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Wo geschehen die meisten Straftaten in Dresden?

Morde, Autodiebstähle, Wohnungseinbrüche: Täglich werden in Dresden Straftaten begangen. Wie oft, wo und welche - das ist der neue Krimi-Atlas.

Am Dresdner Kulturpalast werden im Sommer 2020 zwei Männer niedergestochen, einer von ihnen stirbt.
Am Dresdner Kulturpalast werden im Sommer 2020 zwei Männer niedergestochen, einer von ihnen stirbt. © Roland Halkasch

Dresden. Die Dunkelheit liegt über der Dresdner Heide. Junge Menschen sind in der Nähe des Nordfriedhofs zu einer illegalen Techno-Party zusammengekommen und feiern ausgelassen. Mit dabei ist ein heute 17-Jähriger. Er zieht in jener August-Nacht 2020 ein Kampfmesser mit einer 19 Zentimeter langen Klinge und sticht zwei Partygästen von hinten in den Rücken. Ärzte können ihr Leben nur mit einer Not-OP retten.

Der alkoholisierte Täter hat offenbar aus Frust gehandelt, sagen die Richter später. Er sei mit seiner Lebenssituation unzufrieden gewesen. Knapp ein Jahr nach seiner Tat wird er wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der Messerangriff ist nur einer von insgesamt 40 Fällen in Dresden, in denen Menschen im vergangenen Jahr das Leben anderer beendeten oder beenden wollten – vorsätzlich, fahrlässig oder auf Verlangen des Opfers.

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Das Sächsische Innenministerium hat auf Anfrage der AfD im Landtag alle erfassten Straftaten aufgeschlüsselt und den vier Dresdner Revieren zugeordnet. Das Revier Mitte umfasst den Stadtbezirk Altstadt, mit Ausnahme der Friedrichstadt. Das Revier Nord ist für die Bezirke Neustadt, Klotzsche, Loschwitz sowie die nördlichen Ortschaften zuständig. Zum Revier Süd gehören die Bezirke, Leuben, Prohlis und Plauen. Und im Revier West werden Fälle bearbeitet, die sich in den Bezirken Cotta, Pieschen, im Stadtteil Friedrichstadt sowie in den westlichen Ortschaften ereigneten.

Wo aber passierten die meisten Gewaltdelikte, wo die meisten Diebstähle? Das sind die wichtigsten Erkenntnisse.

Wie häufig werden Menschen in Dresden verletzt oder getötet?

Die Dresdner Polizei hatte es im vergangenen Jahr mit 40 Straftaten gegen das Leben zu tun. Dazu zählen Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung und Tötung auf Verlangen, wozu auch die aktive Sterbehilfe gehört. Die meisten Fälle (17) bearbeitete das Revier West, gefolgt von den Revieren Mitte (9), Süd (7) und Nord (6). Ein Fall ist keinem Revier zugeordnet worden. Hier ließ sich der Tatort nicht zweifelsfrei festmachen.

Zu den aufsehenerregendsten Taten gehörte die fahrlässige Tötung einer Radfahrerin auf der Reicker Straße. Dort – innerorts – erfasste ein Mercedes sie mit rund 100 Kilometern pro Stunde. Der Fahrer wollte an einer Autokolonne vorbeiziehen. Die Frau hatte keine Chance, der damals 18-jährige Raser wurde später zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilt. Insgesamt verzeichnete das Innenministerium im Jahr 2020 mehr Straftaten gegen das Leben als in den Jahren vorher. 2019 gab es 26 solcher Taten, 2018 waren es 16.

Sehr viel häufiger bearbeiten die Dresdner Polizisten Fälle von Körperverletzung. Rund 3.700 gab es davon im vergangenen Jahr. Rein rechnerisch waren das zehn Fälle jeden Tag – zumindest Fälle, von denen die Polizei weiß. Bei den Körperverletzungen sticht abermals das Revier West mit mehr als 1.200 Taten heraus. Das Revier Süd zählte mit 744 Delikten die wenigsten Delikte. Auch hier gibt es eine Differenz zwischen den Taten, die für ganz Dresden gemeldet wurden, und der Summe der Delikte aus allen Revieren. Der Grund: Nicht immer lässt sich der Tatort feststellen, so das Landeskriminalamt.

Ein Beispiel: Ein Fahrgast fährt mit der Straßenbahnlinie 4 quer durch Dresden und stellt fest, dass das Portemonnaie aus der Tasche gestohlen wurde. Wann und wo, weiß er aber nicht. Somit kann der Tatort des Diebstahls keinem Stadtbezirk und somit keinem Revier zugeordnet werden. Das passiert sogar bei Ladendiebstählen, wenn zum Beispiel der Keller eines notorischen Diebs ausgehoben wird, in dem Diebesgut aus anderen Delikten lagert. Bei Körperverletzung passiere es ebenfalls, dass sich Opfer nicht mehr an den genauen Tatort erinnern können. Meist spielt in diesen Fällen Alkohol mit eine Rolle.

Wo verschwinden die meisten Autos?

