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Dresden: "Die Gäste kommen noch sehr zögerlich"

Der Juni lässt in Sachen Tourismus noch viel Luft nach oben. Die Dresdner Hoteliers, Gastronomen und Veranstaltern haben trotzdem Hoffnung - mit Grund.

Vertraute Anblicke wieder in Dresdens Innnenstadt: Zwei Lübeckerinnen machen ein Selfie von sich mit Frauenkirche.
Vertraute Anblicke wieder in Dresdens Innnenstadt: Zwei Lübeckerinnen machen ein Selfie von sich mit Frauenkirche. © Christian Juppe

Dresden. Sie sind leicht an ihren Rucksäcken, Kameras oder Autokennzeichen zu erkennen - Gäste der Stadt, die aus ganz Deutschland und aus dem Ausland nach Dresden kommen. Nach Monaten der Abstinenz dürfen Hotels sie nun wieder beherbergen, Restaurants sie beköstigen, Stadtführer sie umherfahren, Museen ihnen ihre Schätze zeigen. Doch kehren die Touristen tatsächlich in Scharen zurück, so wie es sich alle Branchen wünschen, deren Existenzen von Besucherströmen abhängen?

Fast ausschließlich von Tagesgästen belegt wird der große Parkplatz unterhalb der Carolabrücke. Von dort aus lässt sich prima zu Fuß die Innenstadt erkunden. Am Sonnabendmittag ist der Platz voll. Berliner stehen neben Erfurtern, Zwickauer neben Leipzigern, Hallenser neben Autos aus Cottbus. Auch Hamburger sind dabei, Dortmunder, Frankfurter und hier und da ein Mobil mit holländischem Nummernkennzeichen.

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Wirklich weitgereiste Gäste sind noch rar in der Stadt. Doch diese vier chinesischen Touristen freuen sich am Sonnabend über ihre Zeit zwischen historischen Mauern und Sehenswürdigkeiten.
Wirklich weitgereiste Gäste sind noch rar in der Stadt. Doch diese vier chinesischen Touristen freuen sich am Sonnabend über ihre Zeit zwischen historischen Mauern und Sehenswürdigkeiten. © Christian Juppe

Das Parkhaus am Altmarkt ist besetzt. Die Doppeldecker auf Stadtrundfahrt kreisen durchs Zentrum. Doch sie sind nur halb ausgelastet, genau so wie die vielen Restaurants und Cafés rund um den Altmarkt und die Frauenkirche. Aus Touristensicht herrscht eine entspannte Atmosphäre, wer Kaffepause machen, Eis, Pizza oder Haxe essen möchte, findet problemlos einen Platz. Kein Anstehen, kein Drängen.

Am Kartenverkauf der Weißen Flotte haben sich indes Wartende in eine Schlange eingereiht, die "Leipzig" tuckert vorbei - buntes Gewimmel auf dem Sonnendeck. "Wir freuen uns sehr über die große Nachfrage am Wochenende", sagt Unternehmenssprecher Robert Körner. Viele Fahrgäste würden gern eine Tour in die Sächsische Schweiz unternehmen, das geht jedoch noch nicht. "Ab dem 11. Juli startet aber mit unserem regulären Sommerfahrplan auch dieses Angebot", so Körner. Dampferfreunde lädt er ein, sich die Jubiläumsparade am 10. Juli nicht entgehen zu lassen. "Es gibt noch etwa 400 Tickets."

Andrang am Schaufelraddampfer der Weißen Flotte. Endlich wieder über die Elbe zu schippern - das haben nicht nur Besucher aus der Ferne vermisst, sondern auch die Dresdner selbst.
Andrang am Schaufelraddampfer der Weißen Flotte. Endlich wieder über die Elbe zu schippern - das haben nicht nur Besucher aus der Ferne vermisst, sondern auch die Dresdner selbst. © Christian Juppe

Am Neumarkt wird derweil gebummelt, oder die Menschen sitzen vor den Lokalen. Die QF-Passage ist wie leer gefegt. Noch nicht alle Geschäfte sind dort geöffnet. Die Touristinformation könnte jede Menge Orientierungssuchende verkraften. Drei Mitarbeiter stehen hinter den Schaltern bereit, doch kaum ein Tourist braucht ihren Rat.

Die Hoteliers der Stadt haben ihre Häuser auf den Neustart so schnell es ging vorbereitet und warten nun auf Gäste. Doch der Juni zeigt sich noch verhalten. "Anders als beim Restart 2020 haben wir jetzt keine entsprechende Belegung", sagt Florian Stühmer, Generaldirektor des Innside Hotels Dresden in der Salzgasse an der Frauenkirche. Doch von Juli bis September zeichne sich eine gute Steigerung ab. "Dann werden wir mit Sicherheit wieder auf eine 80-prozentige Auslastung kommen."

Im Quartier Frauenkirche warten die Ladeninhaber noch vergebens auf kaufwilliges Publikum. Dort herrschte gähnende Leere. Die Mitarbeiter an den Schaltern der Touristinformation freuten sich über jeden einzelnen Kunden.
Im Quartier Frauenkirche warten die Ladeninhaber noch vergebens auf kaufwilliges Publikum. Dort herrschte gähnende Leere. Die Mitarbeiter an den Schaltern der Touristinformation freuten sich über jeden einzelnen Kunden. © Christian Juppe

Ähnlich erlebt Stephan Becker die Zeit der Lockerung. Seit Januar leitet er das Hyperion Hotel Dresden am Schloss. "Die Gäste kommen momentan noch sehr zögerlich", sagt er. Aktuell schaffe sein Haus eine Belegung von rund 30 Prozent in der Woche und bis zu 50 Prozent am Wochenende. Für Juli rechnet er mit deutlich mehr Gästen. Seine größte Herausforderung sind momentan nicht unbelegte Zimmer, sondern der Aufbau eines Teams, das sich eng mit dem Unternehmen verbunden fühlt und harmoniert. Die sieben Monate Schließzeit haben Lücken in den Mitarbeiterstamm gerissen. "Zum Glück bekommen wir richtig gute Bewerbungen, auch wenn zur Zeit alle Hotels Personal suchen", so Becker.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Zu den Ersten, die eine Städtetour nach Dresden unternehmen gehört auch Familie Thomas aus Köln. Sie genoss die entspannte Atmosphäre in der Innenstadt per Velotaxi.
Zu den Ersten, die eine Städtetour nach Dresden unternehmen gehört auch Familie Thomas aus Köln. Sie genoss die entspannte Atmosphäre in der Innenstadt per Velotaxi. © Christian Juppe

Optimistisch blickt auch Gerd Kastenmeier auf die kommenden Monate. "Im September wird es richtig krachen", sieht er voraus. Sein Reservierungsbuch lässt ihn frohlocken. Bisher kommen überwiegend Dresdner Stammgäste ins Restaurant "Kastenmeiers" im Taschenbergpalais. "Auch die Geschäftsreisenden kehren spürbar zurück", sagt der Gastronom. Richtige Urlauber fehlen noch. Auf rund 85 Prozent der Gäste des Vorjahres komme er in diesem Monat. Für Ende des Sommers aber haben sich zahlreiche Firmen mit ihren Veranstaltungen bei ihm angekündigt.

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Wer also einmal wieder Lust hat, zu Gast in der eigenen Stadt zu sein, zu bummeln, in Lokalen zu sitzen und Dresden neu zu entdecken, sollte diese Zeit nutzen - bevor die großen Anziehungspunkte besonders im Zentrum voll wie in alten Ferienzeiten sein werden.

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