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Dresdner Norden bald ohne Notaufnahme? Kritik an Gutachten zum Neustädter Krankenhaus

Zu teuer und möglicherweise nicht mehr gesetzeskonform: Die Notaufnahme des Krankenhauses Dresden-Neustadt könnte in etwa zehn Jahren schließen. Die CDU spricht sich dagegen aus.

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Das Krankenhaus Dresden-Neustadt soll zu einem reinen ambulanten Versorgungszentrum werden. Ob mit oder ohne Notaufnahme, ist unklar.
Das Krankenhaus Dresden-Neustadt soll zu einem reinen ambulanten Versorgungszentrum werden. Ob mit oder ohne Notaufnahme, ist unklar. © Sven Ellger

Dresden. Nicht nur die stationäre Versorgung am Neustädter Krankenhaus soll ab Mitte der 2030er-Jahre gestrichen werden, auch die Notaufnahme könnte dann wegfallen, wie der Chef des Städtischen Klinikums, Dirk Köcher, und Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) im Interview mit Sächsische.de erklärt haben. Die CDU findet diese Aussagen alarmierend und fordert den Erhalt der Notaufnahme.

"Unsere Fraktion unterstützt nach wie vor das Zukunftskonzept für das Städtische Klinikum", sagt der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Veit Böhm. "Dieses sieht gerade nicht vor, dass die Notaufnahme am Standort Neustadt wegfallen soll."

Gutachter sehen keine Versorgungslücke bei Notaufnahme-Schließung

Aktuell weise das Notfallzentrum am Standort Neustadt einen Einzugsbereich bis in den Dresdner Norden auf. Die schon jetzt permanent überlastete Notaufnahme am Standort Friedrichstadt könne kein Ersatz für die Notfallversorgung im Dresdner Norden und Nordwesten sein. "Bevor Frau Dr. Kaufmann und die Klinikleitung die Menschen mit ihren Gedankenspielen weiter verunsichern, sollten sie zunächst ihre Hausaufgaben für die bereits beschlossenen Maßnahmen des ersten Umsetzungsabschnitts machen", so Böhm. Mit Spekulationen über die mögliche Streichung von Leistungsangeboten in der Zukunft sei niemandem geholfen.

Köcher und Kaufmann hatten in dem Interview erklärt, dass nach der Krankenhausreform eine Notaufnahme möglicherweise nicht mehr betrieben werden darf, sollte es keine angeschlossene, durchgängige stationäre Versorgung mehr geben. Das Zukunftskonzept für das Städtische Klinikum sah aber genau das vor - eine Notaufnahme, ansonsten aber nur noch ambulante Angebote ab Mitte der 2030er-Jahre.

Zum anderen hatte die Stadt einen Gutachter beauftragt. Dieser ist zu dem Schluss gekommen, dass die Notaufnahme in Trachau nicht nötig wäre, um die Versorgungssicherheit der Dresdner im Norden und Nordwesten der Stadt zu gewährlisten. Darüber hinaus würde ein Weiterbetrieb der Notaufnahme einen jährlichen Verlust von 2,4 Millionen Euro bedeuten.

"Eine Schließung würde das Risiko für Patienten erhöhen"

Es sei richtig, dass es Veränderungen am Städtische Klinikum brauche, um Verluste im Millionenbereich zu vermeiden, sagt Bettina Kempe-Gebert, Vorsitzende der CDU im Dresdner Norden. "Darüber darf jedoch keinesfalls übersehen werden, dass es auch eine wichtige Aufgabe eines Klinikums ist, in Notfällen durch schnelle Hilfe Leben zu retten. Eine Schließung des Notfallzentrums am Standort Neustadt/Trachau, dessen Einzugsbereich auch den gesamten Norden Dresdens bis nach Weixdorf und Langebrück umfasst, würde das Risiko für Patienten erhöhen."

Nicht nur die deutlich schlechtere Erreichbarkeit des Standorts Friedrichstadt könnte lebensrettende Minuten kosten. "Was ist bei Hochwasser? Wie viel Zeit geht durch einen Stau für die Rettung von Leben verloren?" Die Notaufnahme an der Industriestraße dürfe nicht geschlossen werden. (SZ/sr)