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"Ich kenne bis jetzt auch nur Fotos"

Eine neuentdeckte Pflanze im tropischen Regenwald ist nach einem Dresdner Botaniker benannt worden. Aber warum eigentlich?

Die Aristolochia wankeana wurde nach dem Dresdner Botaniker Stefan Wanke benannt.
Die Aristolochia wankeana wurde nach dem Dresdner Botaniker Stefan Wanke benannt. © privat/TU Dresden

Dresden. Eine Blüte wie ein Kunstwerk. Irgendwo in den Tiefen der tropischen Regenwälder in Französisch-Guyana hat ein Wissenschaftlerteam aus Brasilien, Kolumbien und vom Musée d'Histoire Naturelle in Paris eine neue Pfeifenblumen-Art entdeckt. Dabei handelt es sich um eine Kletterpflanze aus dem Amazonasbecken mit der für Aristolochia-Arten charakteristischen Blütenform.

Eine Tolle Sache für jeden Forscher. Nicht mit dabei im Regenwald war allerdings Stefan Wanke, Dresdner Professor am Institut für Botanik an der TU Dresden. Dennoch wird die neuentdeckte Pflanze künftig seinen Namen tragen: Aristolochia wankeana.

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Aber gilt diese Ehre nicht normalerweise dem Entdecker selbst? "Das denken die meisten", sagt Wanke. "Neue Arten in den entlegensten Ecken der Welt selbst zu entdecken, ist das eine. Wenn jedoch eine neue Art nach einem benannt wird, ist dies eine besondere Anerkennung." Deswegen sei seine Freude auch groß gewesen, als er von der Namensgebung erfuhr. "So oft wird mir das nicht mehr passieren in meinem Leben."

Stefan Wanke ist Professor am Institut für Botanik an der TU Dresden.
Stefan Wanke ist Professor am Institut für Botanik an der TU Dresden. © privat

Im vergangenen Jahr seien die südamerikanischen Entdecker im Rahmen einer Kooperation zu den Pfeifenwinden zu Besuch an der TU Dresden gewesen. "Scheinbar hat sie unsere Forschungsarbeit überzeugt", sagt Wanke. "Wir pflegen auf diesem Gebiet intensive Kontakte zu zahlreichen Universitäten weltweit."

Die nach ihm benannte Pflanze selbst kennt Wanke bis jetzt nur von Fotos. "Ich hoffe aber, dass wir schon bald die ersten Samen bekommen", sagt er. An der TU Dresden wird die Pflanzenfamilie der Pfeifenwinden schon seit über 20 Jahren erforscht. Die Dresdner Forscher gehören damit zu den wenigen Spezialisten für diese Pflanzen weltweit und haben maßgebliche Arbeiten zur Evolution und Biologie dieser Gruppe veröffentlicht.

Eine der weltweit größten Sammlungen von Pfeifenwindengewächsen

Mit der Erforschung der Pflanzenfamilie wollen die Botaniker helfen, besonders bedrohte Arten besser schützen zu können. Der Botanische Garten in Dresden leistet dabei schon jetzt einen nicht unerheblichen Beitrag für den Artenschutz. "Mit etwa 150 Arten besitzen wir eine der weltweit größten Sammlungen von Pfeifenwindengewächsen", sagt Christoph Neinhuis, der Direktor des Botanischen Gartens. Auch nach ihm wurde schon eine Pfeifenwindenart benannt, die vor drei Jahren in Vietnam entdeckt wurde: die Aristolochia neinhuisii.

Einige der gesammelten Arten seien in der Natur inzwischen äußerst selten oder gar komplett ausgestorben. Erst vor wenigen Wochen erblühte in Dresden mit der Aristolochia impudica erstmals eine sehr seltene Art aus Mexiko, die, soweit bekannt, bislang nur in Dresden kultiviert wird.

Wann die Aristolochia wankeana in Dresden erstmals blühen könnte, kann nicht vorausgesagt werden. "Wenn wir im kommenden Jahr die Samen erhalten, dann kann es schon ein Jahr später soweit sein - oder erst in 20 Jahren", sagt Wanke. Zunächst müssten die Gärtner Erfahrungen sammeln, unter welchen Bedingungen die Pflanze sich am wohlsten fühlt.

Sollte er irgendwann mal bei Führungen durch den Botanischen Garten auf die Pflanze mit seinem Namen hinweisen können, dann sei das schon was Nettes. Zu Hause im Topf möchte er das Gewächs aber nicht großziehen. "Den Versuch werde ich mir sparen", sagt Wanke. "Ich bin da nicht so erfolgreich."

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