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Hospiz: "Schweigen hilft oft mehr als Worte"

Schwester Aurelia ist Seelsorgerin im Marien-Hospiz. Dresdens erste Einrichtung dieser Art füllt eine große Lücke bei der Begleitung von Sterbenskranken.

"Helfen, inneren Frieden zu finden": Schwester Aurelia arbeitet als Seelsorgerin im Marien-Hospiz.
"Helfen, inneren Frieden zu finden": Schwester Aurelia arbeitet als Seelsorgerin im Marien-Hospiz. © Sven Ellger

Dresden. Kurz vor dem Tod stellen sich viele Menschen Fragen, auf die niemand eine gute Antwort kennt. Auch Schwester Aurelia nicht. Warum ich? Was passiert mit mir? Hatte ich ein gutes Leben? Wie kann ich meine Angst besiegen?

"Gemeinsam Schweigen hilft aber oft mehr als viele Worte", sagt die 43-Jährige, die im Schwesternhaus auf dem Gelände des St. Joseph-Stiftes wohnt und morgens keinen weiten Weg zur Arbeit hat. Als Seelsorgerin engagiert sie sich im Dresdner Marien-Hospiz, das in diesen Tagen sein einjähriges Jubiläum feiert. Menschen mit einer fortgeschrittenen lebensbegrenzenden Erkrankung finden hier ein Zuhause, in dem sie behütet leben und würdevoll sterben können.

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Es ist das erste und bislang einzige stationäre Angebot dieser Art in Dresden und Umgebung und es ist kein Zufall, dass gerade das St. Joseph-Stift sich für die Gründung einsetzte. Mit einer eigenen Palliativstation und dem Christlichen Hospizdienst ist das Haus auf diesem Gebiet bestens vernetzt.

Einsätze abends und am Wochenende

Der Freistaat unterstützte den 2,74 Millionen teuren Bau des Hospizes mit Fördermitteln. In der vierten Etage des neugebauten Maria-Merkert-Hauses gibt es rund 1.000 Quadratmeter Platz, darunter ein Wohnzimmer mit Wohnküche für gemeinsames Kochen und Feiern und einen begrünten Innenhof.

Zum einjährigen Bestehen kam nun in dieser Woche Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) zu Besuch, sprach beim Rundgang mit Hospizgästen und Mitarbeitenden. Auch mit Seelsorgerin Schwester Aurelia. "Das Vertrauen, das mir die Gäste schenken, indem sie sich öffnen, ist eine große Bereicherung für mein Leben", sagt die Ordensschwester. "Für mich ist das viel mehr als ein Job. Mir liegt das Wohl der Menschen am Herzen und ich möchte ihnen helfen, inneren Frieden zu finden." Zusätzlich zu ihren regulären Arbeitszeiten am Dienstag und Donnerstag steht sie oft auch abends und an den Wochenenden bereit, wenn sie gebraucht wird.

Von der Kosmetikerin zur Nonne

Ihr fester Glaube daran, dass die Sterbenden in eine andere Welt gelangen, mache ihr die vielen Abschiede leichter, sagt Schwester Aurelia. Als junge Frau kam sie aus ihrer Heimat Polen nach Deutschland und arbeitete zunächst als Kosmetikerin in Berlin. Dann fand sie im Leben für Gott einen neuen Sinn. Sie gehört dem katholischen Frauenorden der Schwestern von der heiligen Elisabeth an, der sie nach einer Zwischenstation in Weimar vor einem Jahr zurück nach Dresden entsandte, um als Seelsorgerin die Hospizarbeit zu unterstützen.

Insgesamt 115 Menschen fanden im ersten Jahr des Bestehens im Hospiz ihr letztes Zuhause. "Gemeinsam haben wir gelebt und gelacht – aber auch geweint und getrauert", sagt Leiter Johannes Bittner. "Es ist für mich bewegend zu sehen, welches Vertrauen unserer Arbeit und uns als neuer Einrichtung entgegengebracht wurde und wird."

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) besuchte das Marien-Hospiz mit seinem Leiter Johannes Bittner.
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) besuchte das Marien-Hospiz mit seinem Leiter Johannes Bittner. © Hospiz: "Schweigen hilft oft mehr als Worte"

Die Nachfrage ist groß. Obwohl alle zwölf Zimmer des Hospizes im vergangenen Jahr durchgängig bewohnt waren, konnte nur rund ein Drittel aller Anmeldungen bedient werden. Die bisherigen Bewohner kamen zum großen Teil aus Dresden und waren zwischen 20 und 95 Jahre alt. Jeder brachte seine eigene Lebensgeschichte mit, auf die die Betreuung zugeschnitten wurde. 33 hauptamtlichen Mitarbeiter und acht Ehrenamtliche widmen ihre volle Aufmerksamkeit den Bedürfnissen und Wünschen des Gastes sowie der Begleitung der Nahestehenden. Das Hospiz ist kein Krankenhaus. Soweit möglich, sollen die Gäste ihre Lebensgewohnheiten für die Zeit des Aufenthaltes beibehalten dürfen.

Der eine möchte noch einmal seine Leibspeise, der andere sich mit Angehörigen aussöhnen und träumt von einem persönlichen Treffen mit Fußballspielern von Dynamo Dresden oder dem hautnahen Kontakt zu einem Alpaka. All das hat das Dresdner Hospizteam bereits möglich gemacht.

Spenden und Ehrenamtliche sind gefragt

„Leben bis zuletzt zu ermöglichen, größtmögliche Lebensqualität und Selbstbestimmung zu schaffen und zu erhalten und ein behütetes und würdevolles Sterben zu ermöglichen, das ist unser Anspruch“, so Bittner.

Um diesen Anspruch auch weiterhin erfüllen zu können, ist das Hospiz auf Spenden angewiesen, da die Gäste selbst keine Kosten tragen und die Pflegekassen den Aufenthalt nur zu 95 Prozent finanzieren. Auf der Webseite des Hospizes wurde dafür ein Online-Spendenportal eingerichtet.

Auch Ehrenamtliche seien eine wichtige Säule, betont Bittner. „Besonders für die gastnahe Begleitung in Form von Gesprächen, Spaziergängen, Sitzwachen sowie Zeit mit unseren Gästen und Zugehörigen leisten sie einen unschätzbaren Beitrag.“

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Das Marien-Hospiz steht allen Menschen offen, die mindestens 18 Jahre alt sind und an einer fortschreitenden Erkrankung ohne Aussicht auf Heilung mit einer begrenzten Lebenserwartung von wenigen Wochen bis Monaten leiden, deren stationäre Krankenhausbehandlung abgeschlossen ist, bei denen eine ambulante Versorgung nicht (mehr) ausreichend möglich ist und bei denen eine umfassende palliative Pflege und Begleitung erforderlich ist.

Kontakt: Marien-Hospiz Dresden, Canalettostraße 10, 01307 Dresden
Telefon: 0351 4440 2520, E-Mail: [email protected], www.marienhospiz-dresden.de

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