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Warum Kaisermania 2021 in Dresden ausfällt

Auch 2021 wird es kein Konzert mit Roland Kaiser am Elbufer geben. Trotz langer Bemühungen bleibt dem Veranstalter wohl keine Wahl. Das sind die Gründe.

Auch 2021 wird es kein Konzert mit Roland Kaiser am Elbufer in Dresden geben.
Auch 2021 wird es kein Konzert mit Roland Kaiser am Elbufer in Dresden geben. © Ronald Bonß

Dresden. Viele Fans haben es befürchtet, andere halten es für die richtige Entscheidung: Roland Kaiser wird in diesem Jahr nicht am Dresdner Elbufer auftreten. Warum es dazu letztlich keine Alternative gab, erklärt Veranstalter Dieter Semmelmann im Interview.

So reagieren die Kaiser-Fans.

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Herr Semmelmann, warum wird es auch in diesem Jahr keine Kaisermania geben?

Wir haben in den vergangenen Wochen alles versucht und lange um die Konzerte gekämpft. Nun müssen wir uns leider geschlagen geben. Da es uns die aktuellen Vorschriften unmöglich machen, eine solche Großveranstaltung umzusetzen, wird das Event erneut um ein Jahr verschoben.

Aber hat die neue Sächsische Corona-Schutzverordnung nicht wieder mehr möglich gemacht?

Das stimmt, aber es hat nicht gereicht. Zu Beginn der Gespräche haben wir zunächst eine reduzierte Zuschauerzahl von 7.500 unbestuhlt angeboten, was uns jedoch wegen der fehlenden Kontaktnachverfolgung und der geforderten Abstandsregelung nicht genehmigt wurde. Daraufhin haben wir noch eine Lösung mit 3.500 Besuchern bestuhlt vorgeschlagen, was aber immer noch am Mindestabstand scheiterte. Zuletzt haben wir sogar angeboten, nur Geimpften den Zutritt zu gewähren, aber selbst das wurde durch das Gesundheitsamt abgelehnt.

Veranstalter Dieter Semmelmann muss die Kaisermania in Dresden absagen.
Veranstalter Dieter Semmelmann muss die Kaisermania in Dresden absagen. © privat

Von der Kaisermania-Atmosphäre wäre dann aber wohl sowieso nicht mehr viel übrig geblieben.

Natürlich wäre das nur eine Notlösung gewesen. Sie und ich kennen die Kaisermania als Fest der Lebensfreude im wahrsten Sinne. Da gehört Party dazu. Da gehört Anfassen dazu. Aber schauen Sie, wir wollten mal sehen, welche Minimalversion machbar wäre. Und selbst die hätten wir nicht durchbekommen. Zwischenzeitlich haben wir sogar überlegt, die Veranstaltung im September im Rudolf-Harbig-Stadion durchzuführen.

War das wirklich eine ernsthafte Alternative?

Hier könnten wir zwar rund 8.500 Besucher komplett bestuhlt unterbringen. Die Kaisermania ist allerdings für die Fans mit der einzigartigen Atmosphäre bei den Filmnächten am Elbufer verbunden, die nicht einfach in eine andere Location mitzunehmen ist. Man denke nur an die vielen Tausend Fans, die bei jedem Konzert auf der Wiese vor dem Veranstaltungsgelände eine schöne Zeit haben. Wir haben uns heute entschieden, das nicht zu machen.

Haben Sie Verständnis für den Standpunkt des Gesundheitsamtes?

Ich mache den Behörden in Dresden keinen direkten Vorwurf. Das sind Mitarbeiter, die ihren Job machen. Warum sollten die dann ihren Kopf für etwas hinhalten, was durch eine staatliche Verordnung mit geringem Interpretationsspielraum vorgegeben wird? Etwas mehr Flexibilität und Mut hätten wir uns aber schon gewünscht. Das Ergebnis hat uns frustriert hinterlassen. Am einfachsten ist es natürlich, die Bedingungen so weit einzuschränken, dass der Veranstalter am Ende selbst keine Lust mehr hat, weil es wirtschaftlich nicht mehr umsetzbar ist. Inzwischen mache ich mir echt große Sorgen, wie das in den nächsten Wochen weitergehen soll. Eine ausschließliche Zulassung für Geimpfte wäre doch auch ein Signal an die Bevölkerung gewesen, mit dem man zeigen könnte, dass Geimpfte einen Vorteil haben. Der Impfkampagne hätte das sicher gut getan.

