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Familienfest als Probelauf für Corona-App

Die Hauptstraße war am Wochenende gut besucht. Dort testete der Veranstalter eine neue Registrierungsmethode.

Das Treiben auf dem Familienfest auf der Hauptstraße wirkte auf den ersten Blick wie zu Zeiten ohne Corona. Doch der Veranstalter wies vielfältig auf die Hygieneregeln hin. Masken waren keine Pflicht, Mindestabstände aber schon.
Das Treiben auf dem Familienfest auf der Hauptstraße wirkte auf den ersten Blick wie zu Zeiten ohne Corona. Doch der Veranstalter wies vielfältig auf die Hygieneregeln hin. Masken waren keine Pflicht, Mindestabstände aber schon. © René Meinig

Dresden. Vor der Bühne gut gefüllte Bierbänke. Festbesucher lauschen, trinken, plaudern. Den Bauzaun um sie herum scheinen sie gar nicht wahrzunehmen. Der gehört zum Hygienekonzept des Veranstalters. Frank Schröder hat mit dem Familienfest Goldener Reiter am Wochenende auf der Hauptstraße das erste Bürgerfest seit Corona organisiert. Als eine Art Vorhut für künftige Weihnachtsmärkte. Der Bereich vor der Bühne wurde eingezäunt, während das überwiegende Festareal offen war und wie Märkte allgemein funktionierte.

So gab das Familienfest den Rahmen für den Test der neuen Registrierungsapp pass4all. Damit können sich Besucher am Eingang zu Partys, Konzerten, Theaterveranstaltungen und eben auch Straßenfesten per QR-Code anmelden und ihre Kontaktdaten hinterlassen, ohne Zettel ausfüllen zu müssen. „Rund 100 Gäste haben sich am Sonnabend im Bühnenareal eingecheckt“, sagt Jörg Meißner, selbst Veranstalter und Entwickler der App. Insgesamt habe es mit pass4all am Wochenende mehr als 2500 Registrierungen auf Veranstaltungen, nicht nur in Dresden, gegeben. Immer mehr Eventmacher nutzen die App. „Auf Konzerten in Leipzig beispielsweise registrieren sich darüber schon bis zu 80 Prozent der Besucher“, weiß er.

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Jörg Meißner, Erfinder der neuen Corona-Registrierungsapp zeigt, wie einfach und schnell der Check-In am Eingang zum Bühnenareal vorm Goldenen Reiter funktioniert.
Jörg Meißner, Erfinder der neuen Corona-Registrierungsapp zeigt, wie einfach und schnell der Check-In am Eingang zum Bühnenareal vorm Goldenen Reiter funktioniert. © René Meinig

Es ist die Freude am logischen Denken, dem Rätseln und Erfinden, kombiniert mit künstlerischer Kreativität. Genau das macht die Mischung, die Jörg Meißner immer angetrieben hat. Schon als Kind, wenn er auf der Schreibmaschine seiner Großmutter Geschichten schrieb. Statt Künstler zu werden, studierte der 48-Jährige Wirtschaftsinformatik. Was vielen kryptisch und verkopft erscheint, birgt für Meißner ein weites Feld für den Erfindergeist, der ihn heute beruflich erfolgreich sein lässt: 2004 erfand er sein erstes Krimispiel für Zuhause. Seitdem ist „Krimi total“ zahlreichen Spielefans ein fester Begriff und das Repertoire auf insgesamt 21 Gesellschaftsspiele angewachsen.

„Die Hälfte davon stammt aus meiner Feder“, sagt Jörg Meißner, der in seiner Firma zehn feste Mitarbeiter beschäftig. Krimifälle gibt es inzwischen nicht mehr nur auf privaten Mottopartys, sondern auch in großen Events und Dinner-Theaterabenden zu lösen. „Aber Corona trifft auch mich und meine Firma“, erzählt Meißner, der seit Frühjahr diese Publikumsveranstaltungen nicht mehr anbieten kann. So hatte der Unternehmer plötzlich viel mehr Zeit, als ihm lieb ist. Freiraum, um sich Gedanken darüber zu machen, unter welchen Umständen Großveranstaltungen bald wieder möglich werden können – und um die Lösung gleich selbst zu erfinden.

Hoffnung für Weihnachtsmärkte

Registrierung und Kontaktnachverfolgung sind zum Dreh- und Angelpunkt im gesellschaftlichen Leben geworden, sobald Menschen in Restaurants, Kinos, Theatern und Konzerten zusammenkommen. Nur wenn Veranstalter festhalten, wer ihr Gast war und ihn im Falle einer bekanntgewordenen Infektion im Kreise des Publikums warnen kann, besteht die Chance, Ansteckungen im größeren Stil zu verhindern.

Bisher legen Wirte und Veranstalter Formulare aus. Das ist umständlich und datenschutzrechtlich nicht immer sauber. Die Antwort auf dieses Dilemma lautet: Per App. Die hat Jörg Meißner nun zusammen mit der Unternehmerin und Gründerin der Leere-Stühle-Initiative, Kathleen Parma, und zwei Entwicklern auf den Markt gebracht. Für je mehr Menschen sie selbstverständlich wird, desto schneller verschwindet die Zettelwirtschaft. Das bedeutet auch Hoffnung für die Weihnachtsmärkte.

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