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In Dresden gibt es bald mehr Bauland

Die Stadt braucht Raum für Eigenheime. Ein jahrelanger Streit um eine Siedlung in Strehlen ist beendet. Worum es dabei ging und was nun passieren soll.

Bauland im Dresdner Stadtgebiet ist begehrt. In Strehlen ist Platz für 35 Einfamilienhäuser. Nun ist ein Streit darum beigelegt.
Bauland im Dresdner Stadtgebiet ist begehrt. In Strehlen ist Platz für 35 Einfamilienhäuser. Nun ist ein Streit darum beigelegt. © Archiv: Sven Ellger

Dresden. Der Traum vom Eigenheim mitten in der Stadt - für viele Familien platzt er nicht nur wegen hoher Grundstückpreise, sondern schlichtweg wegen des fehlenden Angebots.

Die Folgen: Wer auf sein eigenes Häuschen nicht verzichten will, zieht ins Dresdner Umland, die Landeshauptstadt verliert Einwohner. Bauland ist in Dresden sehr begehrt - und deshalb verfolgen viele potenzielle Häuslebauer schon seit Jahren, was mit dem städtischen Grundstück an der Geystraße in Strehlen passiert.

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Zuletzt verhinderte ein Streit mit Anwohnern, dass das Areal erschlossen wird. Nun ist dieser Streit beigelegt.

Warum werden in Strehlen noch keine Häuser gebaut?

In Strehlen oberhalb der Teplitzer Straße befindet sich Bauland, vorwiegend in städtischem Besitz, auf dem Eigenheime entstehen sollen. Es ist unbebaut, befindet sich in guter Lage, muss allerdings noch erschlossen werden.

Bereits seit November 2014 gibt es einen rechtskräftigen Bebauungsplan, der auf dem Areal 35 Einfamilien- und Reihenhäuser, Grün- und Freiflächen, eine Kita und die Erweiterung des dortigen Seniorenheims um 40 Wohneinheiten vorsieht.

Die Baugrundstücke sollen nicht verkauft, sondern in Erbpacht vergeben werden. Die Kita soll von der städtischen Tochtergesellschaft Cultus gGmbH betrieben werden, zu der auch das Seniorenheim Haus Olga Körner gehört. Außerdem ist eine neue Buslinie geplant, die die Zschertnitzer mit der Caspar-David-Friedrich-Straße verbinden soll.

Genau diese geplante Straßenverbindung war allerdings Anlass für einen Rechtsstreit zwischen einigen Anwohnern und der Stadt. Denn die Sorge der Anwohner ist groß, dass viele Autofahrer die neue Straße als Abkürzung nutzen.

Dabei sollen nur die Busse, Radfahrer und Fußgänger die Verbindung nutzen dürfen. Der Normenkontrollantrag, mit dem die Anwohner das Bauprojekt zwischenzeitlich stoppten, wurde im August 2019 vom Oberverwaltungsgericht abgelehnt und der Bebauungsplan damit bestätigt. Er blieb weiterhin in Kraft.

Was verzögerte die Erschließung weiter?

Wie sich jetzt auf eine Anfrage von CDU-Stadtrat Mario Schmidt herausstellt, gab es bereits 2016 einen ersten Anlauf der Stadt, das Areal erschließen zu lassen.

"Im Jahr 2016 wurde das Grundstück mit der Zielstellung ausgeschrieben, Erschließung und Umsetzung durch einen Erwerber vornehmen zu lassen. Die vorgelegten Konzepte der Bauträger entsprachen jedoch nicht den gestellten Anforderungen, sodass kein Zuschlag erteilt werden konnte", teilt Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) auf die Anfrage mit.

Parallel dazu hätten aufgrund des Normenkontrollverfahrens rechtliche Unsicherheiten bestanden, sodass das Bauprojekt nicht im Haushalt eingeplant werden konnte.

Was Hilbert weiter mitteilt: "Erst mit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes am 13. Oktober 2020 hat das Verfahren mit der Zurückweisung der eingelegten Beschwerde seinen Abschluss gefunden."

Wie passiert nun mit dem Bauland?

Fest steht: Einen konkreten Termin für den Beginn der ersten Bauarbeiten gibt es noch immer nicht. Das wiederum hängt auch mit der jahrelangen Verzögerung des Bauprojektes zusammen.

