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Dresden nimmt 200 neue Geflüchtete auf

Die Menschen werden in Wohnungen und Heimen untergebracht. Forderungen nach dezentraler Unterbringen werden lauter.

Von Julia Vollmer
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In Brandenburg und Sachsen füllen sich die Aufnahmeeinrichtungen mit Menschen, die aus Irak, Syrien, Afghanistan oder anderen Ländern über Belarus, das Baltikum und Polen nach Deutschland kommen.
In Brandenburg und Sachsen füllen sich die Aufnahmeeinrichtungen mit Menschen, die aus Irak, Syrien, Afghanistan oder anderen Ländern über Belarus, das Baltikum und Polen nach Deutschland kommen. © Symbolbild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Dresden. Im Oktober hat Dresden 108 geflüchtete Menschen aufgenommen, bisher im November waren es 109 Personen. Bis Ende November sollen noch 57 Geflüchtete angekommen, so die Stadt auf SZ-Anfrage. Aus Afghanistan kamen bisher zehn afghanische Ortskräfte, insgesamt zwei Familien. In den Dresdner Erstaufnahmeeinrichtungen, in denen die Menschen zuerst unterkommen nach ihrer Ankunft in Dresden, waren es im Oktober 471 Personen und bisher im November 245 Personen.

Wo wurden sie untergebracht?

Die Geflüchteten wurden sowohl in dezentralen und zentralen Unterkünften untergebracht. Ende Oktober lebten 2.307 Personen in den Unterkünften des Sozialamtes. Davon waren 1.910 Menschen in dezentralen, also in Wohnungen, und 397 in zentralen Unterkünften, also in Heimen, untergebracht. Zum Stichtag gab es 242 belegbare Plätze in zentralen und dezentralen Unterbringungseinrichtungen. Mit Stand 19. November 2021 sind in den Aufnahmeeinrichtungen in Dresden 695 Plätze belegt, 225 Plätze sind aktuell frei.

"Zu welchem Zeitpunkt eine Kapazitätsauslastung in Dresden eintritt, hängt von der Zahl der Neuzugänge ab", so das Sozialamt. Diese Zahl könne aktuell nicht zuverlässig geschätzt werden. Doch drei Übergangswohnheime mussten Ende September aufgegeben werden: die Einrichtungen an der Gustav-Hartmann-Straße 4 mit 94 Plätzen, an der Trachauer Straße 9 mit 54 Plätzen und an der Großenhainer Straße 92 mit 49 Plätzen. "Die Stadt wird das kostenintensive Objekt auf der Gustav-Hartmann-Straße abmieten, nicht zuletzt auch wegen der fehlenden Möglichkeit zur Selbstversorgung im Hinblick auf die Zubereitung von Speisen", so die Stadt dazu im Sommer. Bei der Trachauer Straße habe der Eigentümer gekündigt. Eine Neuanmietung von Heimen sei derzeit nicht geplant.

Die Stadt will aber die zuletzt zur Unterbringung von wohnungslosen Menschen genutzte Einrichtung auf der Bauhofstraße für Geflüchtete nutzen.

Wie viele Menschen werden noch erwartet bis Jahresende?

Wie viele Geflüchtete nach Dresden kommen, kann nur relativ kurzfristig prognostiziert werden. "Die Verteilprognose wird seitens der Landesdirektion Sachsen erstellt und mit einem Vorlauf von fünf bis sechs Wochen an die Kommunen übermittelt", so die Stadt.

Aktuell liegt die Prognose bis zum Jahresende vor. Demnach sind für die Monate November und Dezember noch insgesamt 217 Zuweisungen vorgesehen. Politiker und Flüchtlingsorganisationen setzen sich für die Aufnahme der Menschen ein. "Wir haben Platz in Sachsen, in Deutschland und erst recht in Europa! Die Geflüchteten müssen zügiger verteilt werden – in die anderen Bundesländer, aber auch in die sächsischen Kommunen", sagt Linken-Abgeordnete Juliane Nagel. Am 30. Juni seien laut ihrer Anfrage waren noch 4.200 Plätze in den Wohnungen frei, die die Landkreise und kreisfreien Städte für geflüchtete Menschen vorhalten. "Auch in landeseigenen Immobilien stehen mehr als 16.000 Quadratmeter zur Wohnnutzung leer", so Nagel. Für eine dezentrale Unterbringung der Geflüchteten setzt sich auch der Flüchtlingsrat ein: "Lager sind keine Orte der Ruhe, keine Orte, an dem die psychische und physische Gesundheit geschützt ist", sagt der Verein. „Der logische Schritt muss deshalb jetzt sein, dezentrale Kapazitäten zu erschließen“, so Paula Moser vom Sächsischen Flüchtlingsrat. Insbesondere in Zeiten steigender Corona-Infektionszahlen sei dies geboten, um keine Infektionsherde zu provozieren.