und dem Bahndamm erstreckt. Pläne für den Wissenschaftsstandort gibt es schon lange - und er wird in der Landeshauptstadt auch dringend gebraucht, denn Flächen für die Ansiedlung weiterer Unternehmen und Forschungsinstitute sind im Stadtgebiet rar.

Was soll auf der Brache an der Reicker Straße entstehen?

Rund 17 Hektar des 45 Hektar großen Areals sollen für den Bau neuer Gewerbe- und Wissenschaftseinrichtungen genutzt werden. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Fraunhofer-Institutszentrum Dresden mit den Instituten für Keramische Technologien und Systeme, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik sowie Werkstoff- und Strahltechnik.

Neue Institute können sich - nicht weit entfernt - auf der südlichen Seite des Bahndamms ansiedeln, so der Gedanke der Wirtschaftsförderer. Eigens dafür wird eine neue Straße gebaut, die über die verlängerte Tiergarten- und Liebstädter Straße eine Verbindung zwischen der Winterberg- und der Reicker Straße schafft.

Damit soll das Gewerbegebiet direkt an das Dresdner Verkehrsnetz angebunden werden und die jetzige Nord-Süd-Verbindung über die Lohrmann- und Gasanstaltstraße entlasten.

Die Flächen in Strehlen und Reick sind für Unternehmen vorgesehen, die auch in die Forschung investieren. Für Dresden ist der Bereich Wissenschaft zu einem wichtigen Standortfaktor geworden, Institute auch außerhalb von Universität und Hochschulen haben sich in der Landeshauptstadt angesiedelt.

Darunter Forschungseinrichtungen wie Helmholtz-Gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft, Leibniz-Institut. Neben dem Nanoelektronikzentrum in Klotzsche, dem Bioinnovationszentrum in der Johannstadt und der Technologiemeile an der Nöthnitzer Straße soll sich das innerstädtische Areal in Strehlen, Reick und Gruna zum vierten großen Wissenschaftsstandort in Dresden entwickeln.

Für reine Handwerksfirmen etwa ist das Gebiet nicht gedacht. Von den Plänen unberührt bleiben die beiden Kitas am Rudolf-Bergander-Ring. Mitarbeiter der Institute können hier später ihre Kinder betreuen lassen.

Trotz neuer Gebäude bleibt auf dem Wissenschaftsareal genug Platz für Grün- und Sportflächen, neue Wege und eine parkähnliche Landschaft, vor allem im Bereich des Koitschgrabens.

"Es soll ein ganzes Quartier mit Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie Raum für Erholung und Sport entstehen", so Robert Franke. Neben Spiel- und Sportplätzen sind Spazierwege und hügelige Anlagen geplant, aber auch Grünbereiche, in denen Pflanzen und Tiere einen Rückzugsort in der Stadt finden.

Auf der südlichen Seite der Reicker Straße ist der Koitschgraben bereits renaturiert und hat sich zum Grüngürtel zwischen den Wohngebieten entwickelt.

Gibt es für den Standort bereits Interessenten?

Für die ersten Flächen direkt an der Reicker Straße gebe es derzeit Gespräche mit mehreren Interessenten, teilt Robert Franke mit. Um wen es sich konkret handelt, will er noch nicht verraten. "Wir sind sowohl mit der TU Dresden als auch verschiedenen Instituten im Austausch."

Wann beginnen die Bauarbeiten?

"Wir liegen im Zeitplan", sagt Franke. Allerdings bezieht sich der Wirtschaftschef dabei auf die aktuellen Pläne. Bereits seit mehr als zehn Jahren gibt es ein zähes Ringen um den Wissenschaftsstandort, bei dem nicht nur Naturschutzbelange - unter anderem wurden seltene Tierarten gefunden - , sondern etwa auch Hochwasserschutz und die Interessen der Deutschen Bahn und Kleingärtner eine wichtige Rolle spielten. Inzwischen wurden dafür Lösungen gefunden.

Zunächst geht es nun darum, die Infrastruktur für den Gewerbepark zu schaffen: Wege, Straßen und Beleuchtung müssen gebaut und Versorgungsleitung verlegt werden. Derzeit sucht die Stadt Baufirmen, die diese Arbeiten übernehmen.

Um die Genehmigung zu beschleunigen, hatte die Stadt das Areal zwischen Reicker Straße und Bahntrasse 2015 in drei kleinere Bereiche unterteilt. Denn der Verwaltungsakt von der Planung bis zur Baugenehmigung dauert nicht selten mehrere Jahre. Der erste Bauabschnitt befindet sich parallel zur Reicker Straße gegenüber vom Otto-Dix-Center, wird östlich und westlich vom Rudolf-Bergander-Ring begrenzt und ist etwa 130 Meter breit.

Für diesen Bereich gibt es bereits Baurecht und er ist erschlossen, sodass die Bauarbeiten an den Forschungsgebäuden nach der Genehmigung schnell starten könnten.

In diesem und im nächsten Jahr rechnet Franke mit dem Baurecht für die anderen Areale. Erst am 13. Januar dieses Jahres hatte der Bauausschuss den Plänen für einen weiteren Teilbereich südlich des Bahndamms zugestimmt.

Was passiert mit den Kleingärten im Gebiet?

Eine große Hürde auf dem Weg zum Wissenschaftspark ist es, den Kleingärtnern, die auf dem Areal mitunter seit Jahrzehnten ihre Parzellen bewirtschaften, Ausweichflächen anzubieten. Betroffen sind gleich mehrere Sparten.

Denkbar groß war zunächst der Protest, denn vor allem ältere Hobbygärtnern wollen keinen gärtnerischen Neustart hinlegen. Einige von ihnen haben ihr kleines, grünes Paradies komplett aufgegeben.

In den vergangenen Jahren hat die Stadt Ersatzflächen für die umzugswilligen Gärtner hergerichtet und erschlossen, im Juli 2020 konnte Robert Franke dann die ersten 23 von 130 neuen Parzellen an den Stadtverband der Gartenfreunde übergeben.

"Der mehrjährige Prozess der notwendigen Verlagerung von Kleingärten läuft in enger Abstimmung mit den Spartenvorsitzenden sowie dem Stadtverband der Dresdner Kleingärtner", so Franke.

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