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Gerichtsprozess: Zugedröhnt durch Dresden

Ein 26-Jähriger stiehlt ein Auto und liefert sich ein Rennen mit der Polizei. Er hat großes Glück.

Ende einer Verfolgungsfahrt: Ein 26-Jähriger hat am 12. November diesen VW Golf Plus gestohlen und verlor auf der Flucht vor der Polizei die Kontrolle über das Auto. Am Montag wurde der Mann auch für diese Tat verurteilt.
Ende einer Verfolgungsfahrt: Ein 26-Jähriger hat am 12. November diesen VW Golf Plus gestohlen und verlor auf der Flucht vor der Polizei die Kontrolle über das Auto. Am Montag wurde der Mann auch für diese Tat verurteilt. © Foto: Roland Halkasch

Wenn man dem Mann so zuhört, könnte man glauben, dem 26-Jährigen ist auch nach einem halben Jahr Haft nicht klar, was er angestellt und welches große Glück er gehabt hat. Er habe nur nach Hause fahren wollen, um seiner Oma im Garten zu helfen. Doch im Zug sei der Schaffner gekommen, also stieg er aus, weil er weder Fahrkarte noch Geld hatte. Das könnte in Cossebaude gewesen sein, wo das Elend seinen Anfang nahm. Der Mann, Dustin K. aus der Nähe von Hoyerswerda, stahl vollgedröhnt mit Drogen ein Auto.

Am Montag stand K. vor dem Amtsgericht Dresden. Staatsanwalt René Zuber hatte zwei Anklagen dabei: Am 12. November stahl K. demnach vormittags einen VW Golf Plus aus der Tiefgarage eines Autohandels in der Meißner Straße, Niederwartha. Der Schlüssel steckte, weil der Mechaniker austreten war. Mit dem Auto stoppte K. – einen Führerschein hat er nicht – an einer Total-Tankstelle in Kesselsdorf, wo er für 50 Euro Super-Kraftstoff tankte und aus dem Verkaufsraum einen Liter Öl stahl. Unbemerkt von der Kassiererin.

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Dann raste K. wieder los. In Wilsdruff schoss er in Autobahnnähe aus dem Birkenhainer Höhenweg auf die Meißner Straße und rammte einen Renault, der durch die Wucht des Aufpralls eine Böschung hinunter rumpelte – der Renault war Schrott, die Fahrerin (69) erlitt eine schmerzhafte Rippenprellung.

Krachend mit dem Golf gegen die Bäume

K. wendete und verschwand Richtung Wilsdruff. Einige Zeit spürte die Polizei den weißen Golf bei Thiendorf auf. Dort lieferte sich der 26-Jährige ein riskantes Rennen mit den Streifenwagen. Er überholte mehrfach waghalsig. Eine Frau konnte sich auf einer engen Straße nur durch ein Sprung ins Gebüsch retten. Dann verlor K. die Kontrolle und krachte mit dem Golf gegen Bäume. Totalschaden. Festnahme.

Bereits im April 2020 hatte er in Meißen drei Energydrinks für 1,70 Euro bei Norma gestohlen und die Filialleiterin mit einem Küchenmesser bedroht. "An Ihrer Stelle würde ich mich jetzt gehen lassen", hat der er 35-Jährigen gesagt - und ging. Die Polizei hat ihn wenige Minuten später in einem Einkaufscenter gestellt. Die Beamten kannten ihn schon, weil der Mann an jenem Wochenende mehrfach wegen seiner Drogensucht aufgefallen war.

Der Angeklagte – 16 Vorstrafen, oft wegen Drogendelikten, Diebstahls und Fahrens ohne Führerschein – räumte einen Großteil der Vorwürfe ein. Ja, das Auto habe er gefahren. Wie sonst hätte er nach Hause kommen sollen, nachdem schon die Zugfahrt nicht geklappt hatte? Aber er habe "jemanden angerufen", der ihm gesagt habe, er könne diese Auto haben - "ich dachte, ich darf das Auto nehmen". Ja, er habe getankt und das Öl gestohlen. Nein, er sei aber nicht mit dem Renault kollidiert. Und so ging das weiter, Punkt für Punkt.

Keine "Lust" mehr auf Straftaten!

Auch in der Norma habe er weder etwas gestohlen, noch die Filialleiterin nicht bedroht. Er könne niemandem etwas antun, er sei ein Menschenfreund, sagte er. Er habe jedoch ein massives Drogenproblem und hoffe daher, endlich eine Therapie machen zu können: "Ich habe keine Lust mehr, in Straftaten verwickelt zu sein!"

Die Botschaft hat das Schöffengericht sicher gerne gehört. Allerdings wurden auch die Vorwürfe überprüft und die Angaben des Angeklagten hinterfragt - ein Dutzend Zeugen sind gekommen. Der Mechaniker aus dem Autohandel, die Kassiererin von der Tanke, die Fahrerin des Renault, die sagte, dass ihr der weiße Golf direkt in die Fahrertür gerast sei, sie monatelang habe Schmerzmittel nehmen müssen und ihr Auto ein Totalschaden sei. Auch zwei weitere Autofahrer hatten den Unfall in Wilsdruff und das irre Wendemanöver beobachtet.

Auch die Spaziergängerin aus Thiendorf sagte aus, wie sie sich mit einem beherzten Sprung in die Büsche vor dem rasenden VW rettete. Die Filialleiterin aus Meißen, die anhand von Bildern der Videokamera Video belegen konnte, dass K. sich die Getränkedosen in seinen Rucksack gesteckt hatte, aus dem er dann auch das orangefarbene Küchenmesser zog. Polizisten berichteten von der Festnahme des zugedröhnten Fahrers und ihren Drogentests, die auf so gut wie alles angeschlagen hatten: Amphetamin, Methamphetamin, Designerdrogen, Cannabis und Kokain.

Massives Drogenproblem

Das Gericht verurteilte Dustin K. für alle Vorwürfe - darunter Diebstahl mit Waffen, Betrug, Unfallflucht, Trunkenheit im Verkehr, verbotenes Kfz-Wettrennen, fahrlässige Körperverletzung, Straßenverkehrsgefährdung und Fahrens ohne Führerschein - zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. So hatten es auch Staatsanwalt Zuber und Verteidiger Armin Krahl zuvor gefordert.

Nach Hause zu wollen, sei nicht strafbar, sagte die Vorsitzende Richterin. Allerdings kritisierte sie K.s Wahl der Mittel. Es sei auszuschließen, dass der Angeklagte die Schlüssel zu dem Golf legal erhalten habe, wie er es behauptete. Er sei darüber hinaus mit dem Golf genau auf der Höhe der Fahrerin gegen den "sehr kleinen Renault" gekracht. Es sei auch keine Kleinigkeit, wie der Mann mit seinem Schälmesser die Filialleiterin bedroht habe.

Das Gericht habe berücksichtigt, dass K. bei seinen Taten stets unter einem massiven Drogeneinfluss gestanden habe und daher vermindert schuldfähig sei. Andererseits sei ihm sein Drogenproblem angesichts der vielen Vorstrafen auch klar gewesen.

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