merken
PLUS Dresden

Dresden: Kinder von Fremden angesprochen

Zuletzt gab es mehrere Fälle in der Stadt. Was die Polizei und der Kinderschutzbund raten.

Mehrere Kinder wurden von Fremden angesprochen.
Mehrere Kinder wurden von Fremden angesprochen. © Steffen Unger

Dresden. Der Junge ging wie jeden Tag alleine von der Schule nach Hause. Doch diesmal war etwas anders als sonst. Auf dem Heimweg des Kindes aus der 4. Klasse der 16. Grundschule an der Josephinenstraße näherte sich ihm ein unbekannter Mann. Er sprach den Jungen an. Dann versuchte er, den Jungen mit Süßigkeiten in ein Auto zu locken. Der Junge konnte weglaufen, er informierte die Schule. So berichten es die Eltern, die dazu von der Schule informiert worden sind.

Anzeige
Die Leser auf allen Ebenen begeistern
Die Leser auf allen Ebenen begeistern

Alles dreht sich heutzutage um Content und um die beste Art, diesen aufzubereiten und vermarkten zu können. Die HUP GmbH bietet Lösungen.

Derzeit geht die Dresdner Polizei zwei Fällen von Anfang März nach, in denen ein Unbekannter Kinder in Leutewitz aus einem Auto heraus verdächtig angesprochen haben soll. Bisherigen Erkenntnissen zufolge war ein neunjähriger Junge gegen 13 Uhr auf der Warthaer Straße unterwegs, als neben ihm ein schwarzer Seat stoppte. Der Fahrer forderte das Kind auf, einzusteigen und bot ihm gleichzeitig Süßigkeiten an. Der Junge lehnte ab und lief davon. Offenbar hat der Fahrer wenig später einen weiteren Jungen angesprochen. Auch der Achtjährige rannte davon. Vor dem Hintergrund der beiden Vorfälle will die Dresdner Polizei die Streifentätigkeit in dem Bereich verstärken. Der Autofahrer wurde als etwa 30- bis 40-jähriger Mann beschrieben. Er hatte kurze schwarze Haare, sprach Deutsch und trug einen weißen Pullover.

Wie viele Fälle gibt es?

Im Jahr 2021 registrierte die Dresdner Polizei bislang 14 Fälle von verdächtigem Ansprechen von Kindern. "Die Fälle verteilen sich auf das gesamte Stadtgebiet. Eine Zuordnung zu einzelnen Schulen liegt nicht vor und entspricht auch nicht der Spezifik der Fälle", so Polizeisprecher Marko Laske auf SZ-Anfrage. Im Jahr 2020 wurden der Polizei insgesamt 40 Fälle gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein, da längst nicht alle Fälle angezeigt werden.

Wie schwer ist es die Täter zu finden?

Was wissen wir über die Täter? "Hierzu kann ich keine Angaben machen", so Laske. Die Polizei gehe jedem Hinweis von verdächtigem Ansprechen nach. Entsprechende Umfeldermittlungen und mehr Polizeipräsenz in dem entsprechenden Gebiet seien dann die Regel.

Wie können Eltern ihre Kinder schützen?

"Eltern sollten mit ihren Kindern über die Problematik auf jeden Fall offen sprechen. Wichtig ist es, die Kinder für dieses Thema zu sensibilisieren und ihnen Verhaltensweisen in der Situation an die Hand geben", so Polizeisprecher Laske. Dabei sollten Kinder grundsätzlich nicht auf das Ansprechen reagieren und schnell weglaufen. Sie könnten auch andere Passanten gezielt um Hilfe bitten oder laut "Hilfe" rufen, so der Rat der Polizei. Gleichzeitig sei es wichtig, so schnell wie möglich die Beamten zu alarmieren. "Nur so haben wir die Möglichkeit, sofort zu reagieren und nach dem Tatverdächtigen vor Ort zu suchen", betont Laske. Um den Kindern eine grundlegende Sicherheit auf dem Schulweg zu geben, sei es ratsam, diesen mit den Kindern in Abständen abzulaufen. Ein gemeinsamer Weg zur Schule mit der Schwester, dem Bruder, der Freundin oder dem Freund sei ebenfalls eine gute Sache.

Die Eltern sollten Ruhe bewahren, auch wenn das schwer fällt, rät Heike Mann, Leiterin der AWO Fachstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche „Shukura“. Und wichtig sei es, den Kindern zuzuhören. "Kinder, die von versuchten Kontaktaufnahmen berichten, loben und ihnen danken, dass sie davon berichtet haben. Ihnen Rückversicherung geben, dass sie alles richtig gemacht haben", so Mann. Die Kinder sollten nach ihren Gefühlen gefragt und es sollte ihnen Unterstützung und Gesprächsbereitschaft angeboten werden. "Falls die Kinder auf die Kontaktaufnahmen eingegangen sind: Ruhe bewahren! Kinder nicht bedrängen oder ausschimpfen, weil sie sonst Angst bekommen und verstummen könnten, stattdessen zuhören und trösten", rät Mann. Nicht das Kind habe fehlerhaft gehandelt, sondern der Täter. Wichtig sei zu betonen, dass das Kind keine Schuld hat.

Die wichtigsten Präventionsbotschaften, die Kinder und Eltern verinnerlicht haben sollten seien „Nein heißt nein“, „Dein Körper gehört dir“, „Niemand darf dir wehtun“ und „Du darfst jederzeit Stopp und Nein und Das will ich nicht sagen“, das betont Olaf Boye vom Kinderschutzbund Sachsen. Dies könne über Projekte, über Kinderbücher, kleine Theaterstücke oder Gespräche nähergebracht werden. "Kinder brauchen ihre Rechte tagtäglich vor Augen, damit sie für sie bewusst werden", betont er. Deswegen seien kindgerechte Piktogramme, Erklärungen und wenig schriftorientierte Kinderrechteplakat als Aushänge so wichtig.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden