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Müll im Grünen: Braucht Dresden mehr Abfallkörbe?

Nach milden Spätsommerabenden sind die Elbwiesen verdreckt. Das kostet die Stadt nicht nur viel Geld. Für Tiere ist der Müll mitunter gefährlich.

Mitarbeiter der Stadtreinigung Dresden tragen Müll vom Elberadweg weg.
Mitarbeiter der Stadtreinigung Dresden tragen Müll vom Elberadweg weg. © Christian Juppe (Archiv)

Dresden. Der Sommer ist fast vorbei. Einige sonnige Tage und milde Abende hat es in der vergangenen Woche noch gegeben. Was konnte da schöner sein, als sich mit Freunden im Park oder an der Elbe zu treffen, gemeinsam zu reden, zu essen und zu trinken? Ein Problem an diesen Treffen ist, dass nicht alle Dresdner ihren Müll wieder mit nach Hause nehmen oder in einer Mülltonne entsorgen. Unschöne Anblicke sind aber das geringste Übel.

Welcher Müll wird vor allem liegengelassen?

Die Abfälle seien geprägt von To-Go-Bechern, Grillverpackungen und Flaschen, so das Rathaus. Pappbecher, aus denen Kaffee, Tee oder Kakao getrunken wird, sind in Dresden schon lange ein Problem. Eine Papierkorbanalyse der Stadt ergab vor vier Jahren, dass jährlich gut zehn Millionen Einwegbecher weggeworfen werden. Neuere Zahlen gibt es nicht. Auch die Deutsche Umwelthilfe hat Zahlen veröffentlicht. Demnach werden in Deutschland stündlich 320.000 Kaffee-to-go-Becher verbraucht. Das Abfallaufkommen auf den Elbwiesen ist stark vom Wetter abhängig. "Bei guter Witterung muss von Sonnabend bis Montag mehr abgesammelt werden als an anderen Tagen", so die Stadt.

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Wie viele Beschwerden über liegengelassenen Müll gibt es?

Die Verwaltung führt zwar keine zentrale Statistik zu Beschwerden und kann daher keine Zahlen liefern. Es gebe im Amt für Abfallwirtschaft aber mündliche Beschwerden im mittleren zweistelligen Bereich. Schwerpunkte seien der Alaunplatz, die Ecke Alaunstraße/Böhmische Straße und der Albertplatz, so die Stadt. Insbesondere Anwohner übten Kritik wegen des Mülls, der dort liegengelassen wird.

Liegt das vielleicht an zu wenigen Müllkörben?

Läuft man durch den Alaunpark oder entlang der Elbe, bietet sich Dresdnern auch folgendes Bild: Mülleimer quellen über, davor stapeln sich Pappen und Kartons. Wollen viele Menschen ihren Müll entsorgen und scheitern schlichtweg daran, dass es zu wenige Körbe gibt? Die Stadt betont, es gebe am Alaunplatz über 40 Papierkörbe, darunter fünf große mit mehreren 100 Litern Fassungsvermögen. Darüber hinaus würden zehn Tonnen zeitweise auf der Wiese aufgestellt. Hinzu kämen mehrere Müllgroßbehälter in der warmen Saison.

Auch am Elberadweg gibt es aus Sicht der Stadtverwaltung genügend Entsorgungsmöglichkeiten. Auf beiden Seiten der Elbe stehen zwischen Altstadt und dem Blauen Wunder insgesamt 45 Müllkörbe. Im Sommerhalbjahr, von Anfang April bis Ende September, werden die Papierkörbe fünfmal pro Woche geleert, im Winterhalbjahr zweimal in der Woche, so die Stadt.

Am Elberadweg zwischen Marienbrücke und Diakonissenweg gebe es derzeit außerdem zwölf große Papierkörbe mit einem Volumen von jeweils 800 Litern. Deren unterirdische Sammelbehälter seien generell immer aufnahmebereit.

Was ist dann das Problem - müssten noch mehr aufgestellt werden?

"Eine Steigerung scheint nicht sinnvoll, da das Angebot jetzt bereits überdurchschnittlich dicht ist und der Wille zur Entsorgung nicht bei allen ausgeprägt ist", sagt die Verwaltung.

Außerdem, so betont das Rathaus, seien Anfang Juli noch einmal zusätzliche Abfallbehälter am Elbufer aufgestellt worden. Zwei feuerverzinkte Behälter mit einem Volumen von jeweils 1.100 Litern stehen an der Prießnitzmündung und am Pavillon an der Albertbrücke. Sie sind speziell für Picknickreste gedacht, die viele Elbwiesen-Besucher sonst im Grünen zurücklassen. An der Pieschener Flutschutzmauer, nahe des Ballhauses Watzke, gibt es vier Behälter.

Mit welchen Strafen müssen Müllsünder rechnen, wenn sie erwischt werden?

Statt im Mülleimer landen Pappbecher und Co. oft einfach auf der Wiese, neben dem Papierkorb oder im Gebüsch. Doch das kann teuer werden. Eine Pauschale gibt es nicht: Die Festsetzung der Höhe des Bußgeldes richte sich nach dem jeweiligen Einzelfall, so die Stadt. So werden beispielsweise bei Abfällen wie Pappbechern, Papptellern, Nahrungsabfällen wie Bananenschalen oder Lebensmittelresten Geldbußen von bis etwa 40 Euro fällig. Werden mehrere Gegenstände wie Plastebeutel, Blechdosen und Verpackungsmaterialen liegen gelassen, erhöht sich die Geldbuße. Bis zu 1.000 Euro sind dann möglich. Der Gesetzgeber lässt sogar ein Bußgeld von bis zu 100.000 Euro zu, wenn besonders viel Müll entsorgt wird.

Wie gefährlich ist Müll für die Umwelt?

Die Abfälle sind nicht nur unschön und teuer für die Stadt, sondern auch gefährlich. Generell könnten von ihnen Gefahren ausgehen, etwa eine Zerstörung der Grasnarbe. Gleiches gelte für Tiere, wenn sie Verpackungskunststoffe oder Glasscherben fressen, betont das Umweltamt. Auch der Naturschutzbund Nabu warnt, die Abfälle seien selbst noch für Meerestiere gefährlich, da 80 Prozent des Plastikmülls in den Ozean-Müllstrudeln vom Land kämen. Der Wind wehe den Müll in die Elbe, die ihn in die Nordsee spüle.

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Aber auch Landtiere seien direkt von den liegengebliebenen Abfällen - nicht nur an den Elbwiesen - betroffen. Eichhörnchen und Igel suchten nach Futter und durchwühlten auch gerne Müll. Hier könnten sich die Tiere lebensbedrohlich oder tödlich in To-Go-Bechern oder anderen schmalen Behältern mit ihren Köpfen verfangen.

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