Also ruhten Ihre Hoffnungen auf dem Impfen?

Unsere Branche steht in vielen Bereichen seit fast anderthalb Jahren still. Von der Politik hieß es, dass die Einschränkungen dann für Geimpfte aufgehoben würden, wenn jeder ein Impfangebot erhalten hat. Nun scheint mir dieser Punkt erreicht zu sein. Jeder, der sich impfen lassen will, bekommt innerhalb von wenigen Tagen einen Termin. Dennoch dürfen auch die Geimpften noch nicht zu einer Kaisermania. Wie lange soll das noch so weitergehen?

Die aktuelle Schutzverordnung gilt nur bis Ende Juli. Hatten Sie zuletzt keine Hoffnungen mehr auf weitere Lockerungen?

Niemand weiß im Moment, was danach kommt, aber die aktuell wieder steigenden Inzidenzen weisen eher darauf hin, dass es so schnell nicht offener wird. So realistisch müssen wir sein. Es bleibt dabei: Mit Abstand können wir diese Veranstaltung nicht durchführen.

Wie wäre das überhaupt machbar gewesen, von 12.000 Besuchern pro Konzert 3.500 auszuwählen?

Wahrscheinlich hätten wir dann statt vier sechs Veranstaltungen angeboten, um trotzdem möglichst vielen Fans das Konzerterlebnis zu ermöglichen. Die übrigen hätten dann wohl eine Art Vorkaufsrecht für die Tickets für 2022 erhalten. Wir wollten niemanden im Regen stehen lassen.

Wäre das nicht ein riesengroßer Aufwand gewesen?

Natürlich, aber den hätten wir gern in Kauf genommen, um unsere Branche wieder zum Leben zu erwecken.

Was bedeutet die Absage für die Ticketbesitzer?

Alle Ticketinhaber werden, wenn sie wollen, 2022 an der Kaisermania teilnehmen können. In Kürze wird es eine schriftliche Benachrichtigung dazu geben, wie es konkret weitergeht. Wir bitten jedoch um einige Tage Geduld. Wir müssen uns erst einmal sammeln.

Kultevent Kaisermania: Bis 2019 feierten jährlich 50.000 Fans ihr Idol am Elbufer.
Kultevent Kaisermania: Bis 2019 feierten jährlich 50.000 Fans ihr Idol am Elbufer. © kairospress

Wie haben Sie denn in den vergangenen Wochen die Stimmung bei den Fans wahrgenommen?

Ich glaube, bei den Fans hat sich mittlerweile auch die Meinung durchgesetzt, dass man die Kaisermania lieber nochmal ein Jahr verschieben sollte, bevor man irgendeine Kompromisslösung durchsetzt. Die Fans werden sicher traurig sein, aber das volle Erlebnis im kommenden Jahr einer halbherzigen Lösung 2021 vorziehen.

Wie könnte die Kaisermania 2022 aussehen?

Nächstes Jahr wird Roland Kaiser 70. Vielleicht bekommen wir ja die Genehmigung für zwei zusätzliche Shows, um den Leuten, die vor zwei Jahren keine Tickets abbekommen haben, eine neue Chance zu geben. Das ist bislang nur ein Wunsch, den ich heute mit Roland besprochen habe. Ich hoffe aber, dass die Behörden den Veranstaltern da im kommenden Jahr entgegenkommen und die Spielräume erhöhen.

Waren Sie in den vergangen Tagen und Wochen immer in Kontakt mit Roland Kaiser?

Ich telefoniere fast täglich mit ihm. Natürlich ist auch er sehr traurig. Er wollte unbedingt spielen und hat mich darum gebeten, alle Möglichkeiten auszuloten. Da ging es gar nicht um wirtschaftliche Dinge, sondern eher um emotionale. Schweren Herzens trägt er die Entscheidung mit.

Was bedeutet die Absage wirtschaftlich für Sie?

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Auch für uns ist das ein schwerer Schlag. Die Kaisermania ist eines unserer Highlights im Sommer und ein wichtiger Faktor in unserer Bilanz. Das gilt jedoch nicht nur für uns. Ich glaube, dass der Schaden, der uns entsteht, nur ein Bruchteil dessen ist, was der Stadt Dresden und der ganzen Region durch die erneute Absage verlorengeht. Da hängen Hotels dran, Restaurants, Taxifahrer. Das ist ein Millionenschaden.

Im CoronaCast haben wir kürzlich über die Bedeutung der Corona-Lockerungen für die Event-Branche gesprochen:

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