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Dresden

Dynamo-Krawalle: Fünf Verdächtige stellen sich

Die Dresdner Polizei sucht nach 20 weiteren Tatverdächtigen nach den Ausschreitungen im Mai. Die ersten haben sich nun gestellt.

Polizisten räumen Zäune vor dem Harbis-Stadion zur Seite die von Dynamofans am 16. Mai als Barrikade bei Randalen genutzt worden.
Polizisten räumen Zäune vor dem Harbis-Stadion zur Seite die von Dynamofans am 16. Mai als Barrikade bei Randalen genutzt worden. © Robert Michael/dpa-Zentralbild

Das inzwischen fünfte Fahndungsplakat der Dresdner Polizei nach den Ausschreitungen von Mitte Mai hat zur Identifizierung weiterer Täter geführt. Beim Aufstiegsspiel der SG Dynamo Dresden hatten Hunderte Dynamo-Anhänger Polizisten angegriffen. Derzeit werden die 15 abgebildeten Personen gesucht. Fünf weitere haben sich seit dem Wochenende selbst gestellt, darunter zwei 19-Jährige, ein 21-Jähriger, ein 29-Jähriger und eine 21 Jahre alte Frau. Dies teilte die Polizeidirektion Dresden am Donnerstag mit.

Den abgebildeten Tatverdächtigen wird schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen. Sie sollen maßgeblich an den Ausschreitungen nahe der Hauptallee im Großen Garten und an der Lennéstraße im Bereich des Rudolf-Harbig-Stadions beteiligt gewesen sein. Unter den Gesuchten befinden sich auffallend viele Heranwachsende.

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Insgesamt haben die Ermittler über 600 Gewalttäter auf Videos vom Spieltag ausgemacht. Die meisten sollen mit Flaschen, Steinen oder Feuerwerkskörpern Polizisten angegriffen haben. 185 Beamte waren dabei verletzt worden. Die Polizei hatte daraufhin die Sonderkommission Hauptallee mit derzeit 44 Ermittlern gegründet.

Über 80 Stunden Videomaterial

Bereits viermal war auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden bisher nach Dynamo-Randalierern mit öffentlich gezeigten Fotos gefahndet worden. Sie sind auf Plakaten in der Stadt sowie in Online-Medien und Zeitungen zu sehen. Die Bilder stammen aus mehr als 80 Stunden Videomaterial, das hauptsächlich von Polizeikameras rund um das Aufstiegsspiel vor dem Stadion aufgenommen worden war.

© Soko Hauptallee/Polizeidirektion Dresden

Infolge der Öffentlichkeitsfahndung sind bislang 71 von 100 Gesuchten identifiziert worden. Ein großer Teil davon kam von sich aus in verschiedene Polizeidienststellen, andere wurden durch Bekannte oder Freunde benannt. Insgesamt hat die Soko Hauptallee bisher 240 Tatverdächtige eindeutig identifiziert, von denen die meisten aus Dresden und umliegenden Gemeinden kommen. Mehr als 100 von ihnen sollen zum Jahreswechsel angeklagt werden. Einige sollen laut Polizei aus der Lausitz, Mittelsachsen und Südbrandenburg zum Spiel gekommen sein.

Die Tatverdächtigen sind zwischen 15 und 69 Jahre alt und überwiegend männlich. Bislang wurden sechs Frauen als Gewalttäterinnen identifiziert. Unter den bekannten Verdächtigen befinden sich nach SZ-Informationen auffallend wenige einschlägig vorbestrafte Täter. Ein 24-Jähriger, der seit Juli in Untersuchungshaft sitzt und bereits angeklagt ist, war 2017 als Mitglied der rechtsextremistischen „Freien Kameradschaft Dresden“ zu einer mehrjährigen Jugendhaftstrafe verurteilt worden. Der Mann war bei Angriffen auf Flüchtlinge, ihre Unterkünfte und ein linkes Wohnprojekt aufgefallen und hatte sich an den schweren Ausschreitungen vor der Asyl-Notunterkunft Heidenau 2015 beteiligt.

Die meisten Verdächtigen der Dynamo-Ausschreitungen repräsentieren eine Art Querschnitt der Bevölkerung wie Alleinstehende und Familienväter oder Berufsgruppen wie Versicherungsvertreter, Lehrer oder Angestellte im Öffentlichen Dienst.

Gegen 103 Gewalttäter hat die Polizei Stadionverbote angeregt, gegen 65 davon sind laut der SG Dynamo Dresden zufolgeStadionverbote ausgesprochen worden, darunter auch elf Vereinsmitglieder, deren Ausschluss geprüft wird. (mit SZ/lex)

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Von der Veröffentlichung erhoffen sich Staatsanwaltschaft und Polizei Hinweise zur Identität der abgebildeten Personen. Diese nehmen die Ermittler unter der
Rufnummer: (0351) 483 22 33 oder per E-Mail: [email protected] entgegen.

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