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Dresdner Klinikum: Die Entscheidung ist gefallen

Das Städtische Klinikum kann mit seinem Zukunftskonzept starten. In Friedrichstadt und am Weißen Hirsch entstehen viele neue Gebäude. Aber was wird aus Trachau?

Die erste Phase des Zukunftskonzeptes kann das Städtische Klinikum Dresden in Angriff nehmen.
Die erste Phase des Zukunftskonzeptes kann das Städtische Klinikum Dresden in Angriff nehmen. © Sven Ellger

Dresden. Die sächsische Landeshauptstadt träumt von einem weiteren Medizin-Campus, auf dem alle Kliniken in Zentren konzentriert sind und auf kurzen Wegen zusammenarbeiten können. Diese Vision soll bis 2035 in Friedrichstadt realisiert werden und ist im Dresdner Stadtrat weitestgehend unstrittig. Dass dafür jedoch alle Stationen im Trachauer Krankenhaus geschlossen werden sollen, hat sich in den vergangenen Monaten zum Streitthema entwickelt. Eins, das das gesamte Zukunftskonzept des Städtischen Klinikums ins Wanken brachte. Am Donnerstag ist nun eine vorläufige Lösung gefunden worden, mit der alle Parteien zufrieden sind.

Die geplante Schließung des Neustädter Krankenhauses sowie dessen Umwandlung in ein ambulantes Versorgungszentrum mit Notaufnahme, wie es Stadt und Klinik-Leitung planen, wird zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal diskutiert und separat entschieden. Ein Kompromiss, um all die anderen Ziele nicht zu gefährden und mit der dringend nötigen Umstrukturierung loslegen zu können. Grüne, Linke und SPD hatten das Zukunftskonzept zuvor heftig kritisiert, hauptsächlich wegen der geplanten Schließung Trachaus als klassisches Krankenhaus. Im Finanzausschuss fiel das Vorhaben bereits durch. Das hätte auch im Stadtrat gedroht, wäre das Konzept als Ganzes zur Abstimmung gestellt worden. So ist nun erst einmal die erste Phase beschlossen worden. Zum Standort Trachau muss die Stadtverwaltung jetzt weitere Expertisen einholen.

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Galgenfrist für Neustädter Krankenhaus

"Wir bejahen das Zukunftskonzept uneingeschränkt, auch mit der Entwicklung des Standorts Friedrichstadt", sagte Grünen-Stadtrat Wolfgang Deppe am Donnerstag vor der Entscheidung. "Aber muss das bedeuten, dass es danach nur noch in Friedrichstadt ein Krankenhaus gibt?" Er denke, es sei zu früh, jetzt schon über die Zukunft des Neustädter Krankenhauses an der Industriestraße zu entscheiden. Er erkenne den deutlichen Wunsch der Dresdner im Westen der Stadt, eine chirurgische und inner-medizinische Grundversorgung in der Nähe zu behalten. Daher begrüße er den Kompromiss, sich bis spätestens 2025 mit einer Entscheidung über den Trachauer Standort Zeit zu lassen.

Als ein Bekenntnis zu Trachau wertet Linke-Stadtrat Jens Matthis den Beschluss. Dresden werde dieses Krankenhaus schon aus Kapazitätsgründen brauchen, sagte er. "Darauf können wir nicht verzichten." Selbst wenn eine Konzentration der stationären Versorgung in Friedrichstadt den Weg aus der Verlustzone bedeute. Sich nur an schwarzen Zahlen auszurichten, sei ein falscher Maßstab, so Matthis weiter.

Die CDU begrüßte, dass der Kompromiss gefunden wurde. Damit werde das Städtische Klinikum auf den richtigen Weg gebracht, so Stadträtin Daniela Walter.

Friedrichstadt wird zur Großbaustelle

Was bedeutet der Beschluss vom Donnerstag konkret? Für Friedrichstadt bedeutet das die Sanierung und Erweiterung des Hauses P, die ohnehin schon lange geplant war. Kosten: rund 44 Millionen Euro. Die Förderzusage des Freistaates gebe es bereits, so Klinik-Chef Marcus Polle. Darüber hinaus entstehen ein neues Laborgebäude, ein Parkhaus und ein Logistikzentrum. Das wären die Grundsteine dafür, dass die stationäre Versorgung einmal in Friedrichstadt gebündelt wird.

Mit diesen Gebäuden und Zentren plant die Stadt das Friedrichstädter Krankenhaus bis 2035 auszustatten.
Mit diesen Gebäuden und Zentren plant die Stadt das Friedrichstädter Krankenhaus bis 2035 auszustatten. © Stadtverwaltung Dresden

Große Veränderungen stehen mit der Entscheidung vom Donnerstag am Weißen Hirsch bevor: Dort ist ein Neubau für die Versorgung psychisch erkrankter Menschen geplant, ebenso eine sozialtherapeutische Wohnstätte und eine weitere Rettungswache. Kosten: etwa 95 Millionen Euro.

Was Trachau angeht, so würden die ersten Kliniken ohnehin erst nach 2030 nach Friedrichstadt ziehen. Am Standort soll nach dem Willen der Stadt ein ambulantes OP-Zentrum sowie eine Notaufnahme mit zehn Betten auf einer Überwachungsstation verbleiben. Darüber hinaus sind Pflegeangebote, auch im Bereich Wohnen, vorgesehen.

Dieser Plan für das Neustädter Krankenhaus in Trachau liegt nun erst einmal auf Eis.
Dieser Plan für das Neustädter Krankenhaus in Trachau liegt nun erst einmal auf Eis. © STESAD/Stadtverwaltung Dresden

Stadträte danken scheidendem Klinik-Direktor

Lobende Worte gab der Stadtrat am Donnerstag dem scheidenden Klinik-Direktor Marcus Polle mit. Auch wenn das Zukunftskonzept schon vor seinem Dienstbeginn im vergangenen Frühjahr in Angriff genommen wurde, so wird es ihm zugeschrieben, es mit Vehemenz vorangebracht zu haben. "Trotz aller Differenzen danken wir ihm für sein vorwärtsdrängendes Engagement", sagte Wolfgang Deppe. Auch die CDU-Fraktion dankte ihm für seine Arbeit.

Polle verlässt das Klinikum zum Ende dieses Jahres schon wieder. Sein Vertrag läuft regulär aus. Der kaufmännische Direktor geht nach Dortmund und wird dort das kommunale Klinikum leiten. Den nun gefundenen Kompromiss in Dresden begrüßt er ausdrücklich. Er bedeute, dass es nun losgehen könne, so Polle zur Sächsischen Zeitung. Natürlich hätte er es gern gesehen, wenn das komplette Konzept beschlossen worden wäre, bevor er die Stadt verlässt. Polles Stelle soll im Herbst neu besetzt werden.

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