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"Wir brauchen dringend mehr Kita-Personal"

Dresdens Bildungsbürgermeister machte Praktikum in einer Kita. Damit die Kitas in einer vierten Welle nicht schließen müssen, sei nun Personal nötig, sagen diese.

Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) half am Mittwoch in einer Dresdner Kita aus und zeigte sich beeindruckt von der Leistung der Erzieher.
Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) half am Mittwoch in einer Dresdner Kita aus und zeigte sich beeindruckt von der Leistung der Erzieher. © René Meinig

Dresden. Ein Kind weint, das andere will malen und ein drittes muss mal dringend auf die Toilette: Der Alltag einer Erzieherin oder eines Erziehers ist vor allem viel Organisation und Multitasking. Am Mittwoch wollte sich Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) selbst ein Bild davon machen, wie anspruchsvoll so ein Tag für eine pädagogische Fachkraft ist. Der Politiker absolvierte ein Praktikum in der Kita des Trägers Outlaw auf der Rehefelder Straße in Pieschen.

"Ich habe heute früh um 7 Uhr angefangen und habe schon mit den Kindern ausgemalt, vorgelesen und Sport gemacht, ich bin beeindruckt, was die Erzieher hier alles leisten", sagte er. Bis 17 Uhr wollte er bleiben. Eine besondere Herausforderung: "die Kinder nach dem Malen wieder sauber zu bekommen", sagte der Vater von zwei erwachsenen Kindern.

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Donhauser will sich jetzt das System Betreuungsschlüssel, also für wie viele Kinder ein Erzieher rein rechnerisch zuständig ist, anschauen. "Wir müssen stärker den Urlaub und die Kranktage mit reinrechnen und auch mal gucken, wie das andere Bundesländer machen", so Donhauser. Wichtig sei ihm auch eine gute Vorbereitung auf die Schule und dafür brauche es Förderung in der Kita.

Wie viele Erzieher betreuen wie viele Kinder?

Laut Sächsischem Kitagesetz liegt der Betreuungsschlüssel im Freistaat bei eins zu fünf in der Kinderkrippe bei den unter Dreijährigen. Das heißt, eine vollbeschäftigte pädagogische Fachkraft ist für fünf Kinder zuständig. Im Kindergarten liegt der Schlüssel bei eins zu zwölf. In Berlin liegt er bei eins zu vier in der Krippe und eins zu neun in der Kita.

Laut Bildungsbürgermeister Donhauser werden aktuell rund 25.900 Kinder in kommunalen Kitas betreut, davon 14.400 in Horten sowie 11.500 in Kinderkrippen und -gärten. Im Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen sind derzeit rund 4.000 pädagogische Fachkräfte beschäftigt.

Wie oft kann der Betreuungsschlüssel nicht eingehalten werden?

Mehr Personal für die Kitas: Mit dieser Forderung wandte sich der Träger Outlaw an das Staatsministerium für Kultus und schickte am Freitag ein Schreiben direkt an Kultusminister Christian Piwarz (CDU). "Ganz konkret geht es um dringend benötigtes zusätzliches Personal in den Einrichtungen der Kindertagesbetreuungen, um die Qualität der pädagogischen Arbeit, Betreuungssicherheit, Schutzmaßnahmen hinsichtlich des Pandemiegeschehens und Chancengleichheit für alle Kinder möglich zu machen."

Der Träger sorgt sich, dass es im Winterhalbjahr eine vierte Pandemiewelle geben wird. "Wir müssen jetzt sicherstellen, dass der Betrieb der Einrichtungen der Kindertagesbetreuung durch zusätzlich bereitzustellendes Personal aufrechterhalten wird." Die Ziele seien klar: die Verhinderung einer erneuten Schließung der Kitas sowie Einschränkungen der Öffnungszeiten oder Teilschließungen aufgrund von ausgefallenem und überlastetem Personal.

Was wünscht sich die besuchte Kita konkret?

Katja Hillenbrandt, Leiterin der Kita Rehefelder Straße, in welcher der Bildungsbürgermeister sein Praktikum machte, würde sich, wenn sie einen Wunsch frei hätte, andere Bedingungen wünschen. "Ein Schlüssel von eins zu vier in der Krippe und eins zu zehn in der Kita wäre toll", sagt die 44-Jährige. Sie wünscht sich, dass sie und ihre 20 Kollegen für alle Kinder die besten Bedingungen schaffen könnten und kein Wandertag oder Malangebot mehr wegen Krankheit oder Urlaub ausfallen müsste.

Manche Kinder bräuchten einfach ein wenig mehr Zuwendung als andere und dafür müsste dringend Zeit eingeplant werden. "Aktuell mit dem geltenden Betreuungsschlüssel geht das nur mit viel Engagement der Kollegen, aber wir müssen schauen, dass niemand zu sehr überlastet wird", so Hillenbrandt.

Grundsätzlich werde in allen kommunalen Kitas in Dresden der gesetzlich vorgeschriebene Personalschlüssel eingehalten, betont das Rathaus auf SZ-Anfrage. Die Betreuung der Kinder sei auch bei einer Häufung von Krankmeldungen oder in der Urlaubszeit gewährleistet. "Personelle Ausfälle im Eigenbetrieb Kita werden generell durch verschiedene Maßnahmen kompensiert, etwa durch Umgestaltung von Dienstplänen, Abruf zusätzlicher Arbeitszeit oder Umsetzungen von pädagogischen Fachkräften in andere Einrichtungen oder Neueinstellungen", so Donhauser. Es gibt aber aktuell auch 100 pädagogische Fach- und Führungskräfte, die langzeitkrank sind, und vier offene Stellen, so das Rathaus.

Die Johanniter betreiben zwei Kitas in Dresden mit rund 200 Kindern und 24 festangestellten Erziehern. "Wir sind immer bemüht, den Betreuungsschlüssel einzuhalten, damit es keine Auswirkungen auf die Betreuung der Kinder hat. Das geschieht durch Mehrstunden und Aushilfspersonal. Die Kitas unterstützen sich hier ab und an auch gegenseitig", beteuert Sprecher Danilo Schulz.

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