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Ministerpräsident meldet sich nach Rassismus-Video

Meistgelesen: Unter Tränen berichtete die Pau-Pau-Gründerin Vanessa Bravo über rechte Anfeindungen in Dresden. Die Reaktionen darauf überwältigen sie.

Vanessa Bravo zögerte lange, bis sie mit ihrem Video den Schritt in die Öffentlichkeit ging.
Vanessa Bravo zögerte lange, bis sie mit ihrem Video den Schritt in die Öffentlichkeit ging. © Marion Doering

Dresden. Ans Eis-Machen ist für Vanessa Bravo an diesem Mittwoch nicht zu denken. Die Mitbegründerin der Eismanufaktur Pau Pau in Dresden ist stattdessen rund um die Uhr mit Reaktionen auf ihr Video beschäftigt. Am Montagabend hatte sie bei Instagram einen rund sechsminütigen Clip hochgeladen, in dem sie sehr emotional von rassistischen Anfeindungen in Dresden berichtet.

Bereits kurz nach der Veröffentlichung des Videos stand ihr Telefon nicht mehr still. "Alle haben Nachrichten geschickt oder angerufen", sagt sie. "Viele haben sich bedankt, dass ich auch für sie gesprochen habe".

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Auch Vanessa Bravo hat lange gezögert, bevor sie den Mut fasste und den Schritt in die Öffentlichkeit ging. Die gebürtige Spanierin kam vor 15 Jahren als Sprachdozentin nach Dresden und baute sich hier eine Familie und eine Karriere als Eis-Unternehmerin auf.

"Ihr seid erwünscht"

Seitdem, so berichtete die 41-Jährige in dem Video, habe sie jedoch immer wieder erschütternde Erlebnisse gehabt, sei von rechten Jugendlichen in ein Auto gezogen, im Supermarkt und im Schnellrestaurant beleidigt worden. Als nun ihr Sohn Alejandro auf einem Parkplatz in der Innenstadt rassistisch beschimpft und fast überfahren wurde, wollte sie nicht länger schweigen.

Am Dienstag berichtete Sächsische.de über das Video und die Hintergründe und löste damit eine Welle der Empörung und Diskussionen im Netz aus.

Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer meldete sich am Mittwoch öffentlich zu Wort, nachdem er Vanessa Bravo bereits persönlich angerufen und ihr Mut zugesprochen hatte. Auf Facebook veröffentliche Kretschmer einen kurzen Text, in dem er die Dresdnerin mit spanischen Wurzeln direkt ansprach. "Du bist hier nicht nur willkommen. Du und deine Familie, ihr seid erwünscht. Hier ist euer Zuhause. Genau wie meins."

Auch auf ihren Vorwurf, in Dresden gebe es zu wenig Zivilcourage bei rassistischen Anfeindungen, ging Kretschmer ein. "Dein Wunsch, dass wir alle diese Haltung auch mehr zeigen sollen, ist berechtigt", schrieb er. "Das Schlechte ist leichter zu ertragen, wenn viel mehr Gutes da ist."

Unter Kretschmers Beitrag entspann sich eine Diskussion über Zuwanderungspolitik und Corona-Maßnahmen. Einige dankten ihm für das Statement, andere warfen sowohl dem Ministerpräsidenten als auch der Unternehmerin vor, nur Aufmerksamkeit generieren zu wollen.

Denselben Vorwurf aus einigen Ecken der Gesellschaft muss sich wenige Wochen vor der Bundestagswahl wohl auch Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) gefallen lassen, die Vanessa Bravo am Mittwochnachmittag zu Hause in ihrer Wohnung besuchte.

Auf Instagram habe die Spanierin dagegen fast ausschließlich positive Reaktionen erhalten, wie sie positiv überrascht feststellte, und auch auf anderen Facebookseiten wie der von Sächsische.de bekam sie für ihre Worte zum großen Teil Zuspruch, um ihr Unterstützung anzubieten und ihre Offenheit zu würdigen.

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Die Spanierin Vanessa Bravo hat in Dresden eine Familie gegründet und ihren Traumjob gefunden. Doch unverhohlener Rassismus lässt sie an allem zweifeln.

"Die Mehrheit der Dresdner muss klare Kante gegen die Rassisten zeigen. Jeden Tag", schreibt dort Christian Demuth. Andere wiesen darauf hin, dass die geschilderten Vorfälle zwar nicht akzeptabel seien, aber auch nicht auf die gesamte Stadt übertragbar. "Ich habe bei meinen vielen Besuchen in Dresden mit schwarzen Freunden und Bekannten noch kein einziges derartiges Erlebnis gehabt", schreibt Moritz Wieck. Nur wenige Kommentatoren zweifelten grundsätzlich an den Schilderungen von Vanessa Bravo.

Die Masse der zum größten Teil positiven Reaktionen überwältigt die Wahl-Dresdnerin. "Ich fühle mich gerade ein wenig überfordert, aber ich finde es so toll, dass meine Worte den Menschen nicht egal sind."

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