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Was macht Youtube-Star "Lehrerschmidt" in Dresden?

Mit seinen Videos erreicht Kai Schmidt inzwischen Hunderttausende Schüler im ganzen Land. In Dresden wollte er auch Eltern Ängste nehmen.

Youtuber Lehrerschmidt brachte am Donnerstag die Schüler der SRH-Oberschule in Lockwitz zum Nachdenken - und Lachen.
Youtuber Lehrerschmidt brachte am Donnerstag die Schüler der SRH-Oberschule in Lockwitz zum Nachdenken - und Lachen. © Marion Doering

Dresden. Die Ankündigung hatte es in sich: "Wie eine Methode das Lernen für immer verändern wird!" betitelte der Youtube-Star "Lehrerschmidt" den Vortrag, den er am Donnerstagabend an der SRH Oberschule in Dresden hielt. Konkret ging es um das Lernen mithilfe von Videos und damit das Spezialgebiet des Redners.

Lehrerschmidt heißt offline Kai Schmidt und ist Schulleiter von Beruf. Der 40-Jährige kommt aus Niedersachsen. Vor fünf Jahren begann er damit, erste Lernvideos aufzunehmen und auf den Schulserver hochzuladen. Die waren zunächst nur für seine eigenen Schüler gedacht, um sie bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Zuvor hatte er online nicht die Videos gefunden, die er suchte. Die Idee und seine Art der Umsetzung fruchteten - schon lange vor Corona.

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Dabei seien die ersten Videos noch grauenvoll amateurhaft gewesen, wie er sagt. Mit Handy in der einen und Stift in der anderen Hand. Bald wurden die Aufnahmen besser und die Datenmengen zu groß für den Schulserver. "Mach doch Youtube", rieten ihm seine Schüler. In seiner Vorstellung sei das Portal damals noch voll mit Katzenvideos gewesen.

Inzwischen hat Schmidt bereits mehr als 1.500 Lernvideos auf Youtube veröffentlicht. Seinen Erfolg konnte er sich anfangs selbst nicht so recht erklären, sagt er. "Wer guckt sich Mathe-Videos freiwillig an?"

Seinem Kanal folgt inzwischen über eine Million Menschen, eine Zahl, die sich innerhalb des vergangenen Jahres verdoppelt hat. Die Monate voller Homeschooling während der Pandemie haben ihm ungeheuren Zulauf beschert.

Beim Schulfest der noch recht jungen SRH-Oberschule, bei dem gleichzeitig die ersten Absolventen der 10. Klasse verabschiedet werden, war der Auftritt von Lehrerschmidt der unumstrittene Höhepunkt. Jeder der Schüler kennt ihn und seine Videos. Auch die Lehrer arbeiten längst gern mit dieser besonderer Form, Lerninhalte unterhaltsam zu vertiefen.

"Hilfe, mein Kind will Influencer werden!"

Finanziert wurde die Veranstaltung zu 90 Prozent aus Mitteln der Landeshauptstadt Dresden. Viele Schüler kamen mit ihren Eltern zum Auftritt um 18 Uhr auf dem Schulhof.

Schmidt sprach über die Vor- und Nachteile, die die zunehmende Digitalisierung für das Lernen und Lehren mit sich bringen. Nach fünf Jahren als Youtuber hat er schon reichlich Erfolgsgeschichten, aber auch Missverständnisse erlebt.

Unter anderem ging Schmidt auf die Erstellung und die richtige Verwendung von Lernvideos ein und sprach über die Methodik des sogenannten Flipped Classroom, bei der Lerninhalte zu Hause allein erarbeitet und im Unterricht dann gemeinsam angewandt werden.

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Mit seinem zweiten Vortrag "Hilfe, mein Kind will Influencer werden!" beruhigte Schmidt schließlich auch die Eltern, die sich zunehmend Sorgen wegen der neuartigen Berufswünsche ihrer Kinder machen. Wer ein erfolgreicher Influencer sein wolle, der müsse auch viel dafür tun, betonte Schmidt. Er selbst wolle einen Job als Lehrer jedoch niemals für seine Youtube-Karriere aufgeben.

Ein Zuhörer in Dresden fragt: "Wie finden es Ihre Schüler, dass Sie so berühmt sind?" Die Antwort von Lehrerschmidt: "Das juckt in meiner Schule niemanden."

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