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Cannabis soll in Dresden legal verkauft werden

Ein Stadtratsantrag fordert das Ende der Kriminalisierung von Cannabis in Dresden. Wie das konkret aussehen soll und welche Erfolgsaussichten der Antrag hat.

In Dresden wird über Cannabis diskutiert.
In Dresden wird über Cannabis diskutiert. © Archiv/Torsten Leukert/dpa

Dresden. Cannabis kaufen ganz legal in einer Dresdner Apotheke? Geht es nach einem Antrag der Dissidenten-Fraktion im Stadtrat, könnte das bald Realität in der Stadt werden. Denn Dresden soll ein Modellprojekt zur legalen Abgabe der Substanz starten. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Wie soll das Modellprojekt konkret aussehen?

Laut Antrag soll Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) in Zusammenarbeit mit Akteuren aus der Suchtprävention, der TU Dresden und der Polizei ein Modellprojekt zur „verantwortungsvollen“ Abgabe von Cannabis konzipieren und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zur Abstimmung vorlegen. Aktuell werden auch in Hessen und Thüringen solche Modellprojekte diskutiert.

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"Durch das derzeitige Rechtssystem werden Menschen stigmatisiert und kriminelle Karrieren erst befördert", erklärt Dissidenten-Fraktionschef Martin Schulte-Wissermann. Es gebe bessere Möglichkeiten in der Drogenpolitik, als vor allem auf Repression zu setzen. "Dazu gehört, zu lernen, mit einem verantwortungsvollen Drogenkonsum umzugehen, Konsumenten und Suchtkranken unter Fürsorgeaspekten zu helfen und einen tatsächlich wirksamen Kinder- und Jugendschutz möglich zu machen."

Die Dissidenten schlagen vor, Cannabis in Apotheken oder sogenannten Cannabis Social Clubs zu verkaufen, um die Konsumenten auch vor gestrecktem und damit noch gefährlicheren Stoff zu schützen. Der Antrag soll zwingend auch im Seniorenbeirat behandelt werden, da Schulte-Wissermann auch den medizinischen Aspekt des Cannabis-Konsums diskutieren will. "Die aktuelle Drogenpolitik treibt die Menschen in die Illegalität", so Dissidenten-Stadtrat Max Aschenbach.

Hört man sich bei Dresdner Straßensozialarbeitern um, die mit suchtkranken Menschen arbeiten, bestätigen diese die Annahme. Konsumenten hätten eine große Scham, sich den Sozialarbeitern anzuvertrauen, würden von Alkoholkonsum viel schneller erzählen als von illegalen Substanzen. Das mache die Arbeit und das Erreichen der Betroffenen nicht einfacher, manche von ihnen würden aus Scham die Beratungsangebote dann nicht mehr wahrnehmen.

Wie viele Menschen in Dresden konsumieren Cannabis?

Die Zahlen können natürlich nur geschätzt werden. Die Suchtbeauftragte der Stadt Kristin Ferse kann die Zahl der Konsument nur anhand der Beratungsgespräche in den Beratungsstellen schätzen. Die Zahl der tatsächlichen Konsumenten dürfte weit höher liegen. "Im Jahr 2020 gab es 487 Beratungsgespräche in den Suchtberatungsstellen", so Ferse. Für 2021 kann sie noch keine Zahlen nennen.

Bei den illegalen Substanzen nahm Cannabis 2020 nach Crystal mit 44 Prozent Beratungsanteil den zweiten Platz ein. Cannabis sei oft eine "Einsteigerdroge", beobachten die Mitarbeiter der Drogenberatungsstellen des Deutschen Roten Kreuzes. "In die Abhängigkeit gerät man dann, wenn man trotz veränderter äußerer Bedingungen wie Beginn der Lehre, Gründung einer Familie oder ein neuer Job den Konsum nicht mehr alleine verändern kann."

Problematisch beim Cannabiskonsum sei vor allem das Risiko, Psychosen auszulösen. Im Durchschnitt seien 80 Prozent der Betroffenen männlich, 20 Prozent weiblich, so das DRK. Das Durchschnittsalter liege bei 24,2 Jahren.

Wie lautet die Einschätzung der Polizei?

Die Dresdner Polizei zählt eine größere Anzahl an Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis. "Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik weist für das Jahr 2020 1.342 abgeschlossene Fälle aus", so Polizeisprecher Stefan Grohme. Auch die Polizei hat noch keine Daten für das laufende Jahr.

Meist handele es sich um allgemeine Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz wie Drogenbesitz, in rund 200 Fällen um unerlaubten Handel und Schmuggel. Die meisten Straftaten stellte die Polizei mit 174 in der Neustadt fest, gefolgt von der Gegend um den Hauptbahnhof und Großen Garten. Dort wird aber auch am meisten kontrolliert.

Welche Erfolgsaussichten hat der Antrag?

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Der Antrag wird zunächst die Ausschüsse durchlaufen und wahrscheinlich erst nach der Sommerpause im Stadtrat auf der Tagesordnung stehen. Die Debatte dürfte spannend werden. Während SPD-Sozialpolitiker Vincent Drews und Linken-Stadtrat Christopher Colditz die Initiative begrüßen, gibt es von CDU-Fraktionschef Peter Krüger klare Signale Richtung Ablehnung. Grünen-Chefin Agnes Scharnetzky und FDP-Sozialpolitiker Christoph Blödner sind ebenfalls für eine Legalisierung von Cannabis. "In der Fraktion haben wir das aber noch nicht besprochen", sagen beide.

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