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Aus Liebe zur Musik von Kroatien nach Dresden

Klara und Dorotea: Die einzigen Dresdner Stipendiatinnen der Start-Stiftung, die Jugendliche mit Einwanderungsgeschichte fördert, sind Schwestern.

Von Beate Erler
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Klara und Dorotea Dolenec (v.l.) in ihrem Element. Die Schwestern wollen später unbedingt Berufsmusikerinnen werden.
Klara und Dorotea Dolenec (v.l.) in ihrem Element. Die Schwestern wollen später unbedingt Berufsmusikerinnen werden. © Sven Ellger

Dresden. Im Dresdner Piano-Salon Kirsten im Coselpalais erklingen zarte, schnell gespielte Klaviertöne. „Wo sind denn Klara und Dorotea Dolenec?“ Der Mitarbeiter im Piano-Salon lächelt. „Im Festsaal“, sagt er, „einfach der Musik nach.“ Dort sitzt Klara, die Jüngere der beiden, in einem schwarzen Kleid am Klavier. Ihre Schwester Dorotea stimmt in der Zwischenzeit ihre Gitarre, denn sie hat erst gestern neue Saiten aufgezogen. „Die wird man auf dem Foto nicht hören“, sagt ihre Mutter und lacht. Mit dem Festsaal im Piano-Salon direkt neben der Frauenkirche verbindet Klara etwas. Deshalb darf das Foto auch hier gemacht werden. „Ich habe im letzten Jahr bei einem Workshop für Klavierschüler in diesem Saal einen Auftritt gehabt“, sagt sie.

Die beiden Schwestern haben im Sommer ein Stipendium der Start-Stiftung erhalten und sind die einzigen zwei Stipendiaten aus Dresden in diesem Jahr. Insgesamt acht sind es in ganz Sachsen. Die anderen kommen aus Freiberg, Heidenau, Leipzig und Werdau. Das Stipendium wird seit fast 20 Jahren vergeben und richtet sich an herausragende Jugendliche mit Einwanderungsgeschichte.

Dass sich im Leben der Geschwister aus Kroatien fast alles um die Musik und ihre Instrumente dreht, stellt man sofort fest, wenn man mit ihnen in Kontakt treten will: In ihren E-Mail-Adressen nennen sie sich Klara Pianino und Dorotea Gitara. Sie kommen aus einer kleinen Stadt nördlich von Zagreb mit Namen Donja Stubica. Vor zweieinhalb Jahren hat die Familie ihren schönen Heimatort verlassen und ist nach Dresden gezogen. Alles wegen der besseren Ausbildungsmöglichkeiten für die heute 15-jährige Klara und die 16-jährige Dorotea. Auch in Kroatien sind sie an eine Musikschule gegangen. „Wir wollten eine Schule für sie finden, wo sie die gymnasiale und musikalische Ausbildung an einer Schule machen können“, erzählt die Mutter.

Solche Schulen, die beides verbinden, gibt es in Kroatien nicht, erzählen sie. In Deutschland wissen sie von drei solchen Musikgymnasien, bei dem die Musik einen ähnlich großen Platz einnimmt: Weimar, Berlin und Dresden kommen infrage. Sie bewerben sich und erhalten Zusagen für Berlin und das Landesgymnasium für Musik in Dresden. „Die Stadt war unsere erste Wahl, sie ist nicht so klein wie Weimar, aber nicht so groß wie Berlin und sie hat kulturell so viel zu bieten“, erzählt die Mutter.

Unter den Besten bei "Jugend musiziert"

An die Fahrt zur Aufnahmeprüfung erinnern sich die Schwestern noch sehr gut: „Wir sind mit dem Auto von Kroatien nach Dresden gefahren und es war wie in einem Traum“, sagt Dorotea. Für die Prüfung hat Klara zu Hause ein ganzes Programm vorbereitet. „Die Aufnahme-Jury hat mich nach einer Weile unterbrochen und gesagt, dass ich sehr gut spiele, aber sie brauchen jetzt kein ganzes Konzert“, sagt Klara und lacht. Zwei Monate später erhalten sie die Zusage zur Aufnahme am Landesgymnasium für Musik, das eine Begabtenförderung der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber ist.

Seit zwei Jahren sind die beiden dort Schülerinnen und haben ein straffes Programm: von acht bis 15 Uhr normaler Schulunterricht wie an anderen Gymnasien, aber mit zusätzlichen Fächern wie Musikgeschichte und Musiklehre. Und zweimal in der Woche erhalten sie Einzelunterricht in ihren Hauptfächern Klavier und Gitarre: Klara bei Mirjana Rajic, einer Klaviersolistin, die auch an der Hochschule für Musik unterrichtet, und Dorotea bei Sina Neumärker, die Lehrerin für klassische Gitarre und Konzertgitarristin ist.

Die Schwestern haben etwa im Alter von acht Jahren angefangen, ihr Instrument zu lernen. So unterschiedlich wie ihre Instrumente sind auch Klara und Dorotea: Die eine mit glatten, dunklen Haaren und frechen Gesichtszügen, die andere mit blonden Wellen und sanfter Ausstrahlung: „Ich wollte anfangs immer Geige spielen“, sagt Dorotea, „dann habe ich ein Solo von Slash von Guns N' Roses gehört und wollte unbedingt so Gitarre spielen wie er.“ Letztendlich hat sie sich aber doch in die klassische Gitarre verliebt, sagt sie: „Ich liebe die Schönheit und Präzision der klassischen Musik.“ Bei Klara war es ein Konzertbesuch vor vielen Jahren, der sie zum Klavier gebracht hat: „Da war ein junger Pianist, der so schön gespielt hat und ich wollte das auch können.“

Nach der Schule üben sie noch jeden Tag, um die hohen Anforderungen am Musikgymnasium erfüllen zu können. In drei und vier Jahren machen sie dort ihren Abschluss und dürfen danach an die Musikhochschule gehen. „Wir wollen auf jeden Fall Berufsmusikerinnen werden und Konzerte geben“, sagen beide. Sie können sich auch vorstellen, als Geschwister-Duo aufzutreten. „Unsere Kombination ist sehr selten, denn die Gitarre ist viel leiser als das Klavier“, sagt Dorotea. Schon in diesem Jahr haben sie beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ mitgemacht. Beide haben sich in ihrer Altersgruppe einen Platz unter den Besten erspielt: Klara den dritten und Dorotea den ersten.