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Flucht vor Dresdens Autolärm

Die Hunolds haben Dresden verlassen - des Krachs wegen. In welchen Stadtteilen die Menschen besonders unter dem Verkehrslärm leiden.

Roswitha Hunold ist mit ihrem Mann Sascha und den Töchtern Renate (li) und Freya aus Dresden nach Stolpen gezogen.
Roswitha Hunold ist mit ihrem Mann Sascha und den Töchtern Renate (li) und Freya aus Dresden nach Stolpen gezogen. © Karl-Ludwig Oberthür

Dresden. Quietschende Reifen, bremsende Autos, rumpelnde Straßenbahnen  – diese Dauergeräusche hatte Familie Hunold bis voriges Jahr täglich vor der Haustür.  Schlimmer noch: Durch die nicht richtig schließenden Fenster lebte die vierköpfige Familie auch in der Bühlauer Wohnung an der Kreuzung Bautzner Landstraße/Hegereither Straße mit dem Lärm. 

"Das war einer der Gründe, weshalb wir wegziehen wollten", sagt Roswitha Hunold. Vor allem die Zwillingstöchter der Familie beklagten immer wieder, wie laut es an ihrem Wohnort ist. 

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Rund 16.300 Fahrzeuge kommen täglich an diesem Haus vorbei, darunter 490 Lkw, wie die letzte Zählung der Stadtverwaltung ergeben hat. Der dort gemessene Lärmpegel gehört zu den höchsten in Dresden.

Idyllische Ruhe in Stolpen gefunden

Sicher, Straßenlärm ist in einer Großstadt wie Dresden nichts Ungewöhnliches. Doch die meisten Menschen können die Geräuschkulisse nicht einfach ausblenden.  Das zeigt die Auswertung des Familienkompasses Sachsen, für den rund 2.500 Dresdner befragt wurden. Bühlau und der Weiße Hirsch gehören da noch mit zu den Stadtteilen, die als ruhig gelten. 

Dort sagen „nur“ 43 Prozent, man höre den Verkehrslärm in der Wohnung. Immerhin genauso viele finden, in Wohn- und Schlafzimmer sei es ruhig. Teils, teils, meinen 13 Prozent.

Die Spaltung macht die großen Unterschiede beim Straßenlärm in Bühlau deutlich: Mit der Bautzner Landstraße und der Grundstraße führen zwei Trassen durch den Stadtteil, auf denen ein durchschnittlicher Schallpegel von bis zu 80 Dezibel erreicht wird – teils bis an die Hauswände. 

Das ist so laut, als würde ständig der Staubsauger laufen, wo man doch eigentlich seine Ruhe haben möchte. Schon fast idyllisch still ist es dagegen in den Wohngebieten an der Heide. Bei den Hunolds lag der Schallpegel tagsüber zwischen 70 und 75 Dezibel. Auch nachts sank er nur auf Werte zwischen 65 und 70 Dezibel.

Inzwischen sind Hunolds in ihr neues Häuschen in Stolpen gezogen, ganz raus aus Dresden. Dort haben sie Ruhe gefunden, aber vor allem auch einen großen Garten und Platz für die Familie. 

Roswitha Hunold, die in Dresden arbeitet, wünscht sich von der Stadt und den Verkehrsbetrieben noch deutlich mehr Engagement, um die Pendler am Stadtrand auf Bus und Bahn zu lenken. 

"Dann wären deutlich weniger Autos unterwegs und es würde für alle leiser werden", sagt sie. Doch nach dem Wegfall des Park-und-Ride-Platzes in Bühlau ist seit Jahren nichts getan worden, um den Umstieg attraktiv und praktikabel zu machen.

Lautester Stadtteil: Leipziger Vorstadt

Als lautester Stadtteil wird dem Familienkompass zufolge die Leipziger Vorstadt wahrgenommen, wo zwei Drittel der Befragten angeben, sie hörten den Verkehrslärm nicht nur auf der Straße, sondern auch in der Wohnung. 

Es folgen die Innere Neustadt und die nördliche Johannstadt. Wer Ruhe sucht, dürfte in Kleinzschachwitz am glücklichsten werden. Dort sagen drei Viertel, in den eigenen vier Wänden höre man kaum etwas oder gar nichts. 

Langebrück und Schönfeld-Weißig liegen dicht auf. Ganz Dresden wird auf einer Skala von 1 bis 5 mit der Note 3,2 bewertet und damit schlechter als alle sächsischen Städte und Gemeinden zusammen, die mit 2,9 bewertet werden.

Dresdens lauteste Straßen verlaufen quer durch das gesamte Stadtgebiet. Vor allem holpriges Groß- und Kleinpflaster verursacht hohe Abrollgeräusche, aber auch Betonplatten im Gleisbereich. 

An einigen hat die Stadt deshalb nachts oder auch tagsüber Tempo 30 angeordnet, denn mit sinkender Geschwindigkeit geht auch der Lärmpegel herunter. 

Doch wichtig wäre für die Anwohner, dass die Straßen schnell saniert werden. Zu den gepflasterten Straßen im Dresdner Hauptnetz gehören Abschnitte des Bischofsweges, der Gerokstraße, der Hamburger, der Königsbrücker, der Loschwitzer und Warthaer Straße sowie der Stauffenbergallee. 

"Für diese Straßen gibt es bereits Planungen in unterschiedlicher Reife oder zumindest Planungsabsichten", heißt es aus dem Umweltamt. Doch diese Aussage trifft die Stadt leider seit Jahren. 

Problemstraßen verlaufen quer durch die Stadt

Kleine Schritte sind es nur, die bisher gemacht wurden. So sorgen in fast allen Wohngebieten Tempo-30-Zonen für einen verträglicheren Verkehrsablauf, schätzt die Stadt ein. In Striesen wurde die Augsburger Straße, die eine Vorfahrtsstraßen war, in Tempo-30-Zonen integriert und damit spürbar beruhigt, auch wenn noch die Verbesserung des Straßenzustandes aussteht. 

Auch 30er-Streckengebote an der Königsbrücker Straße, der Gerokstraße und der Stauffenbergallee/West sorgen für eine bessere Situation, bis der Ausbau erfolgt, so das Umweltamt. Erfolgreich sei das Pilotprojekt für den Einsatz lärmmindernder Asphaltbeläge auf dem nördlichen Teil der Hechtstraße. 

Nicht nur in den städtebaulichen Sanierungsgebieten wie der Äußeren Neustadt, der Friedrichstadt, in Löbtau und dem Hechtviertel wurden und werden zahlreiche Straßen saniert und erhalten eine ebene Straßenoberfläche. Einen spürbaren Effekt haben auch die Straßenbahnstrecken, deren Gleise in Rasen eingebettet sind.

Laut Stadtverwaltung leben fast 40.000 Dresdner an Straßen, an denen der durchschnittliche Dauerschallpegel bei über 65 Dezibel liegt. Ein Wert, vor dem Mediziner warnen: Mehr als 55 Dezibel nachts und 65 Dezibel am Tag können gesundheitliche Folgen haben. 

Das Risiko von Herzinfarkt, Schlaganfall oder Depressionen steigt deutlich. Nachgewiesen wurden Änderungen in Stoffwechsel und Hormonhaushalt, eine Änderung der Gehirnstromaktivität, aber auch schlechter Schlaf, Stresssymptome und hoher Blutdruck.

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