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Wie Dresden das Klima schützen will

Die Stadt Dresden hat seit Jahren die angestrebten Klimaziele nicht erreicht. Jetzt soll ein neues Konzept helfen. Was geplant ist.

Seit zwei Jahren geht Fridays for Future in Dresden auf die Straße. Nun will die Stadt vor 2050 klimaneutral sein.
Seit zwei Jahren geht Fridays for Future in Dresden auf die Straße. Nun will die Stadt vor 2050 klimaneutral sein. © xcitepress

Dresden. Flutartiger Starkregen und lange Hitzesommer: Das Klima ändert sich - auch in Dresden. Bis 2100 könnte die Durchschnittstemperatur in Dresden um 3 Grad Celsius gestiegen sein, prognostiziert der Klimaschutzstab Dresden. Um dagegen vorzugehen, will die Stadt ihr Energie- und Klimaschutzkonzept überarbeiten. Sie setzt hier auf die Mitwirkung vieler Dresdner und Dresdnerinnen.

Was hat die Stadt bisher für den Klimaschutz getan?

Bereits 1994 hat sich die Stadt Dresden im Rahmen des Klimabündnisses verpflichtet, die CO2-Emissionen bis 2030 zu halbieren. Das heißt, alle fünf Jahre sollen 10 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen werden. Im Klimaschutzkonzept 2013 wurde dieses Ziel konkretisiert. Unter dem Motto "Energie fürs Klima – Dresden schaltet" sollte Klimaschutz in Dresden zur Realität werden. Doch getan hat sich bisher wenig.

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Seit 2005 hat sich die Kurve der Treibhausgasemissionen in Dresden nicht nach unten bewegt. Bei der letzten Bilanzierung im Jahr 2016 wurden trotz Klimakonzept 9,9 Tonnen anstelle der angestrebten 7,8 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Person verursacht. Deshalb hat der Stadtrat am 30. Januar 2020 beschlossen, die Klimaziele zu überarbeiten.

Warum wurden die Klimaziele nicht erreicht?

"Die Ziele wurden verfehlt, weil ein Großteil der Maßnahmen nicht umgesetzt wurde", sagt Ina Helzig, Leiterin des Klimaschutzstabes. "Das Konzept wurde nicht von "breiten Schultern getragen." Deshalb setzt die Stadt Dresden nun auf eine umfassende Beteiligung. "Die Klimakrise ist nur dann zu bewältigen, wenn alle Akteure an einem Strang ziehen."

Was will die Stadt Dresden nun ändern?

Das neue Ziel hat die Messlatte hoch gesteckt: ein klimaneutrales Dresden deutlich vor 2050. "Dafür müssen wir die bereits beschlossenen Maßnahmen schneller umsetzen und mehr Maßnahmen auf den Weg bringen", sagt Ina Helzig vom Klimaschutzstab.

Ob im Verkehr, in der Energiegewinnung oder beim Wohnen - das Klima kann in vielen Bereichen geschützt werden. Die Stadt will sie alle angehen: klimaschonender Verkehr, erneuerbare Energien in der Stadt, energetische Sanierung der Bestandsgebäude. Auch das nachhaltige Alltagsverhalten der Dresdner will die Stadt fördern. Wie das aussehen soll, wird innerhalb des nächsten Jahres in einem Gremium erarbeitet.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Dresdner Klimaschutz?

Das Integrierte Klimaschutzkonzept soll bis Sommer 2022 fertiggestellt und anschließend dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt werden. Bis dahin sind zahlreiche Beteiligungsformate vorgesehen, denn Klimaschutz birgt viele Konfliktpotenziale. Neben einem Bürgerforum sollen jedes Quartal ein wissenschaftlicher Beirat sowie ein Runder Tisch zusammenkommen und die Erarbeitung begleiten.

Der wissenschaftliche Beirat besteht aus neun Experten, sie bringen ihre wissenschaftliche Sicht aus den Bereichen Energie, Verkehr, Klimaschutz, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ein.

Der Runde Tisch bringt verschiedene Akteure in Dresden zusammen, es nehmen Vertreter aus dem Stadtrat, der Stadtverwaltung, der Wirtschaft, der städtischen Beteiligungsgesellschaften sowie von Verbänden teil. Die Ergebnisse der jeweiligen Gremien werden nach den Treffen veröffentlicht.

Welche Möglichkeiten gibt es, sich mit eigenen Ideen einzubringen?

Auch Bürgerinnen und Bürger bekommen die Chance sich am Klimaschutzkonzept zu beteiligen. Im Sommer 2021 wird ein öffentliches Forum organisiert. Darin können die Dresdner ihre Ideen für eine klimaneutrale Stadt vorstellen. Zusätzlich plant die Stadt Werkstätten, um über die Maßnahmen zu diskutieren.

Ina Helzig vom Klimaschutzstab erinnert daran, dass aber schon jetzt jeder einen Beitrag leisten könne: "Öfter mal das Auto stehen lassen und zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sein, regionale Produkte bevorzugen, weniger Fleisch essen, insgesamt das Konsumverhalten überdenken und die Heizung etwas herunterdrehen – jeder kann sein Verhalten für ein Mehr an Klimaschutz verändern."

Louise Hummel-Schröter und Kevin Bauch von Fridays for Future erarbeiten mit der Stadt Dresden das neue Klimaschutzkonzept.
Louise Hummel-Schröter und Kevin Bauch von Fridays for Future erarbeiten mit der Stadt Dresden das neue Klimaschutzkonzept. © Helene Pöhl (FFF)

Was sagen Dresdner Initiativen zum geplanten Klimaschutzkonzept?

Auch lokale Umweltschutz-Initiativen wie Fridays for Future oder der BUND Dresden werden bei der Erarbeitung eingebunden. Kevin Bauch und Louise Hummel-Schröter, die als Vertreter der Dresdner For-Future-Bewegung am Runden Tisch teilnehmen, wollen den Schwerpunkt auf den Wärmesektor setzen.

Beide begrüßen die erklärten Ziele der Stadt. Dennoch kritisieren sie, dass der Begriff der Klimaneutralität nicht eindeutig genug formuliert sei. Sie erwarten darüber hinaus, dass grundlegende Zielkonflikte aufgearbeitet werden. Wichtige Klimaschutzmaßnahmen scheinen kurzfristig nicht rentabel: "Für Wirtschaftlichkeitsvergleiche muss der vom Umweltbundesamt empfohlene Preis von 195 Euro Klimaschaden pro Tonne CO2 angesetzt werden, wenn die Umwelt, das Klima und damit die Lebensgrundlage von uns allen wirklich in den Entscheidungen Berücksichtigung finden soll."

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Im vergangenen Jahr hatte die Dresdner For-Future-Bewegung einen Katalog mit 117 Klimaschutzmaßnahmen in Dresden veröffentlicht. Darin kritisierten sie unter anderem, dass die Bestrebungen hin zu einer nachhaltigen Verkehrswende zu langsam voranschreiten. Der Verkehrssektor trägt neben der Wärmeversorgung maßgeblich zu Dresdens Emissionen bei. Viele der Forderungen sollen am Runden Tisch besprochen werden.

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