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Dresden jagt Kaugummi-Spucker und Pappe-Sünder

Müll auf der Straße kostet Dresden viel Geld. Das Ordnungsamt setzt auf eine konsequente Verfolgung und hat letztes Jahr mehr als 1.000 Verfahren eingeleitet.

Pappe neben den Container zu legen, kann teuer werden - selbst dann, wenn die Behälter überfüllt sind.
Pappe neben den Container zu legen, kann teuer werden - selbst dann, wenn die Behälter überfüllt sind. © Christian Juppe

Dresden. Weggeworfene Zigarettenstummel, ausgespuckte Kaugummis, abgestellte alte Fernseher: Der Landeshauptstadt Dresden entstehen im Jahr hohe Kosten durch illegal abgelagerten Müll. Genau 602 Tonnen sind im vergangenen Jahr zusammengekommen. Das Ordnungsamt investiert inzwischen viel Energie, um den Müll-Sündern auf die Spur zu kommen. Eine ganze Reihe von ihnen hat inzwischen Post bekommen.

Welcher Müll wird weggeworfen und an Straßenränder gestellt?

Das reicht von Kleinigkeiten wie Kaugummis und Zigaretten bis hin zu Sperrmüll wie alten Möbeln, Matratzen, ausrangierten Fernsehern und Aquarien. Ein großes Problem stellt auch Pappe dar, insbesondere durch den Boom des Online-Versandhandels. Kartons werden oft nicht in die Wertstoffcontainer geworfen, sondern daneben abgelegt. So sind 2020 insgesamt 602 Tonnen illegal abgelagerter Müll zusammengekommen, teilt die Verwaltung auf Anfrage von AfD-Stadtrat Heiko Müller mit. 2015 seien es 428 Tonnen gewesen, 2010 etwa 640 Tonnen. Ein Trend zu mehr illegal abgelagertem Müll zeige sich somit nicht, allerdings stiegen die Entsorgungskosten.

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Wie teuer ist es, diesen Müll zu entsorgen?

Nicht immer macht die Menge den Preis. Das zeigt sich bei den Kosten, die entstehen, um Pappe, Fernseher oder Zigarettenstummel zu entfernen. Um den illegal abgelagerten Müll zu beseitigen, waren im vergangenen Jahr 255.045 Euro nötig, so die Stadt. Zum Vergleich: 2011, als noch deutlich mehr Müll abtransportiert wurde, mussten lediglich 185.992 Euro aufgebracht werden. Einerseits seien Entsorgung und Logistik teurer geworden, andererseits habe sich die Zusammensetzung der illegalen Abfälle verändert, heißt es aus dem Rathaus.

Bleibt die Stadt auf diesen Kosten sitzen?

Nein, nicht komplett. So ist es dem Ordnungsamt im vergangenen Jahr in mehr als 1.000 Fällen gelungen, einen Verdächtigen zu identifizieren und Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten. So erhielten 1.072 Menschen ein Knöllchen, weil sie dabei erwischt wurden, wie sie Pappe und Kartons neben Wertstoffcontainer legten. Die Summe der dafür verhängten Verwarn- und Bußgelder betrug 29.700 Euro. Weitere 102 Verfahren sind wegen weggeworfener Zigaretten, Kaugummis, aber auch illegal abgelagertem Sperrmüll zur Rechenschaft gezogen worden. Die Stadt forderte dafür weitere 5.500 Euro.

In diesem Jahr seien bereits 251 Verfahren eingeleitet worden, hauptsächlich wegen abgelagerter Pappe. Es geht um eine Summe von insgesamt 11.200 Euro (Stand: 7. Juli).

Wie sieht es speziell an den Elbwiesen aus?

Die Dresdner Elbwiesen sind ein beliebter Ort, an dem sich Menschen treffen, essen, trinken - und Müll produzieren. Einiges davon bleibt auf der Wiese liegen. Nach dem Ende der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr 2020 habe man allerdings nicht mehr Abfall registriert als im Vorjahr, so die Stadt. Was nicht heißt, dass es kaum noch Müll an der Elbe gäbe. Im Gegenteil: Insbesondere an Wochenenden kommt einiges an Pizzakartons, leeren Flaschen und Einweggrills zusammen.

Was unternimmt die Stadt, damit weniger Müll auf der Straße landet?

Zunächst einmal setzt die Stadt auf eine konsequente Nachverfolgung illegaler Ablagerungen sowie die Einleitung von Ordnungswidrigkeitsverfahren, so das Rathaus. Außerdem sollen in Zukunft noch mehr Haushalte eine Blaue Tonne erhalten, sodass der Weg zur Pappe- und Glasentsorgung für viele Dresdner kürzer wird. In diesem Zusammenhang will die Verwaltung auch stärker eine Überfüllung der Pappe-Container verhindern. Darüber hinaus ist seit kurzem eine Expressabholung von Sperrmüll und alten Elektrogeräten innerhalb von drei Werktagen möglich. Das kostet 72 Euro. Wer bis zu vier Wochen warten kann, zahlt 25 Euro. Anmeldungen nimmt die Stadt jederzeit online entgegen.

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Die Stadtreinigung warnt in diesem Zusammenhang vor unseriösen Angeboten. "Wir erhalten derzeit wieder gehäuft Hinweise von Dresdner Bürgern über unseriöse Sperrmüllentsorgungen. Die Fahrer geben sich teilweise auch als Mitarbeiter der Stadtreinigung Dresden aus", so das Unternehmen. Die Kunden beauftragten einen Termin zur Sperrmüllentsorgung und sollten vor Ort eine hohe Summe in bar bezahlen.

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