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Kosmetikerin mit Abitur: "Mein eigener Weg"

Trotz Corona steht Emilia Mauer vor dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung. Warum sich die Dresdnerin bewusst gegen ein Studium entschieden hat.

Emilia Mauer will kommende Woche ihre Ausbildung zur Kosmetikerin abschließen. Ihre Entscheidung hat sie nie bereut.
Emilia Mauer will kommende Woche ihre Ausbildung zur Kosmetikerin abschließen. Ihre Entscheidung hat sie nie bereut. © Marion Doering

Dresden. Es gibt schlechtere Aussichten während einer Fußpflege. Vom gemütlichen Behandlungsstuhl aus geht der Blick durch das Fenster genau auf die Frauenkirche und den Neumarkt. Erst im vergangenen Jahr ist Monique Pfenniger mit ihrem Institut Monique Cosmetique von der Leipziger Straße hierhergezogen.

180 Quadratmeter, helle Räume, flauschige Teppiche und die modernsten Geräte. Selbstständig gemacht hat sie sich bereits 2013. Inzwischen beschäftigt sie zwei Mitarbeiterinnen.

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Eine davon ist noch Auszubildende, ihre erste überhaupt. „Ich freue mich sehr, dass Emilia sich entschieden hat, bei uns zu bleiben“, sagt die Chefin, die ihren Schützling sogleich unbefristet anstellen wird.

Die theoretische Prüfung hat Emilia Mauer bereits bestanden. Kommende Woche folgt nun noch der praktische Teil. „Ich bin total nervös und habe große Prüfungsangst“, sagt die 22-Jährige. Eines aber weiß sie genau: Dass sie vor drei Jahren die richtige Entscheidung getroffen hat.

Kosmetikerin Monique Pfenniger (r.) freut sich, dass sie auch künftig auf ihren Schützling zählen kann.
Kosmetikerin Monique Pfenniger (r.) freut sich, dass sie auch künftig auf ihren Schützling zählen kann. © Marion Doering

Damals, nach dem Abitur, schien für die meisten ihrer Mitschüler klar zu sein, dass nur ein Studium infrage kommt. „Meine Freundinnen haben BWL gewählt, eine auch Medizin“, sagt Emilia. Ihr Freund studiert Wirtschaftsingenieurwesen. Auch sie schaute sich den einen oder anderen Studiengang an, fand aber nichts Passendes für sich.

Als sie sich für die Ausbildung zur Kosmetikerin entscheidet, erntet sie in ihrem Umfeld zunächst entsetzte Reaktionen. „Da gab es erst einmal Ärger mit meinen Eltern und meinen Brüdern“, erinnert sie sich. Auch die waren der Ansicht, dass es ein Studium sein müsse. „Aber das war mein eigener Weg. Inzwischen sind sie auch super stolz auf mich.“

„Es ist wirklich schade zu sehen, dass eine Ausbildung heute im Ansehen nichts mehr wert ist“, sagt Monique Pfenniger, die selbst nie studiert hat.

"Sichere Perspektive"

Auch Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, betont: "Im Handwerk mit seinen über 130 Ausbildungsberufen bieten sich Jugendlichen attraktive Karrieremöglichkeiten und sichere Perspektiven. Eine Ausbildung ist gerade in Corona-Zeiten eine Alternative zum Online-Studium im Homeoffice."

Emilia entschied sich für die private Berufsschule IBB auf der Könneritzstraße und suchte sich zunächst einen Betrieb in einem Hotel in ihrer Heimatstadt Kamenz, wo sie jedoch nicht zufrieden war. Auf der Suche nach einer Alternative stieß sie in Dresden auf Monique Cosmetique. Schon nach dem ersten Bewerbungsgespräch sei beiden Seiten klar gewesen: Das wird was! Zunächst pendelte die Auszubildende jeden Tag nach Kamenz. Bei der Wohnungssuche in Dresden unterstützte sie die Chefin persönlich.

Auch die siebenmonatige Corona-Zwangspause brachte das Team nicht aus der Ruhe. Emilia nahm virtuell am Unterricht teil und behandelte sich mit ihren Kolleginnen gegenseitig, um nicht ganz aus der Übung zu kommen. Seit Mai kümmert sie sich wieder um echte Kunden.

Eigenes Behandlungszimmer

Inzwischen hat Emilia im Institut Monique ihr eigenes Behandlungszimmer, in dem sie bis auf Weiteres ausschließlich mit Mundschutz und Handschuhen arbeitet. Spezialisiert hat sie sich unter anderem auf Permanent-Make-up für Augenbrauen. Aber auch medizinische Behandlungen wie Ultraschall und Microneedling bietet sie an. „Das gehört eigentlich gar nicht zur Ausbildung, aber sonst hätte Emilia sich womöglich gelangweilt“, sagt Monique Pfenniger und lächelt.

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Nach ihrem Abschluss wird Emilia zunächst 30 Stunden pro Woche arbeiten. Schließlich hat sie auch privat einiges nachzuholen: Besuche im Fitnessstudio und bei den Eltern in Kamenz, Treffen mit Freunden – und natürlich feiern gehen. Ihren Abschluss zum Beispiel.

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