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Dresdner Kleingartenverein kämpft um Zugang

Wegen eines Neubaus in Trachau soll der Dresdner Kleingartenverein "Am Schützenhof" sein Wegerecht verlieren. Beim Streit geht es um jeden Zentimeter.

Frank Volland vom Kleingartenverein "Am Schützenhof“ in Dresden-Trachau will verhindern, dass den Gärtnern der Zugang gekappt wird.
Frank Volland vom Kleingartenverein "Am Schützenhof“ in Dresden-Trachau will verhindern, dass den Gärtnern der Zugang gekappt wird. © Sven Ellger

Dresden. Mit großen Schritten über die matschige Wiese läuft Frank Volland den Weg ab, der für seinen Verein über Fluch oder Segen entscheiden soll. Direkt vor dem Zaun des Kindergartens führt die bislang imaginäre Zufahrt etwa 30 Meter weit bis zum Vereinshaus der Kleingartensparte am "Am Schützenhof".

Das Problem: Das bislang unbebaute Grundstück, das an der einen Seite an den Kindergarten und an der anderen an das Vereinsgelände grenzt, gehört der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft WID, die hier ein Mehrfamilienhaus mit 14 Wohneinheiten errichten möchte.

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Ein Zugang zu dem etwa zwei Meter breiten Tor des Kleingartenvereins ist dabei nicht vorgesehen, wobei ein Teil des Zauns sowieso auf WID-Gelände steht und versetzt werden müsste.

Frank Volland schäumt vor Wut. "Dieser Zugang existiert seit 1929 und hat zwei Diktaturen überlebt", sagt der 55-Jährige, der den Verein seit vier Jahren leitet. Als das Vereinshaus 1962 errichtet worden sei, habe in der Nachbarschaft noch ein Garagenkomplex gestanden, durch den die Zufahrt problemlos möglich gewesen sei. Seit dem Bau der Kita "Schützenhofstraße 103" vor acht Jahren war immerhin noch der fußläufige Zugang zum Tor möglich. Beliefert wurde das Vereinshaus seitdem aufwändig von der Straße aus.

Auf dem kleinen Baugrundstück an der Ecke Carl-Zeiß-Straße und Dopplerstraße soll ein Wohngebäude mit 14 Miteinheiten entstehen.
Auf dem kleinen Baugrundstück an der Ecke Carl-Zeiß-Straße und Dopplerstraße soll ein Wohngebäude mit 14 Miteinheiten entstehen. © Sven Ellger

Dass das vergleichsweise kleine Grundstück nun überhaupt behaut werden soll, hält Volland schon wegen der angespannten Parkplatzsituation für "Irrsinn", auch wenn er die Bedeutung des sozialen Wohnungsbau anerkenne.

In den Händen hält er zwei Baupläne für das Gelände. Im Original-Entwurf der WID sind unmittelbar vor dem bisherigen Vereins-Tor vier Platzplätze eingezeichnet, von denen zwei für Carsharing-Nutzer reserviert sind.

Erreicht werden sollen diese vier Parkplätze über jene Zufahrt, die auch Volland und die anderen Gärtner künftig gern nutzen würden. "Dafür müssten die Parkplätze lediglich um 90 Grad gedreht und unser Tor zur Seite gesetzt werden", sagt Volland und tippt mit dem Finger auf seinen leicht modifizierten Entwurf. "Nur leider will dort niemand nochmal den Stift in die Hand nehmen."

Zur Wahrheit gehört auch: Mit dem Wegfall des Tors an der Kita wird der Kleingartenverein mit seinen 78 Parzellen nicht gänzlich von der Außenwelt abgeschnitten. Auch von der Trobischstraße aus, eher ein Weg, gibt es einen Zugang, der nicht in Gefahr ist. Bis zum Vereinshaus ist es von dort allerdings weit. "Ein Betrieb des Gebäudes wird dann kaum noch möglich sein", sagt Volland, der im Mai vergangenen Jahres schon bei Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) vorsprach.

Kompromiss ist weit entfernt

Um die Lage zu diskutieren, gab es vor zwei Wochen einen Vor-Ort-Termin mit Vertretern der WID, der jedoch keine Fortschritte brachte. Ein Kompromiss ist in weiter Ferne, wie ein Schreiben der Wohnungsgesellschaft aus dem Februar beweist. Darin steht unmissverständlich: "Nach Rücksprache mit unserer Geschäftsleitung teilen wir Ihnen mit, dass eine Zuwegung jeglicher Art über das Grundstück der WID zum Vereinsheim und der Gartensparte nicht gestattet wird." Weiter heißt es in dem Brief: "Die Nutzung des Vereinsheims wird ohnehin schon Beeinträchtigungen (insbesondere Lärm) für unsere Mieter mit sich bringen."

Den Wasseranschluss für das Vereinsheim, dessen Leitung unter dem WID-Grundstück hindurchführt, solle der Verein bis spätestens Mitte März bei der Drewag kündigen.

Frank Volland machen diese Aussagen fassungslos. "Das Vereinshaus ist ein Mittelpunkt des sozialen Lebens für das ganze Wohngebiet", sagt er. Auch die Mieter des neuen Hauses könnten davon profitieren.

Stattdessen stellen sich nun auch die Gärtner stur und drohen mit dem Anwalt, falls sich jemand an ihrem Tor oder der Wasserleitung vergreife. In einem gepfefferten Antwortschreiben nennt Volland die Planungen der WID "selbstsüchtig, rücksichtslos und intolerant."

WID will jeden Zentimeter nutzen

Diese Anschuldigungen will WID-Sprecherin Claudia Herzog nicht so stehen lassen. Es habe die Herausforderung bestanden, das kleine Grundstück "so optimal wie möglich auszunutzen, um ein der Umgebung entsprechendes und gleichzeitig noch wirtschaftliches Bauvorhaben zu erreichen", schreibt sie auf SZ-Anfrage. Der bisherige, lediglich geduldete Zugang für die Gärtner sei mit der der künftigen Nutzung als Wohngrundstück nicht mehr vereinbar.

Beim Stadtverband "Dresdner Gartenfreunde" ist man mit den Entwicklungen alles andere als glücklich. Jahrelang habe man vergeblich darum gekämpft, dass den Vereinen in Fällen wie diesen ein dauerhaftes Wegerecht zugestanden werde, das im Grundbuch vermerkt werden sollte, sagt der Vorsitzende Frank Hoffmann. "Statt von vornherein eine einvernehmliche Lösung abzulehnen, sollte man über Lösungswege im Interesse aller nachdenken."

"Wir wollen dasselbe Recht"

Immer wieder schaut Frank Volland auf den Bauplan und die Zufahrt zu den Stellplätzen, die seiner Ansicht nach so einfach zu realisieren wäre. "Die Carsharing-Nutzer sind doch auch keine Mieter des Hauses. Warum dürfen die hier reinfahren und wir nicht?", fragt er. "Wir wollen doch nur dasselbe Recht haben. Warum werden die Kleingärtner benachteiligt?"

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Wenn das Gebäude und die Außenanlagen erst einmal wie geplant errichtet worden seien, dann sei der Kleingartenverein "Am Schützenhof" für alle Zeiten eingebaut. "Wir binden dem Verein hier eine Kugel ans Bein, die er nicht wieder los wird."

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