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Dresdner Hotel-Chef sieht Lage kritisch

Johannes Lohmeyer widerspricht der positiven Einschätzung der Stadt, der Tourismus habe sich im Sommer erholt. Im Herbst könnte alles viel schlimmer werden.

Johannes Lohmeyer ist Vorsitzender des Dresdner Tourismusverbandes. Er beurteilt die Lage seiner Branche derzeit nicht sehr optimistisch.
Johannes Lohmeyer ist Vorsitzender des Dresdner Tourismusverbandes. Er beurteilt die Lage seiner Branche derzeit nicht sehr optimistisch. © Sven Ellger (Archiv)

Dresden. Tatsächlich hatte Dresdens Tourismuschefin Corinne Miseer mit deutlich weniger Übernachtungen im Sommer gerechnet. Tatsächlich betrug die Corona-Delle im Juli aber "nur" noch rund minus 20 Prozent. Die Sommerbilanz falle damit besser aus als erwartet, so Miseer. Insbesondere bei der Zimmerauslastung liege Dresden im deutschen Großstadt-Vergleich an der Spitze. Der Chef des Dresdner Tourismusverbandes ärgert sich über diese Einschätzung jedoch.

"Zu einer solchen Jubelarie gibt es nicht den geringsten Anlass", findet Johannes Lohmeyer, der das Best Western Macrander Hotel an der Buchenstraße im Hechtviertel  führt. Verluste von 70 Prozent im Mai, 50 Prozent im Juni und 20 Prozent als Zeichen eines guten Sommers zu werten, halte er für eine durchaus steile These.

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"Mit diesen Ergebnissen lassen sich nicht einmal die laufenden Ausgaben decken, geschweige denn die massiven Verluste aus dem zweiten Quartal auffangen", sagt der Verbandschef. Mehrere Hotels hätten bereits aufgeben müssen und viele weitere stünden vor dem Aus.

Fakt sei, dass es nahezu keine Geschäftsreisende aktuell gebe und derzeit fast nur deutsche nach Dresden kommen. Dies sei aber kein Verdienst der Werbemaßnahmen der Dresden Marketinggesellschaft (DMG), sondern der allgemeine Trend in diesem Jahr, wegen Corona nicht ins Ausland zu reisen. "Nach der Hauptreisezeit steht uns hier ein massiver Wegbruch der Übernachtungszahlen ins Haus."

Harsche Kritik an Vorgaben für Weihnachtsmärkte

Corinne Miseer, die die DMG führt, sowie Dresden Tourismusbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) hatten vergangene Woche ihre Hoffnung geäußert, dass insbesondere der Dezember noch einmal einen Schwung an auswärtigen Gästen in die Stadt bringt, sofern der Striezelmarkt stattfinden darf. Doch auch hier zeigt sich Lohmeyer weitaus weniger optimistisch. Die Hoffnung, in dieser sonst umsatzstarken Zeit etwas aufzuholen, schwinde von Tag zu Tag. Mit täglich neuen "absurden Vorschlägen", wie Lohmeyer es nennt, werde versucht, das Weihnachtsgeschäft "systematisch" zu zerreden. Zuletzt hatte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) angekündigt, die Maskenpflicht werde Teil des Hygienekonzeptes für den Striezelmarkt werden. Darüber hinaus macht sich Sachsen Sozialministerin Petra Köpping (SPD) für eine niedrigere Schwelle stark, ab der keine Weihnachtsmärkte in einer Region stattfinden dürfen. Sie schlägt vor, 20 Neu-Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen als Grenze zu setzen. Derzeit gilt für Großveranstaltungen noch ein Wert von 35 Infektionen. Dresden liegt aktuell bei acht.

"Wenn die Politik hier nicht endlich einlenkt und Dresdens Tourismus stärker unterstützt, sehe ich schwarz für einen großen Teil unserer Branche", so Lohmeyer.

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