merken
PLUS Dresden

Fußballstars sind heiß auf Schuhe aus Dresden

Ein junger Dresdner verkauft online seltene Fußballschuhe - und schmiss für diese Geschäftsidee sogar sein Studium. Heute trifft er Stars wie Lukas Podolski.

Ins richtige Licht gerückt, finden die Fußballschuhe aus dem Lager von Paul Richelhof reißenden Absatz.
Ins richtige Licht gerückt, finden die Fußballschuhe aus dem Lager von Paul Richelhof reißenden Absatz. © Sven Ellger

Dresden. Im Flur wartet ein gutes Dutzend Pakete. Sie sollen nach Rom gehen, nach London und nach Mailand. Einer der Adressaten ist Hakan Çalhanoğlu, türkischer Fußballstar in Diensten des AC Mailand. Der mutmaßliche Multimillionär freut sich auf neue Fußballschuhe, die ihm ein 23-Jähriger Dresdner nur zu gern nach Hause schickt.

Paul Richelhof hat selbst mal in der Jugend von Dynamo Dresden gespielt, bis es leistungsmäßig nicht mehr reichte. Heute kickt er bei der Spielvereinigung Dresden Löbtau im Mittelfeld, doch eines hat sich nicht verändert: Schon immer hatte er ein besonderes Faible für extravagante Fußballschuhe weltweit bekannter Marken.

Anzeige
Studentenwerk - Service für Studenten
Studentenwerk - Service für Studenten

Das Studentenwerk Dresden unterstützt mehr als 40.000 Studenten in Dresden, Tharandt, Zittau, Görlitz, Bautzen und Rothenburg in ihrem Hochschul-Alltag.

Als er vor Jahren mal ein Paar auf einer bekannten Online-Auktionsplattform erstand und die Schuhe an selber Stelle kurz darauf wieder teurer verkaufte, hatte er Blut geleckt. Das könnte doch auch öfter so funktionieren, oder? Also kaufte er mehr Schuhe - und verkaufte sie mit sattem Gewinn weiter. "Es wurde immer mehr, und irgendwann ahnte ich, dass das eine Geschäftsidee sein könnte", sagt er.

Seinem Onlinegeschäft gab er jetzt den international klingenden Namen "Euniqueboots". Ein bisschen EU, ein bisschen einzigartig und ganz viel Schuh.

Ein Raum voller Schuhe - und kein einziger gehört seiner Freundin.
Ein Raum voller Schuhe - und kein einziger gehört seiner Freundin. © Sven Ellger

Zu dieser Zeit studierte Paul noch Sportingenieurwesen in Chemnitz, doch bald reichte die Zeit nicht mehr für beides. "Ich musste mich entscheiden", sagt er. Also brach er sein Studium ab, um sich fortan ganz auf die Schuhe konzentrieren zu können. "Meine Eltern waren natürlich nicht begeistert, aber inzwischen haben sie ihren Frieden damit gefunden." Er muss schmunzeln. Bis heute werde er er oft gefragt, was er denn neben dieser Fußballschuh-Sache beruflich mache. "Das ist mein Beruf", antwortet er dann und muss immer wieder viel erklären.

Zum Beispiel, warum er die größten Fußballstars der Welt kennt und die bei ihm regelmäßig Fußballschuhe kaufen. Ob die deutschen Ausnahmekicker Sami Khedira und Lukas Podolski oder Weltstars wie Corentin Tolisso vom FC Bayern und Alexandre Lacazette von Arsenal London - sie alle stehen auf seine seltenen Modelle. Bezahlen müssen sie in der Regel nichts, und werben dafür in den sozialen Medien auf Kanälen mit Millionen Anhängern für Pauls Website. "Die Aufmerksamkeit bringt mir viel mehr als die 300 oder 400 Euro", sagt der junge Geschäftsmann. 

Neben Fußballern, die mit den seltenen Modellen auf dem Rasen auflaufen wollen, gehören vor allem Sammler zu Pauls Käufern. Den Großteil seiner Ware findet er immer noch auf Online-Marktplätzen, aber auch wenn Läden in Deutschland, Österreich oder Italien dichtmachen, ist er schnell zur Stelle und kauft die besten Stücke auf.

Mit steigendem Bekanntheitsgrad habe er seine Preise rasch erhöhen und bald verdoppeln können. Inzwischen sei er in Deutschland der größte Händler in seinem Bereich und habe womöglich weltweit die meisten Schuhe im Angebot. Rund 2.000 Stück dürften es sein. Als vor einem Jahr in seinem Zimmer und im Keller im Haus seiner Eltern beim besten Willen kein Platz mehr war, zog er mit seiner Freundin in eine 3,5-Raum-Wohnung nach Löbtau. 

Auch hier ist ein Raum bis unter die Decke mit Schuhkartons vollgepackt. Was hier nicht reinpasst, landet auf dem Schlafzimmerschrank oder unterm Bett. Da staunt auch Jojo, die Katze, die gern in den Regalen rumtollt.

Fußballstar Lukas Podolski gehört zu Pauls Kunden. Sogar getroffen haben sich die beiden schon.
Fußballstar Lukas Podolski gehört zu Pauls Kunden. Sogar getroffen haben sich die beiden schon. © privat

Längst nicht alle Schuhe sind in seinem Onlineshop gelistet. Da wäre zum Beispiel ein blau-gelbes Modell, das 1998 für den brasilianischen Ronaldo designt wurde. 3.000 bis 4.000 Euro dürfte das heute Wert sein - Tendenz wie bei allen Modellen: steigend.

Das Geschäft läuft wie geschmiert. Monatlich kämen derzeit um die 250 Aufträge ein. Dafür investiere er aber auch weit mehr als 40 Stunden in der Woche in den Ankauf, das Fotografieren der Ware, das Einstellen und vor allem die Werbung in den sozialen Netzwerken. "Das ist harte Arbeit, und trotzdem empfinde ich es als Luxus, früh aufzustehen und direkt von hier aus loslegen zu können." Einen "normalen" Job als Angestellter habe er sich dagegen noch nie vorstellen können. So sei er vollkommen flexibel. Nur von 9 bis 14 Uhr muss er zu Hause bleiben. Da kommt die Post.

Einige Modelle, wie dieses von Ronaldo aus dem Jahr 1998, sind mehrere Tausend Euro wert.
Einige Modelle, wie dieses von Ronaldo aus dem Jahr 1998, sind mehrere Tausend Euro wert. © Sven Ellger

Das muss man ihm schon deswegen glauben, weil er auf die Vorderseite seines Halses das Wort "Dreams" tätowieren hat lassen. "Träume". Passend dazu ist auf der Brust "blessed" zu lesen, zu Deutsch "gesegnet".

Da macht jemandem offensichtlich die Arbeit Spaß. "Wenn es nach mir ginge, dann würde ich gar nicht in den Urlaub fahren", sagt Paul, aber da hat seine Freundin noch ein Wörtchen mitzureden. Seine Brüder helfen aber zuverlässig  aus, wenn er doch mal verhindert ist.

Da gibt es aber noch eine Frage, die er oft hört, und auch bereitwillig beantwortet. Was ist, wenn du irgendwann mal keine Schuhe mehr verkaufen kannst oder willst? Hast du keine Zukunftsangst, so ohne Studienabschluss oder Ausbildung? Paul grinst. "Fußball wird immer gespielt werden und seltene Schuhe sind stabile Wertanlagen, die mit jedem Tag begehrter werden." Nach Zweifeln hört sich das nicht an.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden