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Kies-Ärger in Dresdner Kleingartenanlage

Meistgelesen: Die Freude über ihr Kies-Beet währte bei Heike Lindner nur kurz. Erst senkte der Vorstand den Daumen, dann hagelte es böse Kommentare im Netz.

Im Kampf gegen unerwünschte Blumen muss sich Heike Lindner etwas anderes einfallen lassen.
Im Kampf gegen unerwünschte Blumen muss sich Heike Lindner etwas anderes einfallen lassen. © Sven Ellger

Dresden. Irgendwas musste sie gegen diese blaue Plage unternehmen. Schon seit Jahren breiteten sich die Traubenhyazinthen ungebremst im Garten von Heike Lindner aus. Als ihr Mann nun die Idee hatte, ein Beet mit Zierkies zu bedecken, um die Blumen zumindest ein wenig im Zaum zu halten, war sie sofort dabei.

"Ich liebe Blumen", stellt die 53-Jährige klar, aber was zu viel sei, sei zu viel. Ihr Stück Land im Kleingartenverein "Alte Elbe" in Seidnitz bewirtschaftet sie seit 14 Jahren, ist allerdings erst seit zwei Jahren offiziell Pächter. Die einst verwilderte Parzelle sieht heute aus wie aus der Gartenmarkt-Werbung. Kein Unkrautpflänzchen wächst hier gerade. Zusammen mit ihrem Mann hat Heike Lindner neue Wege angelegt. Es gibt viele Beete, Rasenflächen, eine wilde Ecke und sogar einen kleinen Teich.

Der weiße Zierkies auf einer Fläche von zwei mal drei Metern sollte ein weiterer Blickfang werden. Um einen alten Apfelbaum herum hat sie die rund 500 Kilogramm, die ihr Mann in fünf großen Schubkarren heranfuhr, auf einem schwarzen Vlies verteilt. Zwischendrin schauen die Ansätze von Pfingstrosen durch die Steine, und auch einige wenige Traubenhyazinthen durften bleiben. Die alte Messingwanne, in der sie als Kind badete, hat sie eingebettet und bepflanzt. Daneben steht eine Hundeskulptur mit dem Kopf in der Erde. Nächste Woche sollen noch die Beine einer Schaufensterpuppe dazukommen. "Bissel was Lustiges."

Die ausbreitungsfreudigen Traubenhyazinthen werden bald wieder vom Kies befreit.
Die ausbreitungsfreudigen Traubenhyazinthen werden bald wieder vom Kies befreit. © Sven Ellger

Als sie am Wochenende gerade beim letzten Feinschliff war, kam zufällig der Vorsitzende ihres Kleingartenvereins vorbei und wies sie freundlich darauf hin, dass der Kies dort nicht bleiben dürfe. Mineralische Mulch-Schichten würden Flächen verdichten und das sei nicht im Sinne eines Kleingartens.

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Enttäuscht betrachtete Heike Lindner ihr Werk. Davon hatte sie bis dahin noch nie etwas gehört. Allerdings wollte sie auch keinen Ärger fabrizieren und willigte ein, die Steine wieder zu entfernen. Vorher aber machte sie noch ein Foto ihres Kies-Beetes und postete es zusammen mit einigen Verwünschungen in einer Facebook-Gruppe namens "Kleingärten / Schrebergärten in Dresden", die fast 2.000 Mitglieder hat.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Dutzende kommentierten den Beitrag. Für Facebook-Verhältnisse halbwegs freundlich aber doch verständnislos fragten sie, ob das denn ihr Ernst sei und wie man auf so eine Idee kommen könne. Einer postete ein Foto von einem Stein, auf dem zu lesen ist: "Hier ruht Biene Maja. Verhungert, weil man Steine nicht essen kann."

"Sollen sie doch meckern"

Selbst beteiligte sich Heike Lindner nicht an der Diskussion. "Was andere denken, ist mir völlig egal", sagt sie. "Sollen sie doch meckern." Als eine junge Frau aus der Neustadt sie anschrieb, ob sie sich den Kies abholen könne, willigte sie spontan für einen Zehner ein. Einen letzten kleinen Teil bekam ihre Schwägerin. Dann löschte sie ihren Beitrag. Die Traubenhyazinthen will sie nun mit Rindenmulch stoppen.

Erik Schütze, der Chef der Anlage, ist froh über so viel Einsicht. "Wir hatten das Problem zuletzt in vier unserer Gärten", sagt er. In einer Parzelle, die komplett mit Split zugeschüttet war, habe der Pächter inzwischen glücklicherweise gekündigt. "Die anderen müssen wir noch über den Missstand informieren."

Konkret ist zwar weder im Bundeskleingartengesetz noch in der sächsischen Rahmenkleingartenordnung oder der Kleingarten-Rahmenordnung der Landeshauptstadt Dresden von einem Verbot von Zierkies die Rede. Allerdings heißt es in Punkt 2.2 der sächsischen Ordnung nach Ausführungen über die minimale Anbaufläche. "Die verbleibende unbebaute Fläche ist ebenfalls mit Pflanzen zu begrünen, aber so, dass die kleingärtnerische Nutzung nicht beeinträchtigt wird. Die Bewirtschaftung des KG hat nach ökologisch nachhaltigen Gesichtspunkten zu erfolgen."

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Als Umweltsünderin will sich Heike Lindner nicht verstanden wissen. "Bei mir blüht es überall, ich füttere im Winter die Vögel und habe drei Insektenhotels, in denen gerade schon wieder mächtig was los ist."

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