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Klinikum Dresden: Weiteres Gutachten gefordert

Dresden plant große Veränderungen bei den städtischen Krankenhäusern. Vielen Stadträten fehlen dafür noch Informationen, aber die Zeit drängt.

Stationäre Versorgung ja oder nein? Fragezeichen gibt es vor allem zur Zukunft des Neustädter Krankenhauses.
Stationäre Versorgung ja oder nein? Fragezeichen gibt es vor allem zur Zukunft des Neustädter Krankenhauses. © Sven Ellger

Dresden. Mit einem Zukunftskonzept soll das Städtische Klinikum Dresden aus den massiven Defiziten geführt und nach den Plänen der Klinikleitung auch für Patienten zum besseren medizinischen Versorger werden.

Doch die Pläne stoßen auf Kritik. Vor allem das Vorhaben, das Krankenhaus Neustadt als Klinikum aufzugeben und nur noch ein Notfallzentrum sowie ambulante Angebote vorzuhalten.

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Vor wenigen Tagen haben die Chefs des Klinikums und Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) den aktuellen Zukunftsplan fürs Klinikum Dresden vorgestellt. Danach soll der Standort Friedrichstadt zum riesigen Campus mit allen zentralen Bereichen werden.

Am Weißen Hirsch ist das Zentrum für Menschen mit psychischen Erkrankungen vorgesehen und das Krankenhaus Dresden-Neustadt in Trachau soll zum Notfallzentrum mit nur noch zehn angeschlossenen Betten werden. Das sind die Pläne, die bis 2035 umgesetzt werden sollen.

Doch eine Chirurgie für Neustadt?

Grünen-Gesundheitsexperte Wolfgang Deppe nennt es ein "sehr ambitioniertes Vorhaben". Dafür werden zwischen 426 und 487 Millionen Euro benötigt. Die Zentren-Strategie sei "richtig und zukunftsweisend", sagt er. "Dennoch lässt das Konzept auch Fragen offen. Die komplette Schließung des Standorts Trachau als Krankenhaus für die stationäre Patientenversorgung bis auf eine feigenblattartige Notfallversorgung mit zehn Betten wird weder im vorgelegten Konzept noch im Gutachten der Beratungsfirma ausreichend begründet."

Zwar sei die medizinische Spezialisierung wichtig, aber es würden viele Krankheiten bleiben, die einer hochspezialisierten Behandlung nicht bedürfen. Deppe nennt beispielsweise eine einfache Lungenentzündung, die medikamentöse Neueinstellung eines Diabetes, die Behandlung einer Blinddarmentzündung, nicht lebensbedrohlicher Knochenbrüche oder Wunden. "Für diese Fälle erscheint der Fortbestand einer internistischen und chirurgischen Grund- oder auch Regelversorgung am Standort Trachau mit 100 bis 150 Betten durchaus möglich."

Deshalb solle ein Zweitgutachten erstellt werden, um zu klären, wie sich die Aufrechterhaltung einer internistisch-chirurgischen Grundversorgung am Standort Trachau im Verhältnis zur jetzt präsentierten Vorzugsvariante darstellt. "Sicher notwendige bauliche Sanierungen in Trachau werden aufgewogen durch dann wegfallende Neubauten in Friedrichstadt." Zudem solle geprüft werden, ob ein Zentrum für Kinderheilkunde und Geburtsmedizin dort angesiedelt werden kann. Deppe fordert außerdem klarere Aussagen zu möglichen Fördergeldern.

Was passiert bei einem Hochwasser?

Noch weiter geht die SPD. "Wir stimmen dem zu, wollen zusätzlich aber untersucht haben, wie sich die Umstrukturierungen auf das Personal auswirken, also ob und wie viele Stellen womöglich abgebaut werden", so SPD-Stadtrat Vincent Drews. Auch die Versorgung der Bürger auf der rechtselbischen Seite Dresdens müsse betrachtet werden. "Was ist der Notfall-Plan, beispielsweise wenn bei einem Hochwasser die Brücken gesperrt sind? Wie lange dauern reguläre Fahrten von Neustadt nach Friedrichstadt? Gibt es wegen Corona andere Voraussetzungen auf Fördermittel von Bund und Land?"

Auch die Idee, in Trachau ein kulturelles Stadtteilzentrum einzurichten, sei bisher nur geäußert worden, kritisiert Drews. "Wir brauchen dann schon genaue Aussagen, welche Kosten auf die Stadt zukommen." Dass Bürgermeisterin Kaufmann und Klinik-Direktor Marcus Polle drängen, schnell zu entscheiden, lasse er nicht gelten. "Die Vorzugsvariante ist so einschneidend, dass wir uns die Zeit für eine fundierte Entscheidung nehmen sollten."

FPD: "Wir sollten jetzt entscheiden"

Auch Linke-Stadtrat Jens Matthis hält die medizinische Zentrenbildung für sinnvoll. Es sei unstreitig, dass "in den nächsten 15 Jahren massiv in zeitgemäße Krankenhausbauten investiert werden muss". Man dürfe als Stadtrat aber die "Visualisierungen von Konzepten" nicht mit der "zu erwartenden Realität" verwechseln.

"Für die dem Konzept zu Grunde gelegten 285 Millionen Euro Bundes-und Landesfördermittel gibt es auf absehbare Zeit keinerlei reale Grundlage. Pro Jahr stehen im Landeshaushalt derzeit 45 Millionen Euro Förderung für ganz Sachsen zur Verfügung", so Matthis. "Es wäre daher mehr als leichtfertig, das real vorhandene, traditionsreiche und leistungsfähige Krankenhaus Dresden-Neustadt in Trachau mit über 350 Betten für Luftschlösser in Dresden-Friedrichstadt zur Disposition zu stellen."

Es gebe keine Notwendigkeit für weitere Gutachten, sagt dagegen FDP-Stadtrat Christoph Blödner. "Es gibt bereits viele Gutachten dazu, wir sollten jetzt entscheiden. Es ist schon viel zu lange zu wenig passiert."

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