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Dresdens Hofkirche öffnet nach Sanierung wieder

Sachsens größtes Gotteshaus erhält nach aufwendiger Sanierung den letzten Schliff. Dazu sind sogar Wattestäbchen nötig. Ein erster Blick ins restaurierte Innere.

Dompfarrer Norbert Büchner ist froh, dass die Gerüste im Hauptschiff der Hofkirche gefallen sind. Am Sonnabend ist dort der Eröffnungsgottesdienst.
Dompfarrer Norbert Büchner ist froh, dass die Gerüste im Hauptschiff der Hofkirche gefallen sind. Am Sonnabend ist dort der Eröffnungsgottesdienst. © Sven Ellger

Dresden. Pfarrer Norbert Büchner steht im Hauptschiff der Hofkirche und lässt den Blick schweifen. Seit April vergangenen Jahres ist das Kirchenschiff von Sachsen größtem Gotteshaus, das eine Grundfläche von 4.800 Quadratmetern hat, eine Baustelle.

Doch jetzt sind die meisten Gerüste verschwunden, die über 14 Etagen bis in eine Höhe von 32 Metern zur Decke empor geragt hatten. Derzeit wird die Kirche gereinigt. Damit sind die Handwerker im Hauptschiff fertig.

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Bis April werden nur noch die letzten Arbeiten in den Nebenschiffen abgeschlossen. Dort werden 56 Kirchfenster, die nur einfach verglast sind, durch zweifach verglaste Fenster mit einem wesentlich besseren Schallschutz sowie automatischer Lüftung ersetzt.

Dieses Bild aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass die Gerüste bis zur Decke des Hauptschiffs empor ragten.
Dieses Bild aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass die Gerüste bis zur Decke des Hauptschiffs empor ragten. © Foto: SZ/Peter Hilbert

Die Sanierung hatte im April vergangenen Jahres begonnen. Zwar wurde 1998/99 die Kirchendecke erneuert. Im gesamten oberen Bereich mussten jetzt aber die Fugen saniert werden, die offenbar nach den Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkriegs nicht richtig geschlossen wurden.

Sie wurden geöffnet und ordentlich mit Spezialmörtel verpresst. In dem Zuge wurden auch die Wände und die Decke der 1755 fertiggestellten Kirche gereinigt, ausgebessert und frisch gemalert. In Spitzenzeiten waren über 50 Restauratoren, Kunsthandwerker und andere Bauleute in der Hofkirche aktiv.

Zu kalt, um die Orgel zu stimmen

Im Januar war noch die berühmte Silbermannorgel mit ihren 3.000 Pfeifen von Dresdner Fachleuten gereinigt worden. Sie war zwischen 1750 und 1754 gebaut worden. Allerdings hatte Gottfried Silbermann ihre Fertigstellung nicht mehr erlebt, da er 1753 gestorben ist.

Schüler von ihm vollendeten sein Werk. „Gestimmt werden konnte die Orgel noch nicht“, erklärt der Dompfarrer. Denn dafür ist eine Temperatur von mindestens 15 Grad in der Hofkirche nötig. Wegen der Kälte sei es derzeit trotz der Heizung in dem Gotteshaus aber nur elf Grad warm.

Die wertvolle Silbermannorgel ist bereits vom Staub befreit. Allerdings muss sie noch gestimmt werden. Dafür muss es aber erst etwas wärmer in der Kirche werden.
Die wertvolle Silbermannorgel ist bereits vom Staub befreit. Allerdings muss sie noch gestimmt werden. Dafür muss es aber erst etwas wärmer in der Kirche werden. © Sven Ellger

„Wir sind froh, dass wir im Zeitplan bleiben konnten“, sagt Büchner. Auch die Kosten seien im Rahmen geblieben. Rund 4,9 Millionen Euro werden für die Sanierung investiert.

Den Großteil zahlt der Freistaat. Schließlich ist Sachsen Eigentümer der Kathedrale. Das Bistum Dresden-Meißen hat allerdings die Nutzungsrechte. „Das Faszinierende für mich ist, dass alle Gewerke im guten Miteinander alles geschafft haben. Das war eine sehr gute Zusammenarbeit.“

Froh ist der Pfarrer auch, dass es keinen Unfall gegeben hat. Bei so hohen Gerüsten könne eine kleine Unachtsamkeit bei den Handwerkern dramatische Folgen haben. „Deshalb sind wir glücklich, dass nichts passiert ist“, sagt Büchner.

Mit Wattestäbchen in die Vertiefungen des Beichtstuhls

Neben den Reinigungskräften sind die Dresdner Restauratorin Judith Fißler und ihr Leipziger Kollege Peter Bux die letzten Experten, die diese Woche noch in der Hofkirche aktiv waren.

Die Fachleute haben noch die großen hölzernen Beichtstühle mit ihren kunstvollen Schnitzereien gereinigt, die so alt wie die Kirche sind. Dafür sind vier Arbeitsschritte nötig, erläutert Restaurator Bux.

Zuerst wird der Staub mit dem Sauger und Pinseln entfernt. Danach kommt ein Mikroporenschwamm zum Einsatz, der nur wenig Feuchtigkeit abgibt, sodass das Holz nicht zu feucht oder der Lack beschädigt wird.

In einem dritten Schritt reinigen die Fachleute die Vertiefungen mit einem langen Wattestäbchen. Zuletzt polieren sie mit Vliestüchern noch die Oberfläche. „Dadurch bekommt das alte Holz wieder etwas Glanz“, erklärt Restaurator Bux.

Mit dem feuchten Wattestäbchen reinigt die Dresdner Restauratorin Judith Fißler die Vertiefungen dieses Holzreliefs am Oberteil des Beichtstuhls.
Mit dem feuchten Wattestäbchen reinigt die Dresdner Restauratorin Judith Fißler die Vertiefungen dieses Holzreliefs am Oberteil des Beichtstuhls. © Sven Ellger

Beim Vor-Ort-Termin reinigt er mit dem Mikroschwamm auf der obersten Etage eines großen Rollgerüstes gerade hölzerne Engelsköpfe am Oberteil des Beichtstuhls. Eine Etage darunter säubert seine Kollegin vom Gerüst aus mit dem Wattestäbchen Vertiefungen eines Holzreliefs.

„Dort kommt man nur mit dem Wattestäbchen hinein“, sagt die Restauratorin. Am Dienstagvormittag waren bereits zwei Beichtstühle gereinigt. Am Freitag waren alle sieben vom Baustaub befreit.

Bischofskonferenz kann nicht in Dresden tagen

Eigentlich war geplant, dass ab kommender Woche die deutsche Bischofskonferenz in Dresden tagen und ihre Gottesdienste in der Hofkirche durchführen sollte. „Doch aufgrund von Corona ist das nicht möglich“, sagt Büchner.

So wird das instandgesetzte Hauptschiff jetzt mit einem feierlichen Gottesdienst an diesem Sonnabend, 16 Uhr, mit Bischof Heinrich Timmerevers wiedereröffnet.

Wegen Corona gelten aber auch hier verschärfte Bedingungen. Von den knapp 500 Plätzen dürfen nur 120 besetzt werden. Während der Bauzeit wurden die Gottesdienste im Seitenschiff am Schloss abgehalten. Jetzt sind sie wieder sonntags im zentralen Hauptschiff.

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„Aber nicht nur die Gläubigen, sondern alle Sachsen können sich freuen, dass unsere Kathedrale in frischem Glanz zu sehen ist“, so der Pfarrer. Schließlich sei sie auch eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Dresden und im Freistaat.

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