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Vom Probensaal ans Dresdner Königsufer

Das Jugendsinfonieorchester bestreitet mit großem Programm das Hope-Konzert an der Elbe. Es hat eine besondere Bedeutung - auch für Leiter Milko Kersten.

Freut sich über die Chance, mit dem Dresdner Jugendsinfonieorchester ein so großes Konzert zu spielen: Milko Kersten probt mit den jungen Leuten für den Hope-Benefizabend.
Freut sich über die Chance, mit dem Dresdner Jugendsinfonieorchester ein so großes Konzert zu spielen: Milko Kersten probt mit den jungen Leuten für den Hope-Benefizabend. © Sven Ellger

Dresden. In Leinenhose und Leinenhemd hat Milko Kersten die meiste Bewegungsfreiheit fürs Dirigieren. Während Fußballtrainer hochgeknöpft am Spielfeldrand auf und nieder laufen, tut sich der Chorleiter eine solche Enge nicht an. Kleider machen Leute, heißt es. Nicht umsonst gilt der Professor als entspannt und umgänglich - trotz der Strenge, die er in seiner Arbeit walten lässt.

Ohne sie hätte das Jugendsinfonieorchester des Heinrich-Schütz-Konservatoriums nicht die Qualität, für die es geschätzt ist und nun einen großen Auftrag erfüllen darf. Am 8. Juli werden die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren das Benefizkonzert zugunsten des Hope-Projektes mit ihrer Musik begleiten.

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Weil die Hope-Gala coronabedingt ausfallen musste, Unterstützung für von HIV und Aids betroffene Kinder in Südafrika trotzdem dringend notwendig ist, veranstalten die Initiatoren ein Konzert am Königsufer.

Mammutaufgabe für junge Musiker

Dort treten neben oder begleitet vom Jugendsinfonieorchester der Kinderchor der Semperoper, Solisten der Sächsischen Staatsoperette, The Dark Tenor, das 15-jährige Nachwuchstalent Phil Schaller und die drei Sänger Dirk Michaelis, André Herzberg und Dirk Zöllner als Trio auf. Außerdem sind Künstler vom Chinesischen Staatszirkus und Tänzer des Dresdner Hip-Hop-Projektes "DDProjects" zu erleben.

Die Mammutaufgabe des Abends jedoch haben Miko Kerstens junge Musiker. Sie werden eigene Stücke spielen und die anderen Sänger begleiten. Dafür sind intensive Proben nötig, die aufgrund von Corona nicht so laufen, wie es sonst der Fall gewesen wäre.

Noch nicht lange dürfen sich alle Orchestermitglieder treffen, um gemeinsam zu spielen. "Von Oktober bis Mai haben die Mädchen und Jungen nur jeder für sich Online-Unterricht bei ihren jeweiligen Musiklehrern gehabt", sagt Milko Kersten. Digitale Varianten für gemeinsame Orchesterproben habe er sich angesehen und als untauglich befunden. "Nichts davon kann auch nur annähernd transportieren, was das gemeinschaftliche Arbeiten ausmacht."

"Ich gehe davon aus, dass etwas geht"

Ohne zu wissen, wann ein Proben in bewährter Form wieder möglich ist, nahm der Professor für Ensemblearbeit an der Hochschule für Musik das Angebot der Hopekonzert-Organisatoren an. "Ich bin kein Freund davon, mir Gedanken darüber zu machen, was alles nicht geht, sondern ich gehe davon aus, dass etwas geht", sagt er. Wird eine Variante unmöglich, funktioniere eine andere, davon sei er überzeugt.

Milko Kersten behält Recht. Seit einigen Tagen treffen sich die mehr als 60 Orchestermitglieder im Saal des Internationalen Congress Centers, um zu proben. Den Raum mit viel Platz und guter Akustik stellt das Kongresszentrum kostenlos zur Verfügung. So können große Instrumente und die Notenständer stehen bleiben - eine Erleichterung für die Musiker.

Die haben es schwer genug damit, in kurzer Zeit ihre eigenen Stücke und die speziellen Kompositionen für die Begleitung anderer Künstler einzustudieren. Trotz der Mühe sind sie beflügelt: "Es ist wunderbar zu beobachten, wie glücklich es die Jugendlichen macht, sich wiederzusehen und das Erlebnis Musik zu teilen", sagt Milko Kersten.

"Wir sind ein Bildungsangebot"

Dass in der Coronaverordnung Musikschulen zunächst neben Fitnessstudios und Bordellen in die Kategorie Freizeitangelegenheit eingeordnet wurden, hat den Orchesterleiter verärgert. "Wir sind ein Bildungsangebot!" Das habe er Sachsens Ministerpräsidenten auch in einem Brief geschrieben. "Er teilt unsere Sicht, und ich gehe davon aus, dass wir künftig entsprechend respektiert werden."

Zunächst sind alle Blicke auf das große Konzert bei den Filmnächten am Elbufer ausgerichtet. Milko Kersten freut sich: "Das wird ein großes Geschenk an die jungen Musiker und ein tolles Erlebnis für unser Publikum."

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