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Nach Absage per SMS: Happy End für Loany

Eben noch wusste die junge Architektin aus Honduras nicht, ob sie Deutschland nach Ablauf ihres Visums verlassen muss. Die Hilfe der Dresdner überwältigt sie.

Zweiter Anlauf in Dresden: Loany Guzmann ist seit Oktober im Unternehmen Gicon als Architektin angestellt.
Zweiter Anlauf in Dresden: Loany Guzmann ist seit Oktober im Unternehmen Gicon als Architektin angestellt. © René Meinig

Dresden. Die SMS enthielt nur zwei Sätze: Leider gibt es keine Möglichkeit für ein Praktikum, und - "Wir wünschen Ihnen trotzdem alles Gute." Für Loany Guzmann waren diese dürren Zeilen mehr als eine bedauerliche Absage. Für die junge Frau aus Honduras brach mit diesem Blick auf ihr Handy alles zusammen, was sie sich in Deutschland aufgebaut zu haben glaubte.

Im Jahr 2020 war Loany Guzmann, eine studierte Architektin, zunächst für ihren Bundesfreiwilligendienst nach Quedlinburg gekommen, wo sie 18 Monate lang bei der Restaurierung von historischen Fachwerkhäusern half. Parallel dazu machte sich die 31-Jährige auf die Suche nach einem Job mit Zukunft.

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Nach einem Online-Interview unterschrieb sie einen Praktikumsvertrag bei einem Architekturbüro in Dresden, dessen erste Version die Arbeitsagentur jedoch nicht akzeptierte, da ihr kein Mindestlohn zugesichert worden war. Kein Problem, hieß es von dem Unternehmen, die Änderungen seien nur Formalitäten.

Unzählige Nachrichten machen Mut

Loany Guzmann suchte sich eine Wohnung in Dresden und begann gerade mit der Einrichtung, als sie die SMS-Absage wie ein Blitz traf. Das Visum in Deutschland, der Mietvertrag in Dresden, die neuen Möbel, die Schulden bei einem Freund - sie wusste nicht, wie es weitergehen sollte.

Nachdem die Sächsische Zeitung Anfang August über das Drama berichtet hatte, zeigte sich schnell: Dresden muss nicht immer die Stadt sein, die für Ausgrenzung und Spaltung steht. Unzählige Menschen hätten sie in den Tagen und Wochen nach dem Beitrag angeschrieben und angerufen. "Viele von denen hatten gar nichts mit Architektur zu tun und konnten mir auch keinen Job anbieten", sagt sie. "Sie wollten mir einfach nur Mut machen und mir sagen, dass ich positiv denken solle. Das war überwältigend und ich möchte mich bei allen bedanken." Sogar neue Freunde habe sie auf diesem Weg gefunden. "Ich bin mir sicher: Alle Dinge geschehen aus einem Grund. Wenn sich die eine Tür schließt, öffnet sich irgendwo eine neue."

Auch potenzielle Arbeitgeber meldeten sich bei Loany Guzmann. Sie bekam mehrere Angebote, wurde eingeladen. "Das hat mich am Anfang auch ein bisschen überfordert."

Nach mehreren Vorstellungsgesprächen kristallisierte sich bald ein Favorit mit kompliziertem Namen aber klaren Visionen heraus. Die Gicon Großmann Ingenieur Consult GmbH mit Hauptsitz auf der Tiergartenstraße in Dresden bot ihr statt des zunächst angedachten Praktikums gleich eine Festanstellung im Fachbereich Bauplanung an.

Gicon-Geschäftsführerin Annett Schröter ist froh, dass sich Loany Guzmann für ihr Unternehmen entschieden hat.
Gicon-Geschäftsführerin Annett Schröter ist froh, dass sich Loany Guzmann für ihr Unternehmen entschieden hat. © René Meinig

"Als wir den Artikel in der SZ gelesen hatten, versuchten wir sofort, Kontakt zu Frau Guzmann aufzunehmen", erinnert sich Geschäftsführerin Annett Schröter. "Da kamen zwei Dinge zusammen: Wir suchen händeringend nach Fachpersonal und dort suchte eine Frau nach einer Chance."

Spätestens nach dem persönlichen Gespräch sei klar gewesen, dass man gut zusammenpasse. "Die Herkunft spielt für uns schon längst keine Rolle mehr", sagt Annett Schröter. Viele gefragte Kenntnisse finde man inzwischen eher bei ausländischen Fachkräften. Rund zehn Prozent der 150 Mitarbeiter des Unternehmens stammen aus dem Ausland, unter anderem aus Albanien, China, Indien und Kolumbien.

Am 1. Oktober trat Loany Guzmann ihren Dienst bei Gicon an, sitzt seitdem in einem Großraumbüro und wird in den ersten Wochen zunächst in die Arbeitsabläufe eingearbeitet. "Ich bin sehr glücklich, dass ich Teil dieses Unternehmens sein darf", sagt sie.

Fast schon vergessen ist der nervenaufreibende Wirbel um ihre Wohnung in Dresden. Durch die plötzliche Absage ihrer Anstellung im August war auch der Mietvertrag für ihre erste Unterkunft geplatzt. Ersatz hat sie nun in einer WG in der Altstadt gefunden, in der sie sich ein kleines Zimmer sicherte.

Ausländerbehörde spielt mit

Die Personalabteilung ihres neuen Arbeitgebers kümmerte sich unterdessen um die offenen Fragen der Ausländerbehörde. Obwohl ihr Visum bereits abgelaufen war und auch die Gnadenfrist im September endete, wurde ihr der nötige Aufschub bis zum 1. Oktober gewährt. Ihre neue Aufenthaltserlaubnis in Deutschland gilt zunächst für ein Jahr - genauso wie ihr Arbeitsvertrag.

"Wir hoffen, dass wir Frau Guzmann bald einen unbefristeten Vertrag anbieten können, müssen uns aber an die gesetzlichen Bedingungen halten", betont Chefin Annett Schröter.

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Loany Guzman darf ihren Traum weiterleben, den sie schon als Kind in Honduras träumte. Ihr Leben dort war nicht immer einfach. Ihr Vater wurde in der Hauptstadt Tegucigalpa ermordet, ihre Mutter litt an Krebs. Nach den schweren Schicksalsschlägen sieht sich die Tochter nun auf dem Weg in eine sichere und friedliche Zukunft. Für die ersten Bauprojekte ist sie bereits eingeplant.

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