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Nach Konzertabsage in Dresden: Hitlergruß-Vorwurf gegen Melanie Müller

Nach Sieg-Heil-Rufen auf einem ihrer Konzerte hat Sängerin Melanie Müller einen Auftritt in Dresden abgesagt. Jetzt kursiert ein Video im Netz, das sie selbst beim Hitlergruß zeigen soll.

Von Christoph Pengel
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Schlagersängerin und Ex-Dschungelkönigin Melanie Müller sollte in Dresden beim Pichmännel-Oktoberfest auftreten. Nach der Berichterstattung über ein Skandalkonzert in Leipzig sagte sie ab.
Schlagersängerin und Ex-Dschungelkönigin Melanie Müller sollte in Dresden beim Pichmännel-Oktoberfest auftreten. Nach der Berichterstattung über ein Skandalkonzert in Leipzig sagte sie ab. © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild (Archiv)

Dresden. Nach der Konzertabsage beim Dresdner Pichmännel-Oktoberfest könnte Schlagersängerin Melanie Müller weiter in Bedrängnis geraten. Der für Mittwoch geplante Auftritt fiel nach einem Video aus. Darin ist zu sehen, wie Zuschauer bei einem ihrer Konzerte offensichtlich "Sieg Heil" rufen.

Am Mittwoch veröffentlichte die Bild-Zeitung dann ein weiteres Video. Es soll Melanie Müller selbst beim Hitlergruß zeigen. Müller habe auf einer Bühne gestanden und mehrfach den rechten Arm in die Höhe gereckt, während das Publikum "Ost, Ost, Ostdeutschland" brüllte. Der Bild-Zeitung sagte sie: "Seit elf Jahren stehe ich auf der Bühne und mache immer diese Handbewegungen. Nicht aus rechtsradikalem Hintergrund, sondern "Zicke-zacke, zicke-zacke", also genau so, wie ich es dort mache."

In dem ersten, ebenfalls von Bild veröffentlichten Video war zu sehen, wie mehrere Männer auf einem Konzert von Müller "Sieg Heil" rufen. Arme gehen nach oben, Pyrotechnik wird gezündet. Die Sängerin wirkt zunächst irritiert, dann schreit sie "Zicke-zacke, zicke-zacke". Nach Angaben von Bild wurden die Szenen auf einem Oktoberfest in Leipzig aufgenommen.

Nachdem weitere Medien in den vergangenen Tagen über das erste Video berichtet hatten, äußerte sich Müller auf ihrem Instagram-Account und sagte das für diesen Mittwoch geplante Konzert beim Dresdner Pichmännelfest ab. "In der aktuellen Situation kann ich nicht so einfach in Feierstimmung übergehen", schrieb sie.

Müller distanziert sich von rechtsradikalen Parolen

Zudem ging sie auf den Vorfall in Leipzig ein. "Fakt ist: In mein Publikum gehören keine Nazis. Ich distanziere mich klar von den Geschehnissen bei dem Auftritt in Leipzig und hoffe, dass ich mit etwas Abstand die Möglichkeit bekomme, mich öffentlich zu positionieren."

Müller bestätigte, dass während ihres Auftritts in Leipzig rechtsradikale Parolen skandiert wurden. Allerdings habe sie die Zuschauer aufgefordert, damit aufzuhören. "Als es zu weiteren derartigen Äußerungen kam, habe ich meinen Auftritt sofort abgebrochen und die Veranstaltung verlassen", so Müller.

Im Video ist allerdings nicht zu erkennen, dass Müller ihre Fans zur Ordnung ruft. Auch der angebliche Konzertabbruch lässt sich anhand der Aufnahmen nicht nachvollziehen. Fragen von Sächsische.de an die Agentur der Schlagersängerin blieben bislang unbeantwortet.

Sicher ist, dass der Auftritt in Leipzig juristische Konsequenzen hat. Es werde wegen des Verdachts der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Leipzig am Dienstag.

Der Veranstalter des Pichmännelfestes in Dresden, die Bierbrauerei Feldschlößchen, weist auf der eigenen Internetseite darauf hin, dass man sich zusammen mit der Künstlerin für die Konzertabsage entschieden habe. Auf Fragen zu den Hintergründen und Folgen ging ein Sprecher der Firma nicht ein.

Melanie Müller wurde 1988 in Oschatz geboren. 2014 wurde sie Dschungelkönigin in der achten Staffel der RTL-TV-Serie Dschungelcamp. Später war sie auch in der Show Big Brother zu sehen. Neben weiteren Auftritten im Fernsehen war sie in den vergangenen Jahren als Schlagersängerin unterwegs, unter anderem am Ballermann. (SZ/dpa)