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Dresden

Mehr Dresdner sind spielsüchtig

In den Beratungsstellen hat sich die Nachfrage in den vergangenen Jahren verdoppelt. Trotzdem werden Online-Casinos in Deutschland jetzt zugelassen.

Viele Dresdner zocken - bei manchen wird aus dem Gelegenheitsvergnügen jedoch eine ernsthafte Sucht, wie neue Zahlen der Beratungsstellen zeigen.
Viele Dresdner zocken - bei manchen wird aus dem Gelegenheitsvergnügen jedoch eine ernsthafte Sucht, wie neue Zahlen der Beratungsstellen zeigen. © dpa/Jan Woitas (Symbolbild)

Dresden. Glücksspiel kann nicht nur teuer werden, sondern auch krank machen. Das zeigen die neuesten Zahlen der Dresdner Suchtberatungsstellen. Demnach hat sich die Zahl der Fälle zwischen 2016 und 2020 verdoppelt, teilte die Stadtverwaltung mit. Bei 5,3 Prozent aller Süchtigen, die Hilfe suchten, ging es um Glücksspiel. Suchtmittel Nummer eins blieb der Alkohol. Zu den Gründen der wachsenden Spielsucht äußerte sich die Verwaltung nicht.

Am Donnerstag tritt ein neuer Staatsvertrag zum Glücksspiel in Deutschland in Kraft. Dieser sieht eine Zulassung von Online-Automatenspielen und Online-Casinos vor. „Online-Glücksspiel geht mit einer erhöhten Rate an Kontrollverlust und finanziellen Einbußen einher“, sagt die Dresdner Suchtbeauftragte Kristin Ferse. Durch die offizielle Zulassung werde das Angebot präsenter. Immerhin sieht der Vertrag auch ein monatliches Limit bei den Einsätzen vor. Außerdem können sich Personen selbst sperren lassen.

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"Neues Spiellimit ist viel zu hoch"

„Alle diese Maßnahmen gehen in die richtige Richtung“, sagt Katrin Wolff, Leiterin der Gesop-Suchtberatungsstelle in Dresden, die unter anderem auf Probleme im Zusammenhang mit Glücksspiel spezialisiert ist. Sie übt aber auch Kritik: „Das Spiellimit von 1.000 Euro monatlich schätze ich, wie viele Vertreter der Suchthilfe bundesweit, als zu hoch und existenzgefährdend für besondere Personengruppen ein. Grundsätzlich problematisch ist auch, dass die Präventionsmaßnahmen zeitverzögert zur Marktöffnung für Online-Glücksspielangebote in Aussicht gestellt werden, womit eine große Lücke im Spielerschutz entsteht.“

Für Betroffene mit Glücksspielproblemen und deren Angehörige gibt es verschiedene Hilfsangebote. In Dresden bietet die Suchtberatungs- und Behandlungsstelle der Gesop kostenfreie Informationsseminare an sowie, in Kooperation mit der Caritas-Suchtberatungsstelle, das Angebot zur ambulanten Rehabilitation.

Für zusätzliche kostenfreie und anonyme Hilfe können sich Ratsuchende auch an das Info-Telefon zur Glücksspielsucht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wenden unter 0800 1372700. (SZ/sr)

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