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Mäuseplage auf Dresdens Äckern?

In Sachsen darf sogar Gift eingesetzt werden wegen der Plage. Ein Dresdner Bauer rät stattdessen zu anderen Maßnahmen gegen die Nager.

Feldmäuse haben sich in Sachsen stark vermehrt. Doch nicht jeder hat mit ihnen Probleme.
Feldmäuse haben sich in Sachsen stark vermehrt. Doch nicht jeder hat mit ihnen Probleme. © ZB

Dresden.  Sachsens Bauern kämpfen mit einer Mäuseplage, die Nager haben sich in den vergangenen Monaten explosionsartig vermehrt. Darüber informiert das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Frisch ausgesätes Getreide und Raps sind ideales Futter für die Mäuse. Ihre Bestände haben sich auch durch die milden Winter der vergangenen Jahre vermehrt. Viele Bauern haben Sorge, dass die Tiere großen Schaden auf ihren Äckern anrichten. Deshalb wurde nun sogar vom LfULG der Einsatz von Giftködern gestattet. „Von den Feldmäusen geht eine ernstzunehmende Gefährdung für die bestehenden Kulturen und für die Neuansaaten aus“, heißt es vom Landesamt. Möglich ist der Gifteinsatz per Legeflinte oder Köderstationen. Die Köder dürfen den Angaben zufolge aber nur unterirdisch ausgebracht werden.

Im Rhythmus von drei bis fünf Jahren gibt es Massenvermehrungen von Feldmäusen. Fachleute sprechen von Gradationen. Die letzte Massenvermehrung in unserer Region war im Jahr 2015. In den Jahren 2017 bis 2019 wurde ein eher geringer Befall beobachtet. Seit Frühjahr 2020 zeigen unsere Erhebungen eine starke Zunahme von Feldmäusen. Aktuell werden in Sachsen ähnlich hohe Befallszahlen ermittelt wie 2015.

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Auch die Stadt sieht in dem milden Winter und dem trockenen Sommer, dass sich die Mäuse sich bestens vermehren. "Bei den Problemen damit muss man aber zwischen Stadt und Land unterscheiden. Gibt es in der Stadt einen Mäusebefall, so ist dieser ein
Fall für die Schädlingsbekämpfung." Wenn man mit Giftködern gegen die Mäuse vorgehen müsse, dann habe das auch negative Auswirkungen auf andere Tierarten, so die Stadt. Wie etwa auf den Feldhamster, dieser ist in und um Dresden praktisch bereits ausgestorben. Die Köder könnten schlimmstenfalls auch von Vögeln gefressen werden. 

Dresdens Bauern können indes keine Mäuseplage feststellen. "Im Gegenteil. An den Kartoffeln haben sich die Tiere sogar weniger zu schaffen gemacht, als in den Vorjahren", sagt Biolandwirt Bernhard Probst vom Vorwerk Podemus. Er kritisiert den Einsatz von Gift scharf. "Das hat doch Folgewirkungen, wenn vergiftete Mäuse von Raubvögeln oder Säugetieren gefressen werden. Zudem gehen ja nicht nur Mäuse an die Köder", sagt Probst. Statt gleich nach Gift zu rufen, empfiehlt er, sogenannte Vogelkrücken auf den Feldern aufzustellen, auf denen sich Greifvögel niederlassen können. Deren Anzahl hat sich in den letzten Jahren ebenfalls erhöht. "Die sorgen für die natürliche Dezimierung bei den Mäusen", sagt der Biobauer. Zudem regt er an, dass auch konventionell arbeitende Bauern wieder zum Pflügen der Ackerflächen zurückkehren sollten. Das helfe auch, die Mäuse in Schach zu halten und das Wasser kann viel besser vom Boden aufgenommen werden. "Doch viel zu oft wird Glyphosat ausgebracht, der Boden verdichtet sich immer mehr." 

Auch wenn an den Feldrändern im Schönfelder Hochland zahlreiche Mäuselöcher zu sehen sind, kann auch Maximilian Paas, der Geschäftsführer der Gutsverwaltung Schönfelder Hochland keine Mäuseplage bestätigen. "Natürlich gibt es die Tiere auf den Feldern, aber weder sind es mehr als sonst, noch richten sie signifikanten Schaden an" sagt Paas. Die Tiere hätten im Hochland allerdings auch natürliche Feinde wie Greifvögel, Füchse oder Dachse, die die Mäusepopulation in Schach halten. "Außerdem wird der starke Regen der vergangenen Tage auch dazu geführt haben, dass Mäuse in ihren Bauen ertrunken sind", sagt der Geschäftsführer.

Wenn es viele Mäuse gibt, dann könnten sich auch die ohnehin schon reichlich vertretenen Wildtiere noch mehr in der Stadt ausbreiten. Etwa Greifvögel und Füchse  ziehen mehr Nachkommen auf, wenn es reichlich Mäuse gibt.  Mäuse können in kurzer Zeit eine sehr hohe Zahl von Nachkommen erzeugen. Die Fressfeinde schaffen es bei einer Massenvermehrung nicht mehr, die Feldmauspopulation zu regulieren, weil die Anzahl der Mäuse über ihren natürlichen Futterbedarf hinausgeht.  

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