merken
PLUS Dresden

Getötetes Kind: "Die machen doch ein Rennen"

Im Prozess um den tödlichen Verkehrsunfall eines sechsjährigen syrischen Jungen auf der Budapester Straße in Dresden sagen nun Zeugen aus.

Blumen an der Unfallstelle in der Budapester Straße in Dresden erinnern an den Tod des sechsjährigen Ali. Der Unfallfahrer und ein Bekannter sollen sich dort ein Wettrennen geliefert haben.
Blumen an der Unfallstelle in der Budapester Straße in Dresden erinnern an den Tod des sechsjährigen Ali. Der Unfallfahrer und ein Bekannter sollen sich dort ein Wettrennen geliefert haben. © René Meinig

Dresden. Wie war es denn nun genau? Musste der sechsjährige Ali tatsächlich sterben, weil die beiden Angeklagten in der Budapester Straße um die Wette gerast sind? Auch der zweite Verhandlungstag im Prozess um den tödlichen Verkehrsunfall vor dem Landgericht Dresden wird von dieser Frage geprägt. Die wichtigsten Zeugen an diesem Freitag sind die Insassen eines Nissan Qashqai, die von den Autos der Angeklagten, einem Mercedes und einem BMW, unmittelbar vor dem furchtbaren Zusammenstoß überholt worden waren.

Die Familie in dem Nissan war an jenem Sonnabend, 22. August 2020, auf dem Heimweg. „Ich weiß, dass ich nach der Nossener Brücke in der linken Abbiegespur stand“, sagt der 41-jährige Familienvater. Im Auto saßen damals seine Frau (36), sein Sohn (11), Schwiegermutter und Schwiegeroma.

Teppich Schmidt
Sieben Wohnwelten – ein Geschäft
Sieben Wohnwelten – ein Geschäft

Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Er sei dann mit 50 bis 55 Stundenkilometern stadteinwärts gefahren, habe zügig hochgeschaltet. Zwischen dem Autohandel und der Arbeitsagentur seien die beiden dunklen Autos mit hohem Tempo an ihm vorbeigefahren. Von welcher Seite sie ihn überholt hatten, kann der Zeuge nicht mehr sicher sagen.

In seinen Polizeivernehmungen meinte er, beide hätten ihn rechts überholt. Die Autos seien Tempo 70, 80 oder vielleicht sogar noch schneller gefahren. Dann habe er gesehen, wie das zweite Fahrzeug zum ersten aufschloss und beide nebeneinander fuhren. Plötzlich gingen bei beiden die Bremslichter an und er sah aus etwa 100 bis 150 Metern Entfernung, wie ein Kind durch die Luft geschleudert wurde und gegen die Haltestelle prallte. Er habe gehalten und mit dem Handy den Notruf gewählt. „Ich weiß, dass es genau 20.46 Uhr war“, sagte der Mann.

Unterwegs zum Essen in die Neustadt

Seine Frau sagt, sie habe unter Schock gestanden. Sie habe auf dem Grünstreifen Schatten wahrgenommen und auch gesehen, dass irgendetwas zwischen den beiden Autos von links nach rechts die Straße überquerte, was dann durch die Luft flog. Sie habe zuerst an einen Hund gedacht. Im Auto hätten sie sich über die beiden Raser erregt. „Die machen doch ein Rennen“, seien sich die Frauen im Qashqai damals einig gewesen. Heute sei sie sich in dieser Frage jedoch nicht mehr so im Klaren.

Am Steuer des Mercedes saß an jenem Tag Mohammad F. (32). Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich der Bauhelfer mit seinem Kumpel Mohamed A., einem 24-jährigen Paketzusteller, im BMW ein Autorennen lieferte. Tatsächlich wird dies den in Dresden lebenden Syrern vorgeworfen. Für F. lautet der Vorwurf darüber hinaus „mit Todesfolge“. Der 32-Jährige sitzt seit dem Unfallwochenende in Untersuchungshaft.

Die Angeklagten äußerten sich bislang nicht. Am ersten Verhandlungstag hatte das Gericht unter anderem die beiden Beifahrer der Angeklagten vernommen. Die beiden Syrer seien auf dem Weg von F.s Wohnung in die Neustadt unterwegs gewesen, um dort Essen zu gehen. Der Beifahrer im BMW, er hatte sich das Auto gerade gekauft und war zu der Zeit ohne Fahrerlaubnis, sagte, der BMW sei zum Unfallzeitpunkt etwa 70 Meter hinter dem Mercedes gewesen.

Weiterführende Artikel

Prozess um tödlichen Unfall: Die Suche nach Wahrheit

Prozess um tödlichen Unfall: Die Suche nach Wahrheit

Ein sechsjähriger Junge stirbt bei einem möglichen illegalen Autorennen auf der Budapester Straße in Dresden. Zum Prozessauftakt sagt auch seine Mutter aus.

Getöteter Junge: Polizei untersucht Unfallort

Getöteter Junge: Polizei untersucht Unfallort

Nachdem ein Sechsjähriger in Dresden gestorben ist, wird jetzt der Unfallwagen begutachtet. Innenminister Wöller hat dazu eine Erwartung geäußert.

Die Stille nach der Katastrophe

Die Stille nach der Katastrophe

Der Schock sitzt tief, nachdem der sechsjährige Ali beim Zusammenstoß mit einem Auto in Dresden sein Leben verlor. Mancher musste das mit ansehen.

Der sechjährige Ali A. wohnte in der Budapester Straße und war auch Syrer. Er war an jenem Tag mit Freunden spielen. Seine Mutter, sie nimmt als Nebenklägerin an dem Prozess teil, lag damals nach der Geburt ihres vierten Kindes im Wochenbett. Das Gericht wird kommende Woche weitere Zeugen vernehmen.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden