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Dresdner Muslime: "Zeigen, dass wir gegen Terror sind"

Am Samstag haben junge Muslime ihr Mitgefühl für die Opfer islamistischen Terrors ausgedrückt. Bei einer Mahnwache des CSD gab es am Sonntag einen Vorfall.

Mitgefühl mit den Opfern islamistischer Terroranschläge: Kundgebung auf dem Dresdner Neumarkt.
Mitgefühl mit den Opfern islamistischer Terroranschläge: Kundgebung auf dem Dresdner Neumarkt. ©  Christian Juppe

Dresden. Etwa 25 Muslime haben am Samstag in der Dresdner Innenstadt gegen islamistischen Terror demonstriert. Unter dem Motto "Islam gegen Terrorismus"  kamen sie auf dem  Neumarkt am Martin-Luther-Denkmal zusammen und drückten auf verschiedenen Bannern und Plakaten Trauer und Wut aus. Veranstaltet wurde die Aktion vom Dresdner Kultur- und Bildungszentrum Marwa Elsherbini.

"Wir Muslime und Gaststudenten möchten unser Mitgefühl mit allen Menschen zum Ausdruck bringen, die von Terror und Gewalt betroffen sind", sagte der Anmelder der Kundgebung, Faysal Alajajy. "Wir möchten damit zeigen und beweisen, dass wir als Muslime, Flüchtling und Syrer absolut dagegen sind, was in Dresden am 4. Oktober geschehen ist."

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An diesem Tag hatte der als radikal-islamistisch eingestufte Abdullah H. an der Schloßstraße in der Dresdner Innenstadt ein mutmaßlich homosexuelles Touristen-Paar mit einem Messer attackiert. Die beiden Männer aus Nordrhein-Westphalen wurden schwer verletzt, einer von ihnen starb später im Dresdner Uniklinikum.  

Nicht in meinem Namen: Plakate und Transparente sollen Trauer und Wut zum Ausdruck bringen.
Nicht in meinem Namen: Plakate und Transparente sollen Trauer und Wut zum Ausdruck bringen. © Christian Juppe

"Es tut uns sehr leid, dass einige wenige von weltweit 1,9 Milliarden Muslimen den Ruf unserer Religion beschädigen, weil sie sie für niedere Zwecke missbrauchen", hieß es am Samstag auf verteilten Handzetteln vor dem Denkmal. Die Veranstalter wollten darauf hinweisen, dass Terrorismus gegen fundamentale Grundsätze des Islams verstoße, so die Organisatoren weiter. "Lassen Sie uns daran mitwirken gegenseitiges Vertrauen und Verständnis durch Gespräche aufzubauen." 

In den vergangenen Wochen war es zu mehreren islamistischen Morden in Frankreich und Deutschland gekommen. 

CSD gedenkt auf dem Altmarkt

Für den Sonntag hatte der  CSD Dresden e.V. zu einer Schweigeminute für den in Dresden getöteten Touristen um 16 Uhr an der Schloßstraße aufgerufen. Dem folgten so viele Menschen, dass die Kundgebung auf den Altmarkt verlegt werden musste. CSD-Chef Ronald Zenker schätzte, dass etwa 350 Menschen bei der Mahnwache auf dem Altmarkt dabei waren. So viele Gedenkkerzen hatte der Verein dort aufgestellt, an jeder Kerze stand ein Teilnehmer. 

Martin Dulig (SPD) war als Stellvertreter für Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zur Mahnwache auf den Altmarkt gekommen.
Martin Dulig (SPD) war als Stellvertreter für Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zur Mahnwache auf den Altmarkt gekommen. © Christian Juppe
Rund 350 Menschen waren dem Aufruf des Dresdner CSD zur Kundgebung auf den Altmarkt gefolgt.
Rund 350 Menschen waren dem Aufruf des Dresdner CSD zur Kundgebung auf den Altmarkt gefolgt. © Christian Juppe
Am Tatort in der Schloßstraße wurden nach der Mahnwache Gedenkkränze abgelegt. Dabei schnitt ein Unbekannter die Schleife an einem AfD-Kranz ab.
Am Tatort in der Schloßstraße wurden nach der Mahnwache Gedenkkränze abgelegt. Dabei schnitt ein Unbekannter die Schleife an einem AfD-Kranz ab. © Christian Juppe

Der CSD hatte unter anderem Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und den sächsischen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) eingeladen. Stattdessen kamen der Erste Bürgermeister Detlef Sittel (CDU) und Kretschmers Stellvertreter Martin Dulig (SPD), der seinen Urlaub unterbrochen hatte. 

"Kein Mensch hat das Recht zu entscheiden, wer leben darf und wer nicht", sagte Dulig mit Blick auf das Attentat. Offenbar sei das Opfer, Thomas, Hand in Hand mit seinem Lebenspartner durch Dresden gelaufen, als das Paar angegriffen wurde. Zenker bezeichnete die Tat als sinnloses, brutales Hassverbrechen. "Die Anhänger des Islamischen Staates wollen unsere offene und vielfältige Gesellschaft treffen." 

Deutliche Worte fand auch Seyran Ates, Initiatorin und Mitbegründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, die nach eigenen Angaben für einen liberalen Islam stehe. Die deutsche Anwältin und Autorin türkischer Abstammung, die auf der CSD-Bühne sprach, forderte andere Muslime auf, ihr Schweigen angesichts der Attentate zu brechen. Sie sei enttäuscht, dass nach den IS-Morden jetzt nicht - wie bei der Bewegung Black Live Matters, die sich gegen Gewalt gegen Schwarze engagiert - in Deutschland Zehntausende auf die Straßen gehen

Unbekannter beschädigt Gedenkkranz der AfD

Am Ende der Mahnwache kam es zu einem Vorfall, bei dem ein Unbekannter einen der Gedenkkränze zerstörte. Die Kränze wurden nach der Mahnwache am Tatort in der Schloßstraße abgelegt. Die AfD hat Anzeige erstattet, da es sich um ihren Kranz handelte, teilte ein Polizeisprecher am Sonntagabend mit. Die Polizei ermittelt nun. Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben, berichten, dass eine schlanke Gestalt mit Mundschutz an den Kranz trat, die Schleife abschnitt und sich dann durch die Menschenmenge entfernte. 

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