Viele Jahre gehörte Dresden zu den deutschen Hochburgen des Autodiebstahls. Inzwischen verschwinden weniger Fahrzeuge von den Straßen und Grundstücken. Sind 2015 noch 631 Kraftfahrzeuge gestohlen worden, so waren es laut Kriminalitätsatlas 2020 insgesamt 178. Ein geografischer Schwerpunkt lässt sich nicht ausmachen. Die Zahlen bewegen sich in den vier Revieren zwischen 32 und 46 Delikten.

Ein weitaus größeres Problem ist der sogenannte einfache Ladendiebstahl. Bei diesen Delikten begehen die Täter weder einen Einbruch noch versuchen sie mit der Androhung von Gewalt, an die Gegenstände zu gelangen, die sie möchten. Mehr als 3.700 solcher Fälle gab es 2020. Die meisten passierten dort, wo sich die Geschäfte aneinanderreihen – in der Dresdner Altstadt und in Blasewitz. Knapp die Hälfte aller Ladendiebstähle ereigneten sich hier.

Dasselbe gilt für Taschendiebstähle. Auch hier ist das Gebiet zwischen Tolkewitz und der Inneren Altstadt ein lukratives Pflaster für Täter. 170 Fälle registrierte die Polizei dort, während im Westen der Stadt lediglich 51 solcher Fälle bearbeitet wurden.

Bei den Wohnungseinbrüchen steht der Westen wiederum an erster Stelle. Fast 300-mal drangen Täter im vergangenen Jahr in Häuser ein, um zu stehlen. Sicherer ist es scheinbar in Klotzsche, der Neustadt und Loschwitz: Im Norden wurden rund 160 Taten gezählt.

Wie oft stecken Jugendliche hinter den Taten?

Die Polizei hat sich auch angeschaut, wie alt die Tatverdächtigen waren. Die Mehrheit war 21 Jahre und älter. Es gibt aber ebenfalls Beschuldigte, die noch recht jung waren. So ist 2020 auch 616 Kindern eine Straftat vorgeworfen worden. Dabei handelte es sich unter anderem um Diebstahl. Bei etwa einem Drittel der Delikte bei Unter-14-Jährigen geht es ums Stehlen. Tendenziell hat die Zahl der kindlichen Diebe aber wieder leicht abgenommen.

Das gilt nicht für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren sowie Heranwachsende bis 21 Jahre. Dort hat die Polizei wieder mehr Straftaten registriert.

Wie häufig verüben Ausländer Straftaten?

Nicht in allen Fällen findet die Polizei einen Tatverdächtigen. Wo dies jedoch gelungen ist, haben Beamte die Nationalität der mutmaßlichen Täter zugeordnet. Das Ergebnis: Unter den 16.328 ermittelten Tatverdächtigen befanden sich 11.328 Deutsche. Das entspricht einem Anteil von knapp 70 Prozent. Dahinter folgen Beschuldigte aus Syrien (547), Georgien (346), Tschechien (337), Polen (283), Afghanistan (270), Libyen (257), Tunesien (248) und Russland (234). Der Rest der Verdächtigen teilt sich auf weitere Staatsangehörigkeiten auf.

Zu den häufigsten Delikten deutscher Beschuldigter gehören Betrüge, Diebstähle, Körperverletzung und Rauschgiftvergehen.

Betrachtet man sich die Gruppe der Syrer näher, so wird 97 von den 547 Verdächtigen ein Verstoß gegen das Aufenthalts- oder Asylgesetz vorgeworfen. Zwei sollen eine Straftat gegen das Leben begangen haben. Und 176 Syrer werden eines Rohheitsdeliktes beschuldigt, überwiegend der Körperverletzung. Bei 153 Verdächtigen ging es um Betrug.

Wie steht Dresden im Vergleich mit anderen Städten da?

Verglichen mit Leipzig und Chemnitz ordnet sich Dresden mit insgesamt 48.929 Fällen in der Mitte ein. Jedoch spielt bei solch einem Vergleich auch die Zahl der Menschen eine Rolle, die in der Stadt leben. Deshalb misst die Polizei die Taten stets an der Zahl der Einwohner. Demnach ist Dresden mit 8.788 Delikten bezogen auf 100.000 Einwohner etwas krimineller als Chemnitz, jedoch sicherer als Leipzig.

Schafft es die Polizei, die meisten Taten aufzuklären?

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Mit Stand von Mitte Juli gelten 28.370 der 48.929 Straftaten des letzten Jahres als aufgeklärt. Das sind 58 Prozent. Die höchste Quote können die Beamten bei den Körperverletzungen; Bedrohungen, Nötigungen und Nachstellungen (Stalking); einfachen Ladendiebstählen; Betrugsdelikten sowie Straftaten gegen das Aufenthalts- und Asylgesetz vermelden. Auch bei Rauschgiftdelikten gelingt es in den meisten Fällen, einen Tatverdächtigen zu benennen.

Geringer fällt die Quote bei Autoeinbrüchen, Diebstählen aus Wohnungen, Sachbeschädigungen und Taschendiebstählen aus.

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