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Mehr Land für Kiesabbau in Dresden-Söbrigen?

Der Freistaat will dort offenbar Land verkaufen - ausgerechnet an die Kiesabbaufirma. Stadt, Kommunalpolitiker und Bürger wollen den Abbau verhindern.

Blick vom Pillnitzer Bergweg auf die Versuchsfelder des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, an die das Kiesabbaufeld heranreichen soll.
Blick vom Pillnitzer Bergweg auf die Versuchsfelder des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, an die das Kiesabbaufeld heranreichen soll. © René Meinig

Dresden. Wie die Grünen-Stadtratsfraktion Dresden informiert, gibt es offenbar Verkaufspläne des Freistaates Sachsen, Grundstücke in Söbrigen zum Zwecke des sofortigen oder perspektivisch möglichen Abbaus von Kies an die Borsberg GmbH zu veräußern. Die Kieswerke planen dort, neue Kiesfelder zu erschließen.

Gegen die Zerstörung der Landschaft in unmittelbarer Nähe von Schloss Pillnitz wehrt sich seit Jahren eine Bürgerinitiative. Auch die Städte Dresden und Pirna lehnen dies ab. Das Dresdner Rathaus stellte in mehreren Schreiben an das Oberbergamt klar, dass es planerische und naturschutzfachliche Gründe gibt, die gegen den Kiesabbau sprechen.

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Vor allem werden schwerwiegende Eingriffe in die sensible Pillnitzer Kulturlandschaft befürchtet. Zudem würde das geplante Bergbaugebiet durch Lärm, Staub und Erschütterungen die Gesundheit und die Lebensqualität der betroffenen Anwohner für Jahrzehnte massiv gefährden. Das Oberbergamt ist die Genehmigungsbehörde für den Kiesabbau.

Da der Freistaat möglicherweise andere Pläne für seine Grundstücke hat als den Schutz der Landschaft, haben Grünen-Landtagsabgeordneter Thomas Löser und die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Dresdner Stadtrat Christiane Filius-Jehne nun auf Ebene der Stadt und des Landes mehrere Anfragen eingereicht.

In diesen wollen sie wissen, wie der tatsächliche Stand des geplanten Verkaufes und des Verfahrens ist. Außerdem zielen ihre Fragen darauf ab, welche Alternativen zum etwaigen Verkauf oder der Privatisierung geprüft wurden oder werden und welche alternative Nutzung dieser wertvollen Naturlandschaft von der Stadt unterstützt werden könnte.

“Wir Grünen setzen uns seit vielen Jahren an der Seite der Söbriger Bürgerinitiative für den Erhalt der – auch touristisch – wertvollen Kulturlandschaft mit ihren Wanderwegen und Naturschutzarealen ein", sagt Filius-Jehne. Es habe auch Beschlüsse des Stadtrates gegeben, alles zu tun, um den landschaftszerstörenden Kiesabbau in Söbrigen zu verhindern. "In der jetzt für die Landschaft bedrohlichen Situation ist die Stadt gefragt, alternative Nutzungen aufzuzeigen", sagt die Politikerin. Die wirtschaftlichen Interessen des Kieswerkes stünden in deutlichem Gegensatz zu den wirtschaftlichen und klimapolitischen Interessen von Dresden.

Nach den Plänen der Kieswerke Söbrigen GmbH könnte der Kiesabbau in Söbrigen schon Ende dieses Jahres starten, wenn alle Genehmigungen vorliegen. Das hatte Geschäftsführer Lutz Hammer vor knapp einem Jahr im SZ-Gespräch gesagt. Geplant ist, jährlich 500.000 Tonnen Sand und Kies in Söbrigen zu fördern.

15 Jahre wird es etwa dauern, bis das knapp 32 Hektar große Feld erschöpft ist. Gearbeitet werden soll Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr und sonnabends von 6 bis 13 Uhr. Vorgesehen ist, am südöstlichen Rand mit dem Abbau zu beginnen. In den 32 Hektar sind die Grundstücke des Freistaates, um die es jetzt geht, aber nicht enthalten.

Aus Kultur- könnte Mondlandschaft werden

"Schaut man von den Hängen der Pillnitzer Weinberge, scheint es unvorstellbar, dass unmittelbar in Nähe von Schloss Pillnitz in Zukunft ein Kieswerk mit Förderanlagen und Halden diese herrliche Kultur- und Naturlandschaft in eine Mondlandschaft verwandelt", sagt Thomas Löser.

Er erwarte vom sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA), dass transparent dargelegt wird, ob Verkäufe staatseigener Grundstücke an Kiesabbaufirmen geplant sind. Das sächsische Oberbergamt, welches dem SMWA untersteht, entscheide über das Bergrecht und wird am Ende die Abbaugenehmigungen vergeben. "Es ist umso wichtiger zu erfahren, wie die Fragen des Arten- und Naturschutzes bei einer möglichen Abbaugenehmigung gewürdigt werden", sagt Löser.

Auf diesem Areal zwischen Oberpoyritz und Söbrigen sollen die Kiesbagger rollen.
Auf diesem Areal zwischen Oberpoyritz und Söbrigen sollen die Kiesbagger rollen. © SZ/Peter Hilbert

Für die Anwohner in Söbrigen ist es eine Horrorvorstellung, dass ihre Umgebung in bis zu 15 Metern Tiefe aufgebaggert werden soll. Ihre Forderungen betreffen auch die geplante Rekultivierung nach 15 Jahren. Nach den Plänen der Kieswerke Borsberg soll auf der Fläche nach dem Abbau ein Gewässer mit 15 Metern Tiefe entstehen, das an den Rändern begrünt ist. Direkt angrenzend an das Graupaer Tännicht ist ein zehn Meter hohes Steilufer vorgesehen.

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