"Gegenwärtig werden durch die Verwaltung Finanzierungsmöglichkeiten für die Aktualisierung der Erschließungsplanung aus 2010 bis zu einer belastbaren Kostenschätzung gesucht, um diese durchführen lassen zu können", so Hilbert.

Das heißt, es gibt zwar bereits Planungen, doch die dafür anberaumten Kosten haben sich seit 2010 geändert und müssen nun zunächst erneut berechnet werden.

Doch selbst wenn die aktuelle Kostenschätzung vorliegt, scheint es keinen schnellen Baustart zu geben. Denn dann müsse das Vorhaben im städtischen Haushalt eingeplant werden. Erst wenn das passiert ist, sei mit einer Erschließung des Areals zu rechnen.

Wäre auch der Bau von Sozialwohnungen möglich?

Weil die Stadt zwischenzeitlich geprüft hat, ob das Bauland auch für Mehrfamilienhäuser mit Sozialwohnungen geeignet wäre, gab es unter den Anwohnern zuletzt die Vermutung, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft WiD das Areal nun für den Bau von preiswertem Wohnraum nutzen soll.

Dem ist allerdings nicht so, wie die Stadtverwaltung erklärte. Denn der Bebauungsplan sieht lediglich Gebäude vor, die zwei bis drei Geschosse haben.

Zudem dürfen nur 30 bis 40 Prozent der jeweiligen Grundstücksfläche überbaut werden, die offene Bauweise ist mit "Einfamilienhaus" oder "Hausgruppe" festgelegt. Diese orientiert sich an der bereits bestehenden Struktur des Wohngebietes. "Ziel des Bebauungsplanes ist es, den vorhandenen Siedlungsbau in einer modernen Form weiterzuentwickeln."

Wo gibt es weitere Flächen für Eigenheime?

Wie groß das Interesse an Bauland in Dresden ist, weiß auch Mario Schmidt, baupolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Stadtrat. Er bekomme regelmäßig Anfragen, erst in dieser Woche auch wieder zur Geystraße.

"Der Bedarf ist groß." Und je länger es dauert, bis weiteres Bauland zur Verfügung steht, desto mehr Familien würden ins Umland abwandern. So kenne Schmidt Familien, die ihr Eigenheim inzwischen in Goppeln südlich von Dresden gebaut haben.

Dass die Stadt die Grundstücke an der Geystraße in Erbpacht vergeben will, findet Schmidt vor allem für Familien interessant, die damit zwar keine Eigentümer des Grundstücks seien, dafür aber auch den hohen Kaufpreis nicht zu stemmen hätten.

Ein weiteres großes Baugebiet für Eigenheime ist ebenfalls im Dresdner Süden auf der Leubnitzer Höhe geplant. Schmidt rechnet damit, dass es dafür noch in diesem Jahr einen Satzungsbeschluss geben wird.

An der Wilhelm-Franke-Straße gegenüber vom Wyndham-Garden-Hotel ist auf der Fläche, die sich bis zur Tornaer Straße erstreckt, laut Schmidt Platz für 170 bis 180 Eigenheime und Mehrfamilienhäuser - inklusive Blick auf Dresden und bis in die Sächsische Schweiz.

Derzeit werde, so Schmidt, nach einem Erschließungsträger für die Grundstücke gesucht. Ein weiteres Baugebiet befinde sich in Niedersedlitz südlich der Niedersedlitzer Straße. Wie auf der Leubnitzer Höhe soll dort eine bereits bestehende Eigenheimsiedlung erweitert werden.

Wie entwickeln sich Grundstückspreise in Dresden?

An vielen Stellen in der Landeshauptstadt sind bereits neue Wohngebiete mit Eigenheimen entstanden, etwa im ehemaligen Kasernengelände in Nickern und an der Dohnaer Straße in Luga.

Hohe Nachfrage und wenig Angebot schlagen sich auch in den Grundstückspreisen nieder - sie sind auch 2019 weiter gestiegen. Zahlten Bauwillige 2018 im Schnitt 245 Euro für den Quadratmeter, waren es 2019 schon 285 Euro. Das entspricht einem Anstieg von rund 16 Prozent. Seit 2010 haben sich die durchschnittlichen Kaufpreise damit nahezu verdreifacht.

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