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Fast sieben Jahre Haft für pädophilen Krippenerzieher

Ein 28-Jähriger hat eineinhalb Jahre lang Kleinkinder in einer städtischen Kita in Dresden missbraucht. Nun sprach das Landgericht ein Urteil.

Von Alexander Schneider
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Am Freitag wurde der Erzieher Lukas B. am Landgericht Dresden verurteilt. Er hat unter anderem mehrere Kinder in einer Kita schwer sexuell missbraucht.
Am Freitag wurde der Erzieher Lukas B. am Landgericht Dresden verurteilt. Er hat unter anderem mehrere Kinder in einer Kita schwer sexuell missbraucht. © Benno Löffler

Dresden. Nach nur zwei Wochen ist der Missbrauchsprozess gegen einen Sozialassistenten aus Dresden zu Ende gegangen. Der 28-jährige Lukas B. wurde am Freitagnachmittag am Landgericht Dresden zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und acht Monaten verurteilt – unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen, Vergewaltigung, sexueller Nötigung sowie Herstellens und Besitzes von Kinderpornografie.

Die Jugendschutzkammer ist überzeugt, dass sich der Angeklagte als Mitarbeiter einer Strehlener Kita über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren zigfach an sieben Kindern vergangen hat. Bei den Opfern handelte es sich um Krippenkinder im Alter von zwei und drei Jahren. Darüber hinaus habe er bereits ab 2014 über einen Zeitraum von zwei Jahren ein achtjähriges Nachbarskind missbraucht.

Ausdrücklich dankte die Vorsitzende Richterin Monika Müller mehreren Eltern der Kita, die vor einem Jahr „zum Glück“ eine Anzeige erstattet und so die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatten. „Die Taten wären sonst möglicherweise nie entdeckt worden“, sagte Müller. Die Ermittlungsbeamten hätten sehr schnell und sehr professionell agiert.

Der Leiter der Kita und Erzieherinnen hatten als Zeugen ausgesagt, dass sie nichts bemerkt hätten. Lukas B. sei „pädagogisch mit den Kindern umgegangen“ und habe eine ihnen zugewandte Art gehabt. Es habe keine Anhaltspunkte gegeben, dass er das Vertrauen von Kollegen und Eltern derart missbrauchen könnte. Das sei für die Mitarbeiter „erschreckend gewesen“, sagte Monika Müller.

Für die Kita und ihre 30 Mitarbeiter bedeutet der Fall eine tiefe Vertrauenskrise gegenüber den Eltern, die bis heute anhält. Erst nach den Vorfällen hat man in der Einrichtung begonnen, ein präventives Konzept für derartige Taten zu erarbeiten.

Gezielt in der Kita beworben

Der Sozialassistent war von April 2018 bis zu seiner ersten vorläufigen Festnahme am 20. Oktober 2020 in der Kita angestellt, in einer der Krippengruppen. Dort hatte er regelmäßig mittags die alleinige Schlafwache übernommen, während die Erzieher pausierten oder Teambesprechungen hatten. Dabei hat sich B. immer wieder an Mädchen vergangen. Bei sieben Opfern war ein Tatnachweis möglich, weil B. mit seinem Handy Aufnahmen gemacht hatte.

Prozessbeteiligte berichten von mindestens vier weiteren Geschädigten, darunter offenbar auch die Anzeigeerstatter. Doch weil diese möglichen Fälle sexualisierter Gewalt schon aufgrund des Alters der Opfer nicht nachzuweisen wären, wurden sie auch nicht angeklagt. Das kritisierten manche Eltern am Rande der Hauptverhandlung. Auf das Strafmaß jedoch hätten sich weitere Taten nicht gravierend ausgewirkt, sagten neben der Staatsanwaltschaft auch Anwälte von Geschädigten auf SZ-Anfrage.

Planvolles Vorgehen

B. ist nach Ansicht des Gerichts planvoll vorgegangen, indem er sich gezielt in der Kita beworben hatte und indem er sein Handy trotz Verbots bei der Schlafwache nutzen durfte. Er habe vorgegeben, in der Ruhezeit Japanisch zu lernen. Ein psychiatrischer Sachverständiger, der den Angeklagten begutachtet hatte, sagte, Lukas B. habe "Gelegenheiten" ausgenutzt, sei aber selbst nicht "ins Risiko gegangen". Der Angeklagte sei für seine Taten voll verantwortlich.

Das Gericht rechnete dem 28-Jährigen hoch an, dass er die ihm vorgeworfenen Taten zum Auftakt umfassend gestanden und sich entschuldigt hatte. Im Fall des Nachbarkindes sei sein Geständnis wertvoll gewesen, weil ihm diese Taten aufgrund der schlechten Bildqualität nicht einfach nachzuweisen gewesen wären und er dem Kind eine Vernehmung erspart habe.

Nach seiner ersten Festnahme am 20. Oktober wertete die Polizei aus, was sie auf den Datenträgern sichergestellt hatte. Nach und fanden sich neben Tausender kinderpornografischer Dateien, die B. sich heruntergeladen hatte, auch die von ihm erstellten Aufnahmen seiner eigenen Taten. "Die Ermittlungsbeamten konnten es nicht glauben", sagte Richterin Müller zu dem Ausmaß. Ende Januar 2021 wurde B. unter dem dringenden Missbrauchsverdacht verhaftet und sitzt seit dem in Untersuchungshaft. Bei der zweiten Durchsuchung im Januar stellten die Beamten wieder haufenweise Kinderpornografie sicher.

Tausende Dateien mit Kinderpornografie

Insgesamt wurden auf seinen Computern mehr als 50.000 kinderpornografische Daten festgestellt. Damit liege er nach Aussage eines IT-Forensikers im Vergleich zu anderen Sammlern noch „im mittleren Bereich“. Die von ihm erstellten Fotos und Videos, das längste ist viereinhalb Minuten lang, habe B. nach Erkenntnissen der Ermittler nicht mit anderen geteilt oder hochgeladen.

In seinem letzten Wort hatte B. zugesagt, sich einer Therapie stellen zu wollen. Das Gericht folgte im Strafmaß dem Plädoyer der Staatsanwältin und den meisten der fünf Nebenklage-Vertreter. Ein gefordertes Berufsverbot wurde nicht gegen ihn verhängt. Allerdings stehe der Angeklagte nach Verbüßung seiner Strafe unter Führungsaufsicht und ist als Sexualstraftäter gelistet, was im Ergebnis einem Berufsverbot gleichkommt.

Verteidigerin Susann Nowack hatte fünf Jahre gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verteidigerin Nowack geht jedoch davon aus, dass ihr Mandant die Strafe akzeptieren